Studie zu Family-Influencing
Studie "Darstellung von Babys und Kleinkindern in monetarisierten Social-Media-Profilen" des Leibniz-Instituts für Medienforschung / Hans-Bredow-Institut veröffentlicht

Untersucht wurde die Häufigkeit und Art der Darstellung von Babys und Kleinkindern im Alter von 0 bis 5 Jahren in monetarisierten deutschsprachigen Family-Influencer-Profilen auf Instagram, TikTok und Youtube

Sharenting und Kinderinfluencer beschreiben problematische Phänomene der Inszenierung und Vermarktung von Kindern in sozialen Medien, die zu Verletzung von Kinderrechten führen können. Die Kinderkommission des Deutschen Bundestags veröffentlichte dazu eine Stellungnahme zum Thema „Sharenting und Kinderinfluencer – Kommerzialisierung von Kindheit“. Da allerdings das Ausmaß dieser Phänomene nicht bekannt ist, knüpft hier die Studie an und untersucht 359 Profile von 201 Family-Influencer*innen auf den drei Plattformen.

Die Forscher*innen Claudia Lampert, Stephan Dreyer, Kira Thiel und Aysu Altun ermittelten in qualitativen und quantitativen Analysen von 10.095 Post mit Videos, dass in 44 Prozent aller Beiträge "Kinder der untersuchten Altersgruppe zumindest sichtbar, in 25 Prozent dieser Beiträge [...] die Kinder ein zentraler Bestandteil" seien, dabei am häufigsten auf YouTube, am seltensten auf TikTok. Die Art der Darstellung und die damit betroffenen Kinderrechte teilen sie in diese drei Risiko-Kategorien ein:

  • Unbedenklich: Kinder als beiläufige Statist*innen
    Kinder nur selten und beiläufig sichtbar, nicht identifizierbar und ohne direkte werbliche Funktion
    -> rechtlich weniger angreifbar, aber medienethische Fragen bzgl. Dauerhaftigkeit, Plattformlogiken und subjektiver entwicklungsbezogener Effekte, z. B. inwiefern die harmlose Darstellung zur Etablierung persistenter und (gefühlt) extern aufgezwungener digitaler Kinderidentitäten beitragen können.
  • Graubereich: Kinder als Mitwirkende
    Kinder sichtbar, aber nicht eindeutig identifizierbar (z. B. abgewandte Perspektiven, partielle Unkenntlichmachung)
    Mitwirkung an Beiträgen, die auch nur indirekt der Monetarisierung dienen (Reichweitenaufbau, Imagepflege) -> wiederholte Sichtbarkeit und serielle Veröffentlichung können zu einer faktischen Identifizierbarkeit und die häufigere Einbindung unter Anweisung der Eltern zu kinderarbeitsschutzrechtlichen Fragen führen.
  • Problematisch: Kinder als Protagonist*innen
    Kinder eindeutig identifizierbar (Gesicht, Name, wiederkehrende Präsenz),
    Auftritt in werblichen Kontexten oder als explizite Werbeträger,
    in sensiblen oder intimen Situationen dargestellt (Krankheit, emotionale Krisen, Schlafen, Körperpflege),
    regelmäßige und aktive Mitwirkung
    -> häufig Datenschutz-, Persönlichkeits-, Familien- und Kinderarbeitsschutzrechtsfragen gleichzeitig betroffen

Fazit:

  • strukturelle Spannung zwischen elterlicher Selbstverwirklichung, ökonomischen Anreizsystemen und dem Kindeswohl
  • Nutzung kindlicher Präsenz aus wirtschaftlichen Interessen
  • Kinder als Authentizitätsnachweis, Interaktionsaspekt und Community-Verstärker
  • Kinder werden zu Mitteln wirtschaftlicher Zwecke, ohne selbst über diese (Aus-)Nutzung entscheiden zu können -> potenziell nachhaltige und strukturelle Beeinträchtigung der persönlichen Integrität des Kindes und seines Rechts auf eine offene Zukunft. Die Dauerhaftigkeit und Wiederholung kindlicher Darstellungen erzeugt digitale Spuren und externe Erwartungshaltungen, die der späteren Selbstdefinition des Kindes vorgreifen
  • Grenzverschiebung familialer Intimität in Öffentlichkeiten, die in erster Linie Aufmerksamkeits- und Plattformlogiken unterliegen
  • gezielte Sensibilisierung, Informations- und Unterstützungsangebote für Eltern bezüglich der Herausforderungen und Risiken kommerzieller Veröffentlichung von Kinderdarstellungen
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