Magazin / Reportagen 
Kinder sitzen vor PC und Kulisse

Wie dreht man einen Trickfilm?

In einem Workshop des Brakula gehen Kinder dieser Frage auf den Grund und drehen ihren eigenen Trickfilm

In den Räumen des Bramfelder Kulturladens herrscht konzentrierte Stille. Zwei Nachwuchsfilmer starren gebannt auf den Bildschirm. Sie schieben eine Pappgießkanne unter dem Fokus einer Kamera hin und her. Während die Jungen noch an ihren Figuren für den Film basteln, hat das einzige Mädchen im Workshop ihre Szene schon fast im Kasten. Gerade legt sie einzelne Wassertropfen unter die Gießkanne, ihr Kameramann fotografiert Einstellung für Einstellung. Beide arbeiten hoch konzentriert. Dann der Fehler, der Kameramann hat zu früh gedrückt, die Hände sind noch mit im Bild. Sie hat zwar schon viel Erfahrung, schließlich hat sie mit ihrem Nintendo 3DS auch schon Legofilme gedreht, aber wie löscht man dieses Bild jetzt auf dem Computer?

In dem Workshop fertigen die Kinder, im Alter von acht bis zwölf, an drei Tagen in jeweils drei Stunden einen gemeinsamen Trickfilm an. Dieser wird dann im Rahmen des von Brakula organisierten Jugendfilmfestivals Goldene Wandse im Oktober 2013 gezeigt. Das Ziel der Workshopteilnehmer ist klar definiert, ein kleiner Blondschopf ruft: „Wir wollen die goldene Wandse gewinnen.“

Der Trickfilmer und Medienpädagoge Sören Wendt leitet den Workshop. Aufgrund der begrenzten Zeit hat er das Oberthema vorgegeben: „Unser Hauptthema lautet Blumen. Die meisten der Jungs wollten etwas mit Weltall machen. Der Kompromiss: Blumen – die einen sind im Weltall, die anderen im Zirkus.“

Es gibt noch viel zu tun. Jedes der Kinder hat eine Szene entwickelt, dazu dann Figuren gemalt und ausgeschnitten. Die einzelnen Komponenten der Szene werden dann unter dem Fokus einer Fotokamera arrangiert und in einer Reihe von Fotos festgehalten. Spielt man diese Fotos hintereinander ab, erweckt man die Figuren zum Leben. An der Filmstation fällt gerade der dritte Wassertropfen aus der Gießkanne - die Anspannung von Regisseurin und Kameramann löst sich, der erste Teil der Szene ist geschafft. Nun kann die Regisseurin ihre Szene erklären. Sie schiebt bunte Blumen unter dem braunen Pappstreifen hervor: „Jetzt wachsen die Blumen."

Egal ob Bastelecke oder Filmstation, Sören Wendt ist überall behilflich: Er hinterfragt die einzelnen Ideen, greift zur Schere, hilft beim Ausschneiden und gibt nebenbei Tipps für den Kameramann „Was auch immer ganz gut ist, ist eine Großaufnahme zu machen. Das wird oft vergessen, ist aber wichtig, um Details zu zeigen.“

Am Ende der drei Tage werden die einzelnen Szenen der Kinder, wie bei einem Puzzle, vom Workshopleiter zu einem kleinen Film zusammengeschnitten und jedes Kind kann den fertigen Film mit nach Hause nehmen.

(Svenja Bichbäumer)