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Oberstufenprofil "Medien in der Wissensgesellschaft"

Eine Kooperation der Otto-Hahn-Schule und der Medienschule Hamburg-Wandsbek macht das Oberstufenprofil „Medien in der Wissensgesellschaft“ möglich

Seit dem Sommer 2010 gibt es das Oberstufenprofil „Medien in der Wissensgesellschaft“ an der Stadtteilschule Otto-Hahn-Schule in Kooperation mit der Medienschule Hamburg-Wandsbek. Im Rahmen des Profils haben pro Jahrgang 24 Schüler die Möglichkeit, einen Einblick in die Medienbranche zu erhalten. Das Mediennetz Hamburg hat mit Klaus Martini gesprochen, der Lehrer an der Medienschule Hamburg-Wandsbek ist und das Rahmenkonzept mitentwickelte sowie selbst im Oberstufenprofil „Medien in der Wissensgesellschaft“ unterrichtet.

Mediennetz: An wen richtet sich das Profil und welche Zulassungsvoraussetzungen gibt es?

Klaus Martini: Prinzipiell kann sich jeder bewerben, der in die Oberstufe der Otto-Hahn-Schule gekommen ist. Das heißt, er/sie muss die 11. Klasse erfolgreich abschließen. Allerdings sind in der Regel die Plätze sehr begehrt, so dass nur etwa 50% der Bewerber einen Platz im Profil erhalten.

Mediennetz: Nach welchen Kriterien wird das ausgewählt?

Klaus Martini: Man guckt, wo vielleicht schon Vorkenntnisse sind oder wo sich eine Affinität zum Medienbereich gezeigt hat. Darauf haben wir aber keinen Einfluss, das entscheidet die Otto-Hahn-Schule intern.

Mediennetz: Wie sieht der Stundenplan für die Schüler aus?

Klaus Martini: Dieser ist so organisiert, dass die Schüler des Medienprofils einen Tag in der Woche hier in der Medienschule verbringen. Es gibt ein Leitfach, welches auch abiturrelevant ist. In dem Oberstufenprofil „Medien in der Wissensgesellschaft ist das PGW (Politik, Gesellschaft, Wirtschaft) und wird vierstündig von einer Kollegin der Otto-Hahn-Schule unterrichtet. Hinzu kommen sechs Stunden Medien. Hier werden verschiedene Projekte realisiert und durch Theorieunterricht begleitet. Jedes Semester hat einen Schwerpunkt. Im ersten Semester Zeitung/Zeitschriften und Journalismus, im zweiten Semester Film und Fernsehen, im dritten Semester Musik und Radio und im vierten Semester Internet und Marketing/Werbung. In diesen vier Semestern wird jeweils ein konkretes Medienprodukt erstellt.

Mediennetz: Können Sie ein Beispielprojekt nennen, das die Schüler erstellt haben?

Klaus Martini: Im ersten Semester in der 12 Klasse wird eine Zeitschrift erstellt. Vor der Erstellung werden theoretische Fragen geklärt, wie beispielsweise der Medienmarkt strukturiert ist, welche Formen von Zeitungen/Zeitschriften es gibt oder wie ein Journalist überhaupt arbeitet. Die Schüler wählen in Redaktionsteams einen Zeitschriftentyp und müssen dafür ein Konzept entwickeln. Es gibt drei Pflicht-Textsorten, die in der Zeitschrift erscheinen müssen und zwar ein Bericht, ein Interview und eine Reportage. Diese journalistischen Textsorten werden vorab an Beispielen besprochen – Schreibübungen begleiten dies. Ein Journalist wird eingeladen, der über seine Arbeit berichtet.
Auch die Gestaltung und das Layout wird von den Schülern realisiert. Dazu lernen sie den Umgang mit professioneller Software und schließlich wird die Zeitschrift dann gedruckt und in einem sogenannten Pitch präsentiert.

Mediennetz: In welcher Form profitiert die Otto-Hahn-Schule inhaltlich als auch technisch von der Kooperation?

Klaus Martini: Die Medienschule Hamburg-Wandsbek unterrichtet die Medienthemen und wir stellen die Hard- und Software. Dafür sind zwei Lehrer aus dem Medienbereich zuständig. Hinzu kommt dann eine Kollegin aus der Otto-Hahn-Schule, die sich in die Medienthemen einarbeitet.

Mediennetz: Haben die Schüler bereits Vorerfahrung mit Medien, wenn sie das Profil besuchen?

Klaus Martini: Hier gibt es große Unterschiede. Wir haben anläßlich des letzten Jahrgangs eine Tendenz beobachtet, dass Schüler bewusst an die Otto-Hahn-Schule gehen, die schon Vorerfahrungen im Medienbereich haben. Allerdings sind das bei dem aktuellen Durchgang lediglich vier von vierundzwanzig. Die anderen kommen aus der Otto-Hahn-Schule und müssen zunächst sehen, dass sie in das Profil reinkommen.

Mediennetz: Sehen Sie Vorerfahrungen, die regelmäßig bei den Schülern zum Vorschein kommen?

Klaus Martini: Es gibt natürlich einige, die bereits viele Erfahrungen im Computerbereich besitzen. Andere haben Zuhause noch keinen eigenen Computer. Diese brauchen dann eine gewisse Zeit, um sich einzuarbeiten.

Mediennetz: Was fällt den Schülern in der Regel am schwersten?

Klaus Martini: Am schwersten tun sie sich eigentlich in der Selbstorganisation. Also ein Projekt zu planen, Selbstverantwortung zu übernehmen, Verantwortung auch von anderen einzufordern und verbindlich zu sein, was Termine angeht.

Mediennetz: Was verstehen Sie unter Medienkompetenzförderung? Wie wichtig ist der Erwerb von Medienkompetenzen für die Schüler, auch in Hinblick auf die bevorstehende Berufstätigkeit oder ein kommendes Studium, Ihrer Meinung nach?

Klaus Martini: Ich halte Medienkompetenz für eine Schlüsselqualifikation in unserer Zeit. Man muss wissen, wie die Medien funktionieren, wie sie ticken, in welchem gesellschaftlichen Kontext arbeiten sie und welche Wirkung haben sie. Beim Beispiel Film sollte man z.B. wissen, wie Filmbilder und Filmsprache wirken, welche Strukturen innerhalb der Filmwirtschaft wirken, welche Jobs es gibt und welche Voraussetzungen man erfüllen müßte, um im Medienbereich zu arbeiten.
In der Regel haben die Schüler darüber falsche Vorstellungen. Es geht also auch um einen realistischen Blick auf unsere Medienwelt. Ich hoffe, dass die Schüler hier an der Medienschule schnell verstehen, worauf es ankommt, wenn man später im Medienbereich arbeiten möchte. In den zurück liegenden Jahren hatte ich auch schon ein paar Gespräche mit Schülern, die sagten, dass der Medienbereich wohl doch nicht das richtige für sie ist. Die Schüler merkten, dass sie mit der Arbeitsweise nicht zurecht kamen und haben dann auch von diesem Berufswunsch in den Medien Abstand genommen. Das heißt, dass auch eine gewisse Sortierung für die Schüler stattfindet. Sie können überprüfen: habe ich tatsächlich den entsprechenden Biss für den Bereich und sehe ich dort eine Perspektive für mich?

Mediennetz: Wie steht es um die direkte Resonanz der Schüler, wenn sie beispielsweise ein halbes Jahr an der Medienschule verbracht haben?

Klaus Martini: Das ist sehr unterschiedlich. Wir sehen, dass einige Schüler nicht die Art und Weise gewohnt sind, wie wir hier arbeiten. Es gibt zum Beispiel keine Pausenklingel und wir haben keinen klassischen 45-Minuten-Rhythmus. Die Schüler arbeiten überwiegend in Gruppen an Projektaufgaben, teilen sich die Arbeit selbst ein und haben einen Abgabetermin. Wie sie da hinkommen, organisieren sie selbst. Da müssen die meisten Schüler erst einmal reinwachsen, aber nach einem halben Jahr, muss man sagen, ist das dann auch positiv gelöst. Die Rückmeldungen, die wir bekommen haben, sind überwiegend positiv. Es gibt nur sehr wenige Schüler die sagen, dass sie das Profil nicht noch einmal wählen würden.

(LASSE HÄUSGEN)