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Joscha Thelosen | The Hour Glass

Nachwuchsfilmpreis geht nach Hamburg

Der Hamburger Animationsfilmemacher Joscha Thelosen wurde beim Internationalen Nachwuchsfilmfestival up and coming in Hannover mit dem Deutschen Nachwuchsfilmpreis ausgezeichnet

Vier Tage lang waren beim Internationalen Filmfestival up and coming in Hannover über 200 Kurzfilme aus 38 Ländern zu sehen. In einer feierlichen Preisverleihung wurden am letzten Tag des Festivals die Preise vergeben. Ein Preis geht auch nach Hamburg: Der Deutsche Nachwuchsfilmpreis wurde an den Animationsfilmer Joscha Thelosen vergeben. Das Mediennetz Hamburg hat den 27jährigen in Hannover nach der Preisverleihung getroffen und mit ihm über seinen Animationsfilm „The Hour Glass“ gesprochen. In dem achtminütigen Film geht es um den Tod, der in einem einsamen Haus lebt, mit den Sanduhren des Lebens im Keller - bis er plötzlich ein ausgesetztes Baby vor seiner Tür findet...

Mediennetz Hamburg: Herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchsfilmpreis beim up an coming! Wie fühlt sich das an?

Joscha Thelosen: Unglaublich! Ich kann es noch nicht so richtig fassen, ich muss das erstmal verarbeiten. Es liefen so großartige Filme hier beim up and coming und ich habe es vielen Filmen gegönnt. Aber der Preis ermutigt mich natürlich, jetzt richtig Gas zu geben und alle meine Ideen umzusetzen.

Wie kam es zum deinem Film „The Hour Glass“?

Ich hatte zu dem Zeitpunkt in Aachen Kommunikationsdesign studiert. Nachdem ich mich ein Semester lang in Realfilmen versucht habe, habe ich mich wieder dem Zeichnen zugewandt. Ich habe immer gerne gezeichnet. In der Abizeit habe ich Filme für die Schule gemacht, die kamen sehr gut an und dann dachte ich, vielleicht sollte ich es damit nochmal versuchen. Das hatte mir echt Spaß gemacht und die Leute fanden es auch toll. Dann dachte ich, jetzt mache ich nochmal einen Kurzfilm. Aus dem Semesterprojekt wurden dann mehrere Semester... Ich hatte am Anfang auch einen ganz anderen Stil geplant, ich habe ein bisschen rumprobiert, aber das haben andere gesehen und gesagt, das sieht super aus, mach das mal. Es ist alles mit Bleistift gezeichnet, eingescannt, freigestellt und dann alles zusammen gefügt. Das war vor zwei Jahren.

Du arbeitest in Hamburg, wie bist du hierher gekommen?

Ich komme vom Niederrhein, habe in Aachen Kommunikationsdesign studiert. Dann bin ich nach Hamburg für ein Praktikum bei TRIKK17 gekommen, die machen Stop Motion. Und jetzt arbeite ich als 2D-Animator in Hamburg und bin da zuständig für 2D-Animationen und Illustrationen.

Wie bist du zum Film gekommen, hast du während der Schulzeit Kontakt mit dem Medium gehabt?

Fast gar nicht. Nur einmal habe ich im South-Park-Stil eine Persiflage von unserer Schule mit allen Lehrern gemacht, so hat’s eigentlich angefangen. In meiner Jugend habe ich Comics gezeichnet. Ich kannte vor meinem Studium gar keine professionellen Programme, ich hab früher alles umständlich Bild für Bild gemacht.

Wie wichtig ist ein Festival wie das up and coming für dich?

Sehr wichtig! Ich habe in meinen Film viel Arbeit rein gesteckt und ich wollte nun Feedback vom Publikum sammeln. Wenn man bei einem Festival gute Resonanz bekommt, dann ermutigt das, die Ideen weiter umzusetzen und weiterzumachen. Bei „The Hour Glass“ wusste ich gar nicht, wie der jetzt ankommt. Und ich habe da echt lange für gebraucht, wahrscheinlich auch, weil ich nie wusste, was daraus wird.
Vor einem Jahr hat es angefangen mit dem ersten Festival, das hat Mut gegeben, weiter einzureichen. Ich wusste vor ein paar Monaten nicht so genau, was ich in Zukunft machen möchte. Und ich glaube nun, den Weg Kurzfilm sollte ich jetzt richtig einschlagen. Kurzfilm ist das, was ich wirklich machen will.

Wie geht es jetzt weiter bei dir?

Am Mittwoch fliege ich nach Katar zum Filmfest, ich wurde da eingeladen. Und jetzt fühle ich mich auch mehr ermutigt, weil ich erst dachte, warum laden die mich ein? Ich kenne viele Filme, die sind viel erfolgreicher in Deutschland und meiner zählt jetzt endlich auch zu denen.

Das Mediennetz Hamburg wünscht viel Erfolg mit "The Hour Glass" und weiteren Projekten!

(ANNA POSTELS)

Die Preisträger des 12. Internationalen Filmfestes Hannover:

Der Deutsche Nachwuchsfilmpreis ging neben "The Hour Glass" von Joscha Thelosen (*1986) aus Hamburg an "Otto`s Adventures" von Jonas Dichelle (*2001) aus Leipzig und "Kuntergraudunkelbunt" von Anna Roller (*1993) aus Gräfelfing.

Der Bundes-Schülerfilm-Preis ging an Alicia Ankermann, Robert Klees, Christian Onuchukwu und Steffen Welle (*1997) von der Hauptschule für Hörgeschädigte am BBZ Stegen bei Freiburg im Breisgau und ihren Stummfilm "Beim Gorilla in der Villa".

Mit dem International Young Film Makers Award wurden Gergely Wootsch (*1985) aus Großbritannien für "The Hungry Corpse", Bartosz Kruhlik (*1985) aus Polen für "Zar" und Thomasz Popakul (*1986), ebenfalls aus Polen, für "Ziegenort" geehrt.

Weitere Informationen zum Festvial: up-and-coming.de