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ElternMedienLotsen: "Wir gehen direkt in die Schule und nutzen das bestehende Format Elternabend"

Was machen Kinder im Internet? Welche Inhalte tauschen sie auf Handys aus? Wie gefährlich sind Computerspiele?  Damit sich Erwachsene besser im virtuellen Dschungel orientieren können, vermittelt TIDE EltermMedienLotsen für Elternabende. Das Mediennetz Hamburg hat mit Barbara Lenke über das Projekt gesprochen.

Stellen Sie sich doch bitte mal kurz vor, wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin Barbara Lenke und bin von Anfang an, seit 2009 an dem Projekt beteiligt: Zunächst als ElternMedienLotsin, dann als Koordinatorin und seit 4 Jahren als Projektleitung. Das Projekt finanziert sich aus Fördergeldern, die jedes Jahr neu beantragt werden müssen. Insofern ist es kein sicher finanziertes Angebot in Hamburg. Dank der Unterstützung der BSB, der BASFI und der Medienstiftung ist die Finanzierung aber bis August 2020 gesichert.

Ab August 2019 bildet TIDE, Hamburgs Communitysender und Ausbildungskanal, wieder ElternMedienLotsen aus. Wie genau funktioniert die Ausbildung?

Die Ausbildung ist als "blended learning"-Ausbildung mit Präsenztagen bei TIDE und Online-Sitzungen zur Vertiefung strukturiert. Wir geben den angehenden ElternMedienLotsen (EML) sowohl fachlichen Input als auch Werkzeuge und Methoden an die Hand, mit denen sie anregende und informative Elternabende gestalten können. Das Abschlusswochenende findet außerhalb von Hamburg statt. Hier können die angehenden ElternMedienLotsen in Arbeitsgruppen intensiv Elternabende vorbereiten und erproben.

Nach der Ausbildung erhalten diese ein Zertifikat, und wir unterstützen die EML bei der Durchführung der ersten Elternabende. Diese können sie zu zweit leiten oder sich von einem erfahrenen EML begleiten lassen. Auf der Grundlage der in Arbeitsgruppen erarbeiteten eigenen Folien für Elternabende bekommen die EML Zugang zu weiteren Materialen und Folien.

Was genau machen dann die ausgebildeten ElternMedienLotsen?

Die EML moderieren Elternabende zu den Themen, die die uns anfragenden Eltern beschäftigen. Das kann das Thema Umgang mit dem Handy, Computerspiele aber auch Cybermobbing sein. Wir bieten auch themenübergreifende Abende für spezifische  Altersgruppen an, in denen wir den Eltern Gelegenheit geben, sich mit anderen Eltern auszutauschen. Die EML halten in der Regel einen informativen Vortrag zu dem Thema und beantworten dann Fragen und leiten die Diskussion.

Was ist das Besondere an diesem Projekt/Ansatz, inwiefern können die ElternMedienLotsen einen anderen Zugang zu den Eltern finden, anders als beispielsweise Medienpädagogen*innen?

Das Besondere an dem Projekt ist, dass wir in die Schule direkt gehen, und das bestehende Format Elternabend nutzen, um Eltern anzusprechen. Diese  Abende sollten von maximal 30 Eltern besucht werden, so dass wir direkt auf die Fragen der Eltern eingehen können und die Eltern sich untereinander austauschen können. Mit unseren Abenden wollen wir elterliche Medienerziehungskompetenz stärken und die Eltern im Umgang mit Medien unterstützen.

Was sind die Fragen, mit denen sich Eltern aktuell besonders beschäftigen?

Das ist je nach Altersstufe natürlich sehr unterschiedlich. Die häufigsten Fragen betreffen die Mediennutzungszeit oder Eignung der Medieninhalte für die jeweilige Altersgruppe. Aber Eltern haben auch Sorge, dass ihr Kind möglicherweise süchtig ist, wenn es viel Zeit mit Computerspielen verbringt. Auch Mobbing in der Klasse in WhatsApp- Gruppen ist manchmal Thema. Wir verstehen uns aber als präventives Projekt: Wir informieren die Eltern über Chancen und Risiken und wollen den Eltern Kompetenzen vermitteln, selbst zu entscheiden, was für ihr Kind das richtige Maß  ist.

Grundsätzlich können wir feststellen, dass wir zu Beginn des Projektes noch die meisten Anfragen für die 6ten Klassen gehabt haben und es nun häufiger Grundschulen und Kitas sind, die anfragen.

Welchen Stellenwert hat das Projekt im Bereich der Medienpädagogik in Hamburg?

Das Projekt wird schon im Rahmenkonzept Medienkompetenz als bedeutsam angesehen. Wir haben schon über 10.000 Eltern in den unterschiedlichen Schulformen, Einrichtungen und KITAs erreicht. Das Projekt wird deshalb jetzt schon seit 10 Jahren mit einer halbjährigen Unterbrechung von unterschiedlichen Einrichtungen gefördert. Leider  konnten wir in diesem Jahr nicht mehr alle Abende kostenlos anbieten.

Einigen Schulen bieten wir kontinuierlich jedes neue Schuljahr für die neuen 5ten Klassen Elternabende an. Schulen, Klassen, Lehrkräfte und Eltern wollen eine verlässliche Planung auch für längerfristige Verankerung der Abende  auch für weitere Schuljahre. Diese können wir ihnen leider zur Zeit nicht bieten.

Wir freuen uns aber, dass mindestens bis August 2020 die Finanzierung gesichert ist.

Vielen Dank für das Interview!