Magazin / Meldungen 
junger Mann vor dem Computer

Computerspielen in gesellschaftspolitischen und bildungsbezogenen Kontexten

Wie Computerspiele kreativ in Bildung und Gesellschaft integriert werden können, soll die erste Conference des PLAY14-Festivals aufzeigen

Im Rahmen des PLAY14-Festivals für kreatives Computerspielen veranstaltet die Initiative Creative Gaming in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) vom 17. bis zum 18. September 2014 erstmalig eine Play-Conference. Die Tagung wird sich in Talks, Workshops und Vorträgen dem Thema "Computerspiele in gesellschaftspolitischen und bildungsbezogenen Kontexten" widmen.

Der erste Conference-Tag steht ganz im Zeichen von pädagogischen Perspektiven auf Computerspiele und deren Einsatz in schulischen sowie außerschulischen Bildungskontexten. Neben Vorträgen von Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland zur jeweiligen Bildungssituation in ihrem Land und methodischen Ansätze zur pädagogischen Arbeit mit Games, bietet das Programm auch Workshops, in denen pädagogische Fachkräfte und andere Interessierte zum Mitmachen eingeladen sind.

Sehr praktisch geht es bei der Arbeit von Mirek Hancl zu, der den Workshop "Minecraft in der Bildungsarbeit" am Mittwoch, den 17.09.2014 von 14:15 bis 16:15 Uhr anbietet. Als Gymnasiallehrer in Uelzen diskutiert er nicht nur über die Vorzüge der Games, sondern setzt sie zunehmend aktiv im Unterricht ein. Dabei hat er seine eigenen Kniffe: „Der didaktische Trick ist, Lerninhalte in das Spiel so einzubetten, dass sie als Teil des Spiels gesehen werden – dies übt eine zusätzliche Motivation auf den Lernprozess aus.“

Das 2011 erschienene Minecraft hat es ihm dabei vor allem als Allzweckwerkzeug angetan. „Minecraft, insbesondere MinecraftEdu, ist nicht nur für Informatik und das Fach Chemie geeignet. Es lassen sich Inhalte vermitteln aus Mathematik, Physik, Biologie, Politik und Wirtschaft, Erdkunde, aus sämtlichen Sprachen. Auch die Lerngruppen kann man nicht genau terminieren, von der Grundschule bis zur Oberstufe. Von der Stadtbücherei, bis zur Museumsausstellung sind viele Projekte realisierbar“, schwärmt Mirek Hancl.

Während seines Workshops stellt der Chemie- und Informatiklehrer nicht nur Beispiele aus seiner Praxis und das Spiel MinecraftEdu vor, sondern vermittelt auch die effektive Gestaltung der Lernumgebung. Unter Einbeziehung von Aspekten der konstruktivistischen Didaktik, entsteht eine virtuelle Umgebung, die zum mitmachen und nachdenken anregt. Wie eine solche Gestaltung dann im Endeffekt aussehen kann, wird er aktiv zeigen. „Die Erläuterungen sind zum einen live in MinecraftEdu, zum anderen Mitschnitte aus meinem Unterricht. Für das Fach Chemie sehen die Teilnehmer den Beitrag „Vom Bohr’schen Atommodell zu fliegenden Kühen“. Für Informatik erleben die Teilnehmer programmierbare Schildkröten und die Ansteuerung realer Robotiksysteme aus Minecraft.

Der zweite Tag der PLAY-Conference widmet sich gesellschaftspolitischen Fragen rund um das Thema Computerspiele. Wo werden digitale Spiele in der Gesellschaft (unbemerkt) platziert? Welche demokratischen Prozesse werden in digitalen Spielen initiiert? Wie kann politische Berichterstattung mit Computerspielen aussehen? Diese und weitere Fragen werden von Referentinnen und Referenten aus Deutschland sowie aus Großbritannien beleuchtet. Auch Workshops setzten sich mit dem Thema auseinander.

Am Donnerstag, den 18.09.2014 von 11:15-13:15 in der Justizvollzugsschule öffnet Sonja Gabriel die Pforten ihres Workshops „Politische Bildung in Computerspielen“. Sie selbst beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dem Lehr- und Lern-Potential von Computerspielen und dies nicht nur auf praktischer Ebene, sondern auch in der Forschung. „Meiner Erfahrung nach können Computerspiele vor allem Anlass für Diskussionen sein bzw. werden dadurch sehr komplexe Abläufe und Strukturen simuliert, die zu einer virtuellen Erfahrung führen können, die in der Realität so nicht möglich wären. Dadurch ist es für Jugendliche leichter, gewisse Prinzipien oder Abläufe zu verstehen. Das betrifft vor allem die vielen Einflussfaktoren, die zu politischen Entscheidungen führen- ich denke da zum Beispiel an Serious Games, die im Bereich der Umweltpolitik angesiedelt sind“, erklärt Sonja Gabriel.

Ein Game, das sich beispielsweise besonders dafür eignet, ist ihrer Meinung nach „Aviti – The Cost of Life“. Bei diesem Spiel handelt es sich um eine Armutssimulation, die auf Haiti handelt. „Das Spiel ist von der Mechanik her sehr leicht zu bedienen, die Einarbeitungszeit ist sehr kurz, es ist aber unheimlich schwierig zu „gewinnen“ – die Familie muss vier Jahre überleben. Unsere „westliche Einstellung“, dass jedes Kind in die Schule gehen muss, lässt sich nicht verwirklichen, da die Familie dann sofort in die Armut abrutscht und als Folge davon in Krankheit“, erläutert Sonja Gabriel.

Neben diesem Spiel bringt sie natürlich noch weitere mit, die in der politischen Bildung ihren Einsatz finden könnten. Darüber hinaus zeigt sie, welche Vorüberlegungen getätigt werden müssen, um den Transfer der Problemstellungen in die Realität zu gewährleisten.

„Zusammen mit den TeilnehmerInnen sollen Ideen entwickelt werden, welche didaktischen Szenarien für verschiedene Einsatzgebiete möglich sind. Zudem wird gemeinsam überlegt, wo die Potentiale, Grenzen und Schwierigkeiten beim Einsatz von Computerspielen im schulischen und außerschulischen Bereich liegen. An ganz konkreten Beispielen sollen die TeilnehmerInnen selbst Überlegungen dazu anstellen und auch ihre eigenen Ideen und Ansätze entwickeln können.“

Die Workshops der PLAY-Conference finden in der Justizvollzugsschule, die Talks in der Kunstschule Alsterdamm statt. Tickets und weitere Informationen sind auf der offiziellen PLAY14-Seite zu finden.

Projekte