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17. dokumentarfilmwoche hamburg 15. - 19. April 2020

Vom 15. bis 19. April 2020 zeigt die dokumentarfilmwoche hamburg in ihrer 17. Ausgabe kuratierte deutsche und internationale Dokumentarfilme abseits des Mainstreams. In insgesamt 48 Veranstaltungen an den Spielorten Metropolis, B-Movie, Lichtmess sowie im Festivalzentrum in der fux eG sind zeitgenössische, formal und inhaltlich anspruchsvolle Produktionen zu sehen, die meisten davon erstmalig in Hamburg.

Neben dem Zeigen der Filme steht auch das Sprechen darüber im Fokus des Festivals. In diesem Jahr konnten wieder viele außergewöhnliche Filmemacher*innen aus aller Welt für die Teilnahme gewonnen werden. Bei fast allen Vorführungen werden sie anwesend sein und dem Publikum Rede und Antwort stehen, darunter Éric Baudelaire, Callisto Mc Nulty, Steffen Goldkamp, Ute Adamczewski, Tiago Hespanha, Laura Coppens, Lukas Marxt, Marwa Arsanios, Amel Alzakout, Khaled Abdulwahed, Elsa Kremser und viele andere. Ihre Filme sind Highlights des dokumentarischen Erzählens, die österreichische Pionier-Künstlerinnen in ihre Ateliers begleiten, die die Gedankenwelt der Kinder des Banlieu St. Denis bei Paris verstehen lernen, die den Berichten der Bewohner Lesbos´ lauschen und auf feministische Projekte in den kurdischen Bergen setzen. Sie ziehen einen in den Rausch eines filmsüchtigen Künstlers und empfinden mit Menschen, die beim Livestreaming in China der Isolation entkommen wollen. Die Spuren „wilder Konzentrationslager“ sucht der Film »Zustand und Gelände», eine ungeahnte Perspektive auf die Migrationsrute durch das Mittelmeer tut sich mit »Purple Sea»“ auf und »Ralfs Farben» zeigt das experimentelle Portrait eines schizophrenen Mannes vor der Kulisse Lanzarotes.

Gesamt-Retrospektive Trinh T. Minh-ha
Besonders stolz ist die dokumentarfilmwoche hamburg, für ihre diesjährige Retrospektive die „Grenzgängerin“ Trinh T. Minh-ha begrüßen zu können. Das Werk der Regisseurin, Autorin und Komponistin gilt als grundlegend für postkoloniale und feministische Debatten. Gezeigt werden alle ihre acht Filme, die zwischen 1982 und 2015 entstanden sind. Die amerikanische Professorin für Rhetorik sowie Gender- und Frauenforschung an der Universität Berkeley wird während der gesamten Festivalzeit in Hamburg sein und nicht nur für Q&As zur Verfügung stehen, sondern auch einen Vortrag halten. Mit ihrem Debütfilm »Reassemblage« wird das Festival am Mittwoch, den 15.4. im Metropolis eröffnet.

Dokland Hamburg
Als einziges, ausschließlich auf Dokumentarfilme spezialisiertes Festival der Region, fühlen sich die Veranstalter*innen insbesondere Produktionen aus Hamburg verpflichtet. Steffen Goldkamps Kurzfilm »Nach zwei Stunden waren zehn Minuten vergangen«, ist ebenfalls Eröffnungsfilm und bringt uns das Leben in der JVA auf der Elbinsel Hahnöfersand nahe. Aber die Filmemacher*innen richten ihren Blick mitnichten nur auf die eigene Stadt: Sie reisen nach China, um den Alltag junger Menschen zu verstehen (»Transit Circle«), gehen im südlichen Texas der Natur auf den Grund (»At the Bottom of the Sea«) und wollen wissen, was der Klimawandel für Krakenspießerinnen im Indischen Ozean bedeutet (»Piqueuses«). „Dokland Hamburg“ bietet auch ein Forum für Debütfilme wie u.a. »Eine Seltenheit sind Uhren und Landschaften« von Luis Villacis, ein Ton-Bild-Experiment um eine Begebenheit aus dem 19. Jahrhundert in Kolumbien.

Positionen und Specials
Haltung zeigt die dokumentarfilmwoche nicht nur in ihrer Filmauswahl, sondern auch in der Reihe „Positionen“. Im fux-Festivalzentrum sind Besucher eingeladen, in Vorträgen, Lesungen, Filmvorführungen sowie mit der Installation Friedl/Horelli/Wildenhahn andere Perspektiven einzunehmen. Im Fokus stehen auch Ausschnitte des Werkes des kürzlich verstorbenen Robert Frank, einer der einflussreichsten Fotografen und Dokumentarfilmer des 20. Jahrhunderts. Mit dabei sind u.a. die Hamburger Freigeist-Institution Peggy Parnass sowie Peter Kubelka, Restaurator von Vertovs »Enthusiasmus (Donbass-Sinfonie)« von 1931. Bei der Filmvorführung und Podiumsdiskussion »So much I want to say« geht es um weibliche Autofiktion.

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