In der Studie der Landesanstalt für Medien NRW wurden ausgehend von einer qualitativen Befragung von 12 Jugendlichen im Alter von 12-18 Jahren zunächst Nutzungserfahrungen, Einstellungen und Motive für die Nutzung von WhatsApp-Kanälen identifiziert. In der anschließenden Inhaltsanalyse von 100 - von Jugendlichen - betriebenen WhatsApp-Kanälen, konnten diese gewonnenen Erkenntnisse als Untersuchungsgrundlage genutzt werden.
wichtige Erkenntnisse aus der Studie:
- bereits Kinder im Alter von 10 Jahren betreiben eigene WhatsApp-Kanäle
- die Nutzung von WhatsApp-Kanälen findet weitgehend außerhalb der elterlichen Wahrnehmung und Kontrolle statt. Jüngere Nutzende sehen in WhatsApp-Kanälen eine Alternative zu Sozialen Medien, die sie noch nicht nutzen dürfen bzw. auf die sie keinen Zugriff haben
- Durch die Erfahrungen mit WhatsApp als Kommunikationsmedium im geschützen und begrenzten Umfeld (Familie/Freunde) strahlt dieses Sicherheitsgefühl auch auf die WhatsApp-Kanäle ab. Mögliche Risiken werden unterschätzt: Die Kanäle werden wie ein Tagebuch genutzt, in dem der Alltag sehr offen, emotional, detailliert und mit Bildern dokumentiert wird - teilweise mit mehrmals täglichen Updates. Einige Jugendliche empfinden einen Druck, ständig aktiv sein zu müssen und fühlen sich überfordert. Durch die hohe Taktung der Postings erhöht sich die Gefahr, unbedacht sensible Informationen zu teilen.
- Für die jugendlichen Admins ist das Gewinnen von neuen Abonnent*innen und die Aufmerksamkeit ihrer Follower*innen sehr wichtig. Sie versuchen deshalb das Gefühl zu vermitteln, die Nutzenden sehr eng an ihrem Leben teilzuhaben. Da über die Kanäle kein direkter Austausch mit den Follower*innen (außer mit Emojis) möglich ist, wird nach Möglichkeiten zur Beziehungspflege, zum Kontaktaustausch und zur Steigerung der Aktivität gesucht - teils über anonyme Frage-und-Antwort-Plattformen wie Cloudz.fun oder Chumpick, teils aber auch durch Bekanntgabe der eigenen Telefonnummern, verlinkten WhatsApp-Communities oder der Nutzung von anderen Sozialen Medien für den direkten Austausch.
- WhatsApp-Kanäle werden von Jugendlichen genutzt um sich ausprobieren, mit Gleichaltrigen zu interagieren und Anerkennung über Followerzahlen und Reaktionen zu bekommen
- Jugendliche suchen hier nach Informationen über ihre Stars, bekannte Unternehmen oder über aktuelle Themen.
- Da die Menge der Informationen durch die Anzahl der abbonierten Kanäle begrenzt ist, gibt es kein Endlos-Scrollen wie bei YouTube, TikTok u.a.