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Portrait Philipp Westerfeld

"Einfach rausgegangen, die Kamera angemacht und probiert"

Philipp Westerfeld hat schon einige Filme auf dem abgedreht gezeigt, nun studiert er Kamera an der Filmakademie Baden-Württemberg und zeigt in diesem Jahr wieder einen Film beim abgedreht

Philipp Westerfeld (22) dreht seit fünf Jahren Kurzfilme, studiert seit Oktober Kamera an der Filmakademie Baden-Württemberg. Beim Hamburger Nachwuchsfilmfestival abgedreht sind schon einige seiner Filme gelaufen. In diesem Jahr ist er mit einem Film vertreten: "Wo Schmetterlinge flattern, auch ohne Wind". Das Mediennetz Hamburg hat Philipp Westerfeld auf dem Nachwuchs Film Festival up and coming in Hannover getroffen und mit ihm über sein Studium, Film in der Schule und Festivals gesprochen.

Mediennetz Hamburg: Wie bist du zum Film gekommen?

Philipp Westerfeld: Als ich etwa 13 Jahre alt war, haben wir aus Langeweile eine Kamera genommen und Fußball-Clips gedreht. Und dann hat es sich immer weiter ausgebaut und irgendwie bin ich dann dran geblieben. Ich habe das immer weiter ausgebaut, irgendwann hatte ich um 2008 rum ein Drehbuch, mal eine besser Kamera, dann hat es irgendwann so viel Spaß gemacht, dass ich dann überlegt habe, ob ich das auch beruflich weiter führe.

Woher hast du dein filmisches Wissen, hast du während deiner Schulzeit an Workshops wie einer Film-AG teilgenommen?

Nein, wir hatten so was gar nicht an unserer Schule. Wir hatten eine Video-AG, aber da habe ich mich, warum auch immer, nicht eingebracht. Wir haben es einfach gemacht und dann gesehen, was wir für Fehler gemacht haben und dann haben wir beim nächsten Mal versucht, sie zu verbessern. Eigentlich haben wir gar nicht so viel im Internet nach Infos geguckt. Also einfach rausgegangen, die Kamera angemacht und probiert.

Hättest du dir gewünscht, in der Schule mehr in Sachen Film gelernt zu haben?

Also, jetzt wo ich merke, dass das Mediale in der Schule immer mehr integriert wird, ist das schon cool, wenn man da eine Unterszützung bekommt, weil man ja noch Anfänger ist. Vor allem auch das ganze Equipment oder auch die Anleitung zur Technik oder auch einen Rahmen, wo man sich als Gruppe trifft... Das ist schon sehr schwierig, wenn man anfängt, dass man erstmal Leute finden muss, die sich auch dafür begeistern.

Und warum hast du dich dann entschieden, Filme professionell zu machen?

Ich habe überlegt, ob ich viel Geld verdienen möchte oder gucken, was mir Spaß macht – und vielleicht auch irgendwann mal viel Geld damit verdienen. Film sehr viel Spaß und deswegen will ich es wenigstens versuchen. Ich glaube, dass man mit Regie später eventuell nicht so die Jobs bekommen könnte, deswegen studiere ich Kamera und möchte neben dem Kamera-Studium weiterhin auch eigene Projekte machen als Regisseur. Vorher habe ich noch ein Jahr lang eine Ausbildung zum Mediengestalter gemacht beim SWR, dann wurde ich aber an der Filmhochschule angenommen. Diese Ausbildung ist auch sehr, sehr technisch gewesen, das hat mir nicht so gefallen.

Hilft es dir im Studium, dass du vorher schon viel ausprobiert hast?

Im Studium bin ich komischerweise der Jüngste, die Kameraleute sind eher 27 Jahre alt. Also habe ich im Vergleich noch relativ wenig ausprobiert. Man muss schon gewisse Sachen gemacht haben, damit man da klar kommt.

Mit was hast du dich beworben?

Ich habe einen Zusammenschnitt von mehreren Filmen gemacht, unter anderem auch "dunkelblau", der im vergangenen Jahr beim abgedreht lief. Dann gab es noch eine zweite Runde, da hat man dann einen 72-Stunden-Film gedreht – und dann wurde ich angenommen.

Was sind die Themen, die dich interessieren?

Meine Themen sind oft Traumwelten, Psychothriller, Psychodrama, eher düstere, melancholische Sachen. Ich mag diese Stimmungen, dieses surreale, phantastische.

Und die Filme, die vor Beginn deines Studiums entstanden sind, in welchem Rahmen hast du die produziert?

Alle Kurzfilme, die ich bisher gemacht habe, sind relativ spontan entstanden. Sind teilweise gedreht mit einer Spiegelreflex-Fotokamera in HD, man kann sich ein billiges Stativ kaufen und dann geht das einfach. Man braucht gar nicht so viel Technik, wir haben immer relativ wenig Technik. Man braucht die Kamera, man braucht ein Stativ und einen Ton.

Was bedeuten Festivals wie das up and coming oder das abgedreht für dich?

Ich finde, es ist eine coole Plattform, weil man merkt, was machen die anderen aus ganz Deutschland, was werden für Filme gedreht. Als Filmemacher hat man die Möglichkeit, auch mal auf einer großen Leinwand einen Film zu zeigen und nicht nur im Internet oder auf youtube. Man bekommt auch ein gutes Live-Feedback vom Publikum über das, was man gemacht hat. Und man kommt auch ins Gespräch mit den Filmemachern nach den Filmen, kann da eventuell auch Kontakte knüpfen. Es ist natürlich auch ein kleiner Erfolg, wenn man dann eingeladen wird, gerade auch, wenn man so viel Zeit in seinen Film gesteckt hat.

(ANNA POSTELS)

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