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KitaKinoWochen zum ersten Mal in Hamburg

Vom 22. bis 26. Januar finden zum ersten Mal die KitaKinoWochen statt. Über 2000 Besucher werden in 23 Vorführungen erwartet. Das Mediennetz Hamburg hat mit Gesa Carstensen über das Projekt gesprochen.

Mediennetz Hamburg: Stell dich doch mal kurz vor, wer bist du und was machst du?

Ich bin Gesa Carstensen, habe die letzten Jahre beim Kurzfilmfestival der KurzFilmAgentur (KFA) mitgearbeitet und so meine Freude an kurzen Filmen entdeckt. Mit meinen eigenen drei Kindern war ich regelmäßig begeisterter Gast bei den Kindervorstellungen des Mo&Friese Internationalen Kurzfilmfestivals, und somit habe ich sehr gern die Aufgabe übernommen, die KitaKinoWochen zu gestalten. Gemeinsam mit VISION KINO und der KFA mit der Förderung der Filmförderungsanstalt habe ich somit die letzten Monate damit verbracht, die Organisation (Programmgestaltung, Kommunikation, Anmeldeablauf, Begleitmaterial etc.) dieses Pilotprojektes zu verantworten.

Die KitaKinoWoche finden ja in diesem Jahr zum ersten Mal in Hamburg statt. Warum gibt es sie nun als Ergänzung zur den SchulKinoWochen?

Die SchulKinoWochen richten sich ja ganz klar an Schüler, von der Vorschule bis hin zur 12. Klasse. Den Lehrern, die sich mit ihren Klassen anmelden, geht es oft in erster Linie darum, dass sich die Filme in den Unterricht einbinden lassen Die Idee, die hinter den KitaKinoWochen steht, ist ein wenig anders. Hier steht eher die Erfahrung im Kino selbst im Vordergrund. Es ist im alltäglichen Programm schwierig, ein Kinoangebot zu finden, das die kleinen Kinder nicht überfordert. Dennoch ist der Reiz des Kinos natürlich auch für die Kleinen schon groß, und so passiert es zwangsläufig, dass viel zu kleine Kinder Filme im Kino sehen, die für sie noch gar nicht geeignet sind. Und hier setzen die KitaKinoWochen an. Wir lüften das Geheimnis Kino mit Filmen, die die kleinen Kinder nicht überfordern.

Was erwartet die jungen ZuschauerInnen, wie genau wird eine Filmvorführung ablaufen?

Jede unserer Vorführungen wird medienpädagogisch begleitet. Ganz konkret läuft es so ab, dass die Kinder begrüßt werden, ihnen wird der Kinosaal erklärt, z.B. dass das Licht ausgemacht werden muss, wo der Film herkommt.

Jeder Film wird vorgestellt, bevor er gezeigt wird, die Kinder werden ganz konkret auf Momente hingewiesen, die vielleicht ein wenig unheimlich sein könnten oder schwierig zu verstehen. Dann dürfen sie dem Filmvorführer durch ein lautes "Film ab" das Zeichen geben, dass es losgehen kann.


Da wir viele Kurzfilme zeigen, wird nach diesen jeweils eine Pause gemacht, das Licht geht wieder an und die Kinder können Fragen stellen oder die Moderatoren stellen den Kindern Fragen, je nach Bedarf. Dadurch können Verständnisfragen oder auch Unsicherheiten gleich aufgefangen werden. Wir möchten die Kinder mit unserem Angebot zum Nachfragen ermuntern, denn Filme sind schließlich so viel mehr, als bloßer Zeitvertreib.

Welche Filme werden überhaupt gezeigt, was eignet sich besonders gut als Film für die KitaKinoWoche?

Es gibt fünf verschiedene Programme. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf einer Auswahl an kurzen Filmen, aber mit "Molly Monster - der Kinofilm" haben wir auch einen Langfilm mit ins Programm genommen. Wir haben uns für diesen Film entschieden, da einige Kindern die Figur der Molly Monster sicherlich durch das Sandmännchen schon kennen und hier viele Fragen behandelt werden, die gerade für Kitakinder wichtig und präsent sind, wie z.B. Großwerden, Selbstständigkeit, Familie, Freunde und vor allen Dingen, ein Geschwister bekommen.


Die anderen Programme haben wir thematisch unterschiedlich aufgebaut. Mit "Das erste Mal im Kino" für Kinder ab 4 Jahren zeigen wir Kurzfilme ohne Dialoge und ohne spannende Momente. Die Filme sind in erster Linie lustig, bieten aber auch jede Menge Möglichkeiten, sich genauer mit ihnen zu beschäftigen. Hier gehen wir darauf ein, wer überhaupt schon einmal im Kino gewesen ist, erklären den Saal ausführlicher und bereiten die Kinder behutsam auf ihre erste Kinoerfahrung vor.


Ein weiteres Programm für 4jährige ist "Mo&Friese präsentiert". Bereits zum 20. Mal zeigt der Internationale KinderKurzFilmFestival Mo&Friese in diesem Jahr Kurzfilme für Kinder und Jugendliche. Wir haben fünf Filme aus den letzten Jahren zusammen mit den Festivalleiterinnen Lina Paulsen und Laura Schubert ausgewählt, die den Kindern die unterschiedlichen Filmformen aufzeigen sollen. Dabei sind ein Experimental-, ein Dokumentar- und ein Spielfilm. Zwei kurzweilige Animationsfilme runden das Programm ab.


Thematisch haben wir bei dem Programm "Freundschaft" die Filme für Kinder ab 5 Jahren zusammengestellt. Wie der Titel schon sagt, dreht sich bei diesen fünf Filmen alles um das Thema Freundschaft, das ja auch für die Kinder von wesentlicher Bedeutung ist. Ein wenig mehr fordert "Neuem Begegnen" die Kinder. Hier zeigen wir zwei etwas längere Filme, die sich mit neuen Herausforderungen und der Auseinandersetzung mit unbekannten Dingen beschäftigen.

Warum ist es auch für Kita-Kinder schon wichtig, zu so einer Art Filmvorführung zu gehen und was können die Kinder da erfahren, lernen, mitnehmen?

Aus unsere Sicht ist es wichtig, weil Filme inzwischen omnipräsent sind und die Kinder zum Teil ungefragt Dinge zu sehen bekommen, die eigentlich ihrem Alter noch gar nicht entsprechen. Die Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität ist für die Kleinen aber noch sehr schwer zu ziehen und wir möchten hier einen Beitrag dazu leisten. Es ist uns ein Anliegen, den Kindern zu ermöglichen, Filme besser einordnen zu können und auch den Raum "Kino" mit altersgemäßen Filmen kennenzulernen. Im Alltag kommt es inzwischen häufig vor, dass Kinder auch zuhause Filme sehen, ohne dass jemand dabei ist, weil es eine bequeme Möglichkeit scheint, die Kinder zu beschäftigen. Dass aber bei diesen vermeintlichen Kinderfilmen dennoch Fragen aufkommen und auch Bilder und Geschichten gezeigt werden, die die Kinder fordern und auch überfordern, wird hier häufig übersehen.

Stichwort ErzieherInnen: Wie können diese sich fortbilden lassen, wie können sie während und auch nach der Vorstellung mit den Kindern weiter über das Medium Film sprechen und die gesehenen Filme reflektieren?

Für die ErzieherInnen haben wir eine Fortbildung mit dem Titel "Mit der Kita ins Kino" angeboten, die sehr gut angenommen worden ist. Hier ging es um die kindliche Filmreflexion (Inhalt, Form, Bild und Ton) und um die Möglichkeiten der Vor- und Nachbereitung. Des Weiteren haben wir zu jedem Programm ein speziell darauf abgestimmtes pädagogisches Begleitmaterial erstellt, das Anregungen zur Vor- und Nachbereitung im Kitaalltag enthält. Auch Ideen, wie mit den Kindern selbst Filme erstellt werden können, und allgemeine Informationen zur Elternarbeit haben wir auf unserer Internetseite zusammengestellt.

Wie geht es mit dem Projekt KitaKinoWochen weiter?

Wir hoffen, dass wir auch im nächsten Jahr eine KitaKinoWoche anbieten werden können. Aber zunächst möchten wir gern abwarten, wie die Pilotwoche angenommen wird und freuen uns schon sehr auf den 22. Januar 2018 und die Eröffnung im Beisein der Senatorin der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration Dr. Melanie Leonhard.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

Mehr Infos: https://www.kitakinowochen.de/