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Audiostift

Erste Forschungsergebnisse zu der Rolle digitaler Audiostifte in der Familie

In einer explorativen Studie des Hans-Bredow-Instituts wurden erstmals Kinder, Eltern und Expertinnen zu diesem neuen Angebot befragt

Seit 2010 sind Audiostifte verschiedener Anbieter wie Tiptoi von Ravensburger und TING verstärkt auf dem deutschen Buchmarkt erhältlich. Das Prinzip der Produkte basiert auf einem digitalen Stift, der in der Lage ist, auf Papier hinterlegte, optische Informationen auszulesen und in Audiosignale wie Text oder Geräusche umzuwandeln. Bisher wurde diese Form der interaktiven Nutzung von Büchern durch Kinder aus Sicht der Medienpädagogik und Kommunikationswissenschaft nicht erforscht.

In der explorativen Studie des Hans-Bredow-Instituts wurde das Angebot der digitalen Audiostifte und deren Nutzung durch Kinder demnach erstmals untersucht. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Kinder und Eltern mit Audiostiften umgehen und inwieweit sich dadurch Veränderungen im Verständnis von (Vor-) Lesen, im Umgang mit Büchern und im Leseverhalten in den Familien erkennen lassen.
Hierfür wurden von September 2015 bis Januar 2016 sechs qualitative Leitfadeninterviews (inkl. teilnehmender Beobachtung) mit Kindern im Vor- und Grundschulalter sowie mit je einem Elternteil durchgeführt. Ergänzend fanden Experteninterviews mit drei Pädagoginnen und einer Vertreterin einer Kinderbibliothek statt.

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass digitale Audiostifte von den Eltern in erster Linie als spielerische, interaktive Erweiterung von Büchern wahrgenommen werden. Weil die Stifte keinen Bildschirm haben und somit nicht als Medium betrachtet werden, sehen die Eltern außerdem keinen Anlass, den Umgang damit zu reglementieren.

Beim Umgang mit dem Stift steht viel mehr das Spielen als das tatsächliche Lesen(-lernen) im Mittelpunkt. In Familien, in denen Kinder beim Lesenlernen und beim Umgang mit Büchern von ihren Eltern unterstützt werden, bieten digitale Audiostifte hierfür höchstens einen geringen Mehrwert.

Obwohl die Beschäftigung der Kinder mit dem Stift (unterschiedlich stark) mit zunehmendem Alter und steigender Lesekompetenz nachlässt und eine gezielte Nutzung zum Lesen(-Lernen) nach Angaben der Eltern nicht stattfand und -findet, schreiben pädagogische Fachkräfte den Audiostiften eine grundsätzliche Eignung für das Lesen- oder Sprachenlernen zu.

Weitere Informationen und Ergebnisse der Studie können hier aufgerufen werden: www.hans-bredow-institut.de

Die Ergebnisse der Studie wurden außerdem in der Radiosendung "Lernen mit Audiostiften" Auf MDR Thüringen - das Radio am 16. Februar 2016 aufgegriffen: www.mdr.de

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