Magazin / Reportagen 
Kinder bei der Aufnahme einer Radiosendung © Sandra de Groot

ausschalten- anschalten- geht wieder?!

Katja Jacobsen vom Bramfelder Kulturladen plädiert für eine kontinuierlich geförderte medienpädagogische Arbeit im Stadtteil.

Die Kultur- und Medienpädagogin stellt ihre Idee für den Bezirk Wandsbek vor: Der Digitale Salon – Zentrum für mediale Kompetenzen Wandsbek.

Kennen Sie das Prinzip? Der Computer läuft wieder mal nicht, man stöhnt, schaltet ihn aus, zählt langsam im Kopf bis zehn, schaltet wieder ein und alles läuft wieder wie zuvor. Die Förderung medienpädagogischer Arbeit im Stadtteil läuft zurzeit oft nach einem ähnlichen Prinzip. Wunderbare neue Projekte, vom Filmwettbewerb über sichere Internetnutzung, Stadtteilzeitungen oder Spieleprogrammierung werden geplant und beantragt. Sie bekommen eine Förderung, werden mit viel Begeisterung, Kraft und Herz von Teilnehmern und Veranstaltern durchgeführt und abgerechnet. Dann läuft die Förderung aus. Und eine neue Förderung für ein „altes“ Projekt zu bekommen ist – wie die meisten wissen – sehr schwierig. Okay. Also: Ausschalten. Und Projekt wieder neu starten – mit anderem Schwerpunkt, neuem Namen und anderer Zielgruppe.

Dabei wäre es so sinnvoll die sensibilisierten und entflammten Teilnehmer weiterzubilden, Diskussionen zu entfachen, Multiplikatoren zu schulen, und ein Feuerwerk neuer Medienprojekte loszutreten. Für den Bezirk Wandsbek – und nicht nur hier – gibt es deshalb Überlegungen die medienpädagogische Arbeit durch ein regionales Medienkompetenzzentrum zu verstetigen.

Ausgangslage
Medienpädagogik ist in Hamburger Schulen eine Querschnittsaufgabe. Sie sollte in allen Fächern stattfinden. Ein einleuchtender Ansatz, aber so wie Schule zur Zeit organisiert und ausgestattet ist, kann er kaum umgesetzt werden. Auß­erdem erreicht man nur die Schüler, die mit dem System Schule gut zurechtkommen. Es fehlt an Breitenbildung, Qualitätskontrollen und Lernstandserhebungen wie Prof. Kammerl von der Universität Hamburg in seiner Expertise zur Förderung von Medienkompetenz in der Schule feststellt.

Im Bezirk Wandsbek gibt es viele Schulen, Jugendzentren, Kulturzentren und andere außerschulische Einrichtungen die gute medienpädagogische Arbeit leisten. Sie fördern die Medienanalyse und Kritikfähigkeit, wappnen durch Wissen gegen Internet- und Spielesucht, bieten eine Teilhabe an öffentlichen Diskussionen und bilden in einem elementar wichtigen Bereich für eine spätere Berufsausbildung vor. Doch wer weiß­ davon? Die Zielgruppen? Multiplikatoren? Eltern? Ein regionales Medienkompentenzzentrum könnte diese Angebote bündeln, transparent darstellen und um Fehlendes erweitern.

Die Idee
Der „Digitale Salon“ soll ein realer und virtueller Raum sein, in dem Bürgerinnen und Bürger aus Wandsbek ihr Interesse, ihre Neugier und die Begeisterung für Medienproduktionen und Themen weiterentwickeln, umsetzen, präsentieren und diskutieren können. Bürgerinnen und Bürger meint konkret: Kinder und Jugendliche aus Wandsbek, Multiplikatoren aus Schule, Kultur, Weiterbildungs- und Jugendhilfeeinrichtungen, Wandsbeker jeglichen Alters, Entscheidungsträger in Institutionen und Einrichtungen, medienpädagogische Akteure und Eltern.

lernen
Der „Digitale Salon“ bietet Workshops, Fortbildungen und Veranstaltungen in den Bereichen Video, Audio, Internet und Computer für die unterschiedlichen Zielgruppen an. Zusätzlich gibt er eine Übersicht über vorhandene BildungsAngebote im Bezirk und in der Stadt.

umsetzen
Praktische Projektarbeit bietet die Möglichkeit Erlerntes umzusetzen. Außerdem werden bestimmte Sachverhalte erst durch das Selbermachen verständlich: Wer einmal ein Interview geschnitten hat, weiß­ wie groß­ die Möglichkeiten der Manipulation mit Medien sind. Der Salon bietet neben der Produktion in den Lernbereichen auch eigene Praxisprojekte an, unterstützt Pädagogen und Einrichtungen bei der Umsetzung ihrer Medienprojekte durch Beratungen und die Vermittlung von Medienpädagogen, versucht freie ProduktionsGruppen zu initiieren und hilft existenten Produktions- Gruppen nach Möglichkeiten durch Wissen, Kontakte und Ressourcen.

präsentieren
Wandsbeker Medienproduktionen und Projekte sollen mittels verschiedener Veranstaltungsformate (Festival, Werkschau, Wettbewerb etc.) im Bezirk einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Eine Zusammenarbeit mit existierenden Präsentations- Plattformen (Mediennetz Hamburg, TIDE, abgedreht, talentfilm.net etc.) gehört zum grundlegenden Vernetzungsansatz des Zentrums.

diskutieren
Der Salon bietet Diskussionsrunden mit Experten für Multiplikatoren, Eltern, Medienproduzenten und Nutzer. Weiterhin werden inhaltliche Vorträge zu relevanten Medienthemen (z.B. Medienkonsum, Web 2.0., Sicherheit im Internet) angeboten. Für Multiplikatoren und Akteure sollen Stammtische zum gegenseitigen Austausch ins Leben gerufen werden. Mit Akteuren und Entscheidern soll die Medienarbeit im Bezirk in Arbeitsgruppen stärker vernetzt werden.

Ziele
Der „Digitale Salon“ verfolgt das Ziel, die Medienkompetenzförderung im Bezirk Hamburg- Wandsbek durch Koordination, Angebotstransparenz und Ergänzung, Vernetzung und Schaffung von Präsentations- und Diskussionsanlässen zu verbessern. Existierende und geplante Medienprojekte und Aktivitäten an Wandsbeker Schulen, Institutionen und Einrichtungen sollen durch Beratung, Unterstützung und Vermittlung gefördert werden. Es sollen relevante Präsentationsmöglichkeiten für alle Wandsbeker geschaffen werden. Der Zugang zu erfolgreicher Medienproduktion soll erleichtert und eine verantwortungsvolle und reflektierte Mediennutzung angeregt werden. Dabei ist es wichtig, durch Nutzung bereits bestehender Strukturen und Netzwerke ressourcenschonend zu arbeiten.

Autorin: Katja Jacobsen
Erschienen im Stadtkulturmagazin Ausgabe 15/ 2010
www.stadtkulturmagazin-hh.de

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