Magazin / Reportagen 
FSK - Freies Sender Kombinat

Medienkompetenzförderung und Radiopraxis im Freien Radio "FSK"

Das FREIE SENDER KOMBINAT sendet seit über 10 Jahren und begreift sich als „eine der letzten verbliebenen Stimmen gegen den Medienmainstream in Hamburg“.

Aus der Perspektive Freier Radios geht Medienkompetenz einher mit „kommunikativer Kompetenz“ und „Handlungskompetenz“. Gemeint sind alle Sinnesakte der Weltwahrnehmung und Formen der Weltbemächtigung und Weltveränderung, die die Akteure und Rezipienten des Freien Radios auf die Wahrnehmung ihrer „politischen Kompetenz“ hinführen. Freie Radios eröffnen, in Anbetracht der unterschiedlichen Gewichtung in der Medienkompetenz von Verantwortlichen und Betroffenen, aber auch der von Sendenden und Rezipienten, allen Beteiligten prinzipiell die Möglichkeit zur praktischen Medienarbeit. Medienkompetenzförderung bedeutet, dass Menschen befähigt werden sollten, „ihre Rechte um Medien politisch zu vertreten und soziale Auswirkungen von Medien angemessen thematisieren zu können.“ (Aufenanger 1997, S. 20)

Für die Radiopraxis der Freien Radios bedeutet dies z.B. Sendeformen zu entwickeln, die sich im urbanen Raum verorten, um auf diese Weise politisch präsent zu werden. So informierte das Freie Radio FSK in Hamburg anlässlich einer Demonstration im Sommer 1999, die gegen den Naziaufmarsch im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung der Ausstellung „Vernichtungskrieg – Verbrechen der deutschen Wehrmacht 1941 – 1944“ stattfand, aktuell über die Lage vor Ort und darüber, wo die Polizei bzw. die Neonazis Stellung bezogen hatten. Doch gleichzeitig begann die Stimme des Freien Radios kommunikativ zu handeln, indem sie stellvertretend für die individuellen Stimmen der Hörerinnen und Hörer die Sammlung von 2000 Demonstrantinnen und Demonstranten auf dem Campus der Universität Hamburg koordinierte.

Medienkompetenzförderung, verstanden in diesem Sinne, bedeutet für das Freie Radio ein programmatisches Konzept, das im Idealfall zum Programm wird. Der Hamburger Sender FSK sendet seit 1998 mit einer Vollfrequenz auf UKW 93,0 MHz sowie per Kabel analog auf 101,4 MHz. Der Livestream des Senders ist im Internet über www.fsk-hh.org weltweit zu hören. Der Sender erhält weder staatliche oder städtische Förderung noch Werbeeinnahmen und finanziert sich nur über die Fördermitgliedschaft seiner Hörerinnen und Hörer.

Autor: Andreas Bade
Erschienen im Stadtkulturmagazin Ausgabe 15/2010
www.stadtkulturmagazin-hh.de



Literatur:
Aufenanger, Stefan (1997): Medienpädagogik und Medienkompetenz - Eine Bestandsaufnahme. In: Enquete- Komission Zukunft der Medien in Wirtschaft und Gesellschaft. Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft. Deutscher Bundestag (Hrsg.), Medienkompetenz im Informationszeitalter. Bonn 1997, (S. 15 - 22). Quelle: http://www.mediacultureonline.de/fileadmin/bibliothek/aufenanger_mediendienkompetenz/au-fenanger_medienkompetenz.pdf (S. 6). (23. 10. 2010).
Bade, Andreas (2009): Das Internet als programmbegleitendes Medium des Hörfunks. Historische Entwicklung von Internet, Radio und ihrer Medientheorien, Hamburg 2009.
Frahm, Ole; Michaelsen, Thorsten (2001): Hört die anderen Wellen. Zur Verräumlichung der Stimme im Radio. In: Radio- Kultur und Hör- Kunst. Zwischen Avantgarde und Popularkultur 1923- 2001. Hrsg.: Andreas Stuhlmann. Würzburg 2001, (S. 39 - 61).

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