Magazin / Reportagen 

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Der Weg zu eigenen Apps und Games: Girls` Day 2014 an der HAW

Am Zukunftstag 2014 lernen Hamburger Mädchen das Studienangebot zu Medientechnik und -Informatik der HAW Hamburg kennen

Wer einen der begehrten Plätze für das Angebot des Girls` Day am 27. März 2014 an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) bekommen hat, sammelt sich nach und nach um 9.00 Uhr im Hörsaal des Campus Berliner Tor, einem der vier Veranstaltungsorte der HAW Hamburg. Einige Mädchen werden von ihren Eltern gebracht oder kommen direkt mit einer Freundin. Andere luschern noch etwas schüchtern durch die Tür. „Kommt rein!“, begrüßt Susanne Nöbbe, eine der Organisatorinnen des Girls`Day an der HAW Hamburg, die Teilnehmerinnen. Der Hörsaal ist voll. Die zehn verschiedenen Veranstaltungen der HAW rund um technische Themen sind ausgebucht. Viele der Teilnehmerinnen wollen in ihnen ihre praktischen Fähigkeiten erproben. „Ich möchte einmal etwas Anderes anschauen, als einen Betrieb. An einer Hochschule kann ich vielleicht noch etwas lernen und nicht nur zusehen“, sagt die 13-jährige Laura.

Bei der Begrüßung der Mädchen im Finkenau-Campus der HAW übernehmen Christiane Prochnow-Zahir, Gleichstellungsbeauftragte der HAW, und Dorothea Windsel, Professorin und Dekanin der Fakultät Design, Medien und Information (DMI), die Begrüßung. Auch hier ist der Hörsaal mit fast 50 Mädchen voll. Es sind keine Stifte, Hefte oder weitere übliche Schulmaterialien zu erblicken. Zu Recht, meint Dorothea Windsel: "Heute braucht ihr nur eines: Neugier. Ihr sollt ausprobieren, und vor allem nachfragen! Das ist es, was man in einer Hochschule macht, dumme Fragen gibt es hier nicht." Vier Stunden verbringen die Mädchen in der Fakultät DMI auf dem Finkenau-Campus. Zur Workshop-Arbeit werden sie in zwei Gruppen aufgeteilt. Während sich die eine mit 3D-Modellierung und 3D-Printing vertraut machen wird, soll die andere Gruppe eine Handy-App entwickeln. Das alles unter den Anweisungen von Studenten/innen und Professoren/innen der HAW.

„Wir wollen ein eigenes kleines Computerspiel programmieren!“

Was macht man eigentlich in einem Informatik-Studium? Und was ist Programmieren? Diesen Fragen fühlt der Workshop „Programmieren eines Computerspiels" auf den Zahn. Vierzehn Mädchen der 8. Und 9. Klassen sitzen in Zweierteams im Computer-Labor der Hochschule und lernen die leichte Programmiersprache „snap“ zusammen mit Phillipp Jenke und Ulrike Steffens, zwei Professoren der Informatik, kennen. „Wir möchten euch zeigen, dass Informatik ein cooles Fach ist“, erklärt Urlike Steffens und baut mit den Teilnehmerinnen das eigene, simple Computerspiel „Tigerentenrennen“ zusammen. Einige der Mädchen haben schon einmal in der Schule programmiert, andere wussten noch wenig darüber, wie Programmierung funktioniert. „Ich finde, dass Computerspiele programmieren mal etwas Neues ist und ich habe auch noch nicht so intensiv darüber nachgedacht, ob nicht ein Informatik-Studium etwas für mich sein könnte“, stellt Friederike (8. Klasse) fest. Nach einer kurzen Begrüßung und Erklärung der Programmiersprache geht es auch schon direkt an die Computer: an das Programmieren und Basteln des „Tigerentenrennens“.

Mit einer selbstgebauten App nach Hause

Ein Raumschiff, das von rechts nach links rückt, und eine Zielscheibe: im Handy-App-Workshop soll eine simple Version vom Arcade-Klassiker Space Invaders nachgebaut werden. Die 24 Mädchen machen sich schnell und konzentriert an die Arbeit, jede vor einem eigenen Computer. Dass nur eine unter ihnen Programmierungskenntnisse hat, spielt hier keine Rolle: für heute reicht AppInventor, eine vom MIT entwickelte Software, die es Laien ermöglicht, eine eigene App zu bauen. Jennifer Spry, Studentin im 6.Semester im Bachelor Studiengang Media System, leitet gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Plaß den Weg zum heutigen Ziel. Schritt für Schritt geht die Gruppe den Vorgang durch, auch die beiden Leiter sind gut beschäftigt, denn andauernd heben sich Händen und es hagelt Fragen.

Um elf Uhr gibt es eine kurze Programmierungspause. Prof. Dr. Plaß stellt sich vor die Wandtafel und zeichnet Hoch- und Rechtsachse: “Es gehört auch ein bisschen Mathe dazu!" erinnert er die Mädchen, "in eurem Alter habe ich selber gern Mathe gemacht". Befragt, bekennen nur ein paar Mädchen ihre Liebe für das Fach. "Das bedeutet jedoch nicht, dass man es später in einen Studiengang wie Media-Systems nicht schaffen kann. Auch unter den Studenten ist Mathematik oft nicht das Lieblingsfach", meint Jennifer Spry. Carina, 15 Jahre alt, ist immer noch begeistert: "Für mich scheint Informatik auch sehr viel mit Kreativität zu tun zu haben, deshalb bin ich hier!" Das Ergebnis des Workshops kann sich sehen lassen: in nur zwei Stunden wurde eine App gebaut, die auf dem eigenen Smartphone mit nach Hause genommen werden kann.

Die Website-Olympiade vor großen Bildschirmen

Zurück am Berliner Tor: „Das ist aufregend!“, staunt Marie aus der 6. Klasse. Sie sitzt mit Jessica vor einem riesigen Bildschirm im Usability-Labor der HAW im Department der Informatik. Durch ein Mikrofon geben die beiden Mädchen zwei Klassenkameradinnen in einem anderen Raum Anweisungen: „Sucht euch Schuhe auf zalando.de in pink aus!“ Auf dem Monitor können die beiden beobachten, wie die Freundinnen die Aufgabe im Internet lösen, sehen in verschiedenen Fenstern die Website, die Gesichter und Blicke der beiden anderen sowie eine Uhr, um zu messen, wie schnell die Aufgabe gelöst wird. Die Mädchen lachen und haben Spaß daran, sich gegenseitig Aufgaben zu stellen und das Internet zu erforschen. So schauen sie bei verschiedenen Websites, ob die Abläufe von ihnen als Nutzer angewendet werden können. „Daraus ergibt sich dann so eine Art Olympiade und wir finden vielleicht eine besonders gute Website“, erklärt Stefan Richter, Mitarbeiter am Fachbereich Informatik.

„Vielen Dank für die Teilnahme!“

Zum Mittag bekommen die Mädchen ein Essen in der Mensa, bevor sie um 13.00 Uhr alle gemeinsam verabschiedet werden. Jeder Teilnehmerin wird ein Zertifikat für den Girl’s Day an der HAW überreicht. „Vielleicht möchte ich hier ja einmal studieren“, sagt Johanna aus der 8. Klasse am Ende. Die Mädchen konnten heute Abwechslung vom Schulalltag erleben und in das Studentenleben sowie in technische Berufsfelder schnuppern. Viele erzählen, dass sie nicht zum ersten Mal beim Girls` Day dabei sind, aber die meisten nehmen das erste Mal an einer Hochschule das Angebot wahr. Anhand der praktischen Beispiele konnten die Schülerinnen in Laboren erleben, wie interessant und spannend die Arbeit im technischen Berufsfeld sein kann.

Seit 2001 öffnen am Girls`Day Unternehmen, Betriebe und Hochschulen in ganz Deutschland ihre Türen für Schülerinnen ab der 5. Klasse. Die Mädchen lernen dort Ausbildungsberufe und Studiengänge in IT, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik kennen, oder begegnen weiblichen Vorbildern in Führungspositionen aus Wirtschaft und Politik. Auch in Hamburg gibt es jährlich mehrere Angebote zum Mädchenzukunftstag.

Weitere Infos zum Girls` Day gibt es unter: www.girls-day.de

ISABEL SCHRÖDER, TAMARA WACKERNAGEL