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Kinder erstellen Machinimas  © Initiative Creative Gaming

Die Rolle des jaf e.V. bei der Medienkompetenzförderung

Medienkompetenzförderung definiert der Jaf – Verein für Medienpädagogische Praxis Hamburg e.V. als medienpädagogische Maßnahmen zur Vermittlung von Wissen im praktischen und theoretischen Umgang mit elektronischen Medien.

Dafür führt der jaf e.V. Projekt- und Fortbildungsformate wie „Klickerkids“, „MobileMovie“ oder das Nachwuchsfestival „abgedreht“ durch. Bei den Projekten, Workshops und Fortbildungsangeboten stehen vor allem solche pädagogischen Maß­nahmen im Fokus, bei denen der jaf e.V. Kindern und Jugendlichen Medien als Ausdrucksmittel durch eigenständige praktische Medienproduktion nahebringt. Dabei steht nicht allein die Vermittlung von Gestaltungswissen und Produktionsweisen im Vordergrund, die Heranwachsenden erhalten auch die Möglichkeit, sich in der Welt, in der sie leben, zu orientieren und ihren Gedanken und Ideen Ausdruck zu geben.

Die medienpädagogische Arbeit des jaf e.V. ist Teil von kultureller Bildung, womit der Medienarbeit derselbe Stellenwert zugesprochen wird wie z.B. Theaterprojekten oder der Leseförderung. Wie die anderen Bereiche der kulturellen Bildung setzt sie an den Interessen und der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen an.

Ziel: Projektarbeit

Im Projekt „FILM DIR EINEN“ wird die Verbindung zwischen Filme gucken und Filme machen hergestellt. Schulklassen werden zum KinderKurzFilmFestival Hamburg „Mo&Friese“ eingeladen, um sich gemeinsam ein Programm anzusehen. Aus den – für viele Kinder neuen – Seherfahrungen, Geschichten und Macharten entwickeln sie eine eigene Filmidee. Diese wird an drei Tagen umgesetzt und am Ende des Festivals im
Kino präsentiert. „FILM DIR EINEN“ ist eine schnelle Form, Kindern die Verbindung zwischen Filme gucken und Filme machen nachhaltig zu vermitteln und sie zudem an ihnen vielleicht unbekannte Filmgenres und Inhalte heranzuführen.

Im Mittelpunkt von „KLICKERKIDS – Internet von Kindern für Kinder“ steht die redaktionelle Arbeit mit Kindern bis 14 Jahren, die sich in den Ferien zu fünftägigen Redaktionsteams zusammenschließen. Sie gehen Themen nach, die sie interessieren und machen von der Erstrecherche, über die Terminfindung, Interviews, Straßenbefragungen und der Programmierung von Internetseiten alles selbst. Kinder erfahren in diesem Projekt, dass sie als Reporterinnen und Reporter ernst genommen werden und durch die große Internetplattform mit vielen Experten und Erwachsenen ins Gespräch kommen können. Das Medium Internet wird so zum Türöffner und sie lernen es zudem als kreatives und gestaltbares Medium kennen. Neben der praktischen Arbeit werden in den Ferienaktionen auch Inhalte und Gefahren der Internetnutzung vermittelt.

Im Projekt „MobileMovie“ bildet der jaf e.V. zusammen mit dem Gymnasium Meiendorf, dem LI und der Schulberatung des HVV Lehrerinnen und Lehrer für die Durchführung von Handyclip- Projekten fort. In der Fortbildung mit Teilnehmenden aus zehn Hamburger Schulen wird Wert auf die künstlerischen Aspekte und Möglichkeiten des Handys als Aufnahmegerät gelegt. An der Fortbildung nehmen nur Lehrer teil, die das Erlernte direkt in ihren Kursen umsetzen, hier werden sie von Medienpädagogen des jaf unterstützt. Am Ende steht die Präsentation der entstandenen Clips auf Hamburger U- und S- Bahnhöfen.

Der jaf e.V. hat sich in den vergangenen zehn Jahren an der vom „upandcoming“ internationalen Film Festival Hannover initiierten Projektreihe „film>>up“ sowie an den in diesem Rahmen stattfindenden Mediencamps CITYZOOMS beteiligt und diese maßgeblich mitentwickelt. Jugendliche bekommen die Möglichkeit, mit Betreuung durch Filmprofis ihre Filmideen im städtischen Raum zu verwirklichen. Beim Projekt „Hamburg im ZOOM 2010“ produzierten die Jugendlichen in einem offenen Produktionsstudio mitten in der Hamburger Innenstadt. So wurde aktive Medienarbeit für die Hamburger Bürgerinnen und Bürger einmal mehr sichtbar.

In Kooperation mit der Initiative Creative Gaming ist der jaf e.V. an der Vermittlung und Erprobung medienpädagogischer Modelle beteiligt, Computerspiele kreativ und als Gestaltungsmedium einzusetzen. In Workshops für Jugendliche und Fortbildungen für Pädagogen werden Möglichkeiten aufgezeigt, Computerspiele als Werkzeugkasten zu begreifen und mit ihnen und ihren Erzählweisen ganz neue Medienprodukte zu kreieren.

Medienpädagogische Arbeit ist kein Selbstzweck. Die Produktionen, die entstehen müssen auch präsentiert werden. Deswegen realisiert der jaf e.V. das Hamburger Nachwuchsfilmfestival „abgedreht“. Hier werden Filme von Hamburger Nachwuchstalenten zwischen sieben und 27 Jahren nicht nur gezeigt, sondern auch diskutiert. In diesem Jahr fand zudem das Kulturpartnertreffen zum Thema praktische Filmbildung mit Hamburger Lehrerinnen und Lehren im Rahmen des Festivals statt.

Neben den hier auszugsweise beschriebenen Projekten, die für die Arbeit des jaf e.V. kennzeichnend sind, sind die meisten Mitglieder des Vereins in verschiedenen anderen Projekten als Medienpädagogen tätig. Sie unterstützen zudem Heranwachsende und Erwachsene bei der Realisierung eigener Projekte.

Das Ziel der medienpädagogischen Arbeit des jaf e.V. ist es, auf der einen Seite durch Netzwerkarbeit, Festivals und Schulprojekte eine Breitenförderung für Kinder und Jugendliche zu ermöglichen. Diese basiert auf der Annahme, dass es sinnvoll und richtig ist, wenn jedes Kind, jeder Schüler und jeder Jugendliche in der Zeit seines Großwerdens einmal ein praktisches Medienprodukt entwickelt und hergestellt hat. In den Projekten wird immer darauf geachtet, ein möglichst breites Spektrum der Hamburger Gesellschaft abzubilden. Auf der anderen Seite ist es ein weiteres Ziel, talentierten Jugendlichen die Chance zu geben, ihre Interessen und ihr Können weiter zu verfolgen und ihnen Produktionsbedingungen zu schaffen sowie eigene Projekte zu ermöglichen.

Beide Zielperspektiven sind nicht allein zu erreichen. Sie können nur in der intensiven Kooperation und Netzwerkarbeit – wie dem Mediennetz Hamburg e.V. – funktionieren. Darüber hinaus will der jaf e.V. kontinuierlich die Aus- und Fortbildung von Hamburger Pädagoginnen und Pädagogen fördern, denn nur so kann eine Breitenförderung erreicht werden.

Autor: Andreas Hedrich
Erschienen im Stadtkulturmagazin Ausgabe 15/2010
www.stadtkulturmagazin-hh.de

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