Magazin / Reportagen 
Kinder testen Technik © Clemens Hoffmann-Kahre

Medienarbeit mit Tradition

Eine Vielfalt von Zugängen zu Medien und die Förderung von Medienkompetenz haben im Stadtteil & Kulturzentrum Motte eine lange Tradition, die von jeher weit über das Vermitteln einer rein technischen Nutzungsfähigkeit hinaus reicht.

Brian und Konstantin testen aufgeregt das kleine Aufnahmegerät: Sind die Akkus geladen? Funktioniert das Mikrofon? Ist alles richtig zusammen gesteckt? Schließlich haben sie um zwölf einen Interviewtermin mit dem Bürgermeister von Wedel. Im Rahmen einer Kinderradiosendung zum Thema Bücher, wollen sie den wichtigsten Mann ihrer Stadt doch mal fragen, was er so liest.

Das war ihre eigene Idee und auf eigene Faust sind die beiden elfjährigen Jungen ins Rathaus gestiefelt, um sich einen Termin geben zu lassen. Schließlich sind Brian und Konstantin fast schon alte Hasen bei den „Ohrlotsen“, einem dreijährigen Medienprojekt rund um das Thema Hören, das die MOTTE im Bezirk Altona und der Stadt Wedel durchführt.

Noch beeindruckender wirkt das selbstständige Handeln der Beiden, wirft man einen Blick zurück: Denn, als Brian im Rahmen einer Schulkooperation vor anderthalb Jahren zum ersten Mal mit dem Medienprojekt in Kontakt kam, kostete es ihn noch viel Überwindung, seinen Namen in das Mikrofon zu sprechen. Auch Konstantin hat durch das MOTTE- Projekt Selbstbewusstsein, aber auch eine kritische Sicht auf „Medienprodukte“ gewonnen, die er selbst in Worte fasst: „Wenn ich jetzt Radio höre, weiß­ ich genau, wie die das gemacht haben, und wie man Interviews beim Schneiden verändern kann“.

Ausgangspunkte sämtlicher medienpädagogischer Projekte in der MOTTE sind stets Interesse und lebensweltliche Vorstellungen der heranwachsenden Teilnehmer. Vor allem in künstlerischmedialen Inszenierungen wie Hörspiel und/oder Film bietet sich für junge Menschen die Chance, sich selbst zu inszenieren und sich in unterschiedlichen Rollen auszuprobieren. Identität und Persönlichkeit werden gestärkt und Teilhabe wird entwickelt.

Dieser Partizipationsgedanke ist ein zentraler Aspekt von Medienkompetenzförderung, denn Medienkompetenz in ihrer Funktion als elementare Kulturtechnik ermöglicht jungen Menschen die Teilhabe und Mitbestimmung an der gegenwärtigen Wissens- und Kommunikationsgesellschaft. Diese Befähigung zur informationellen Selbstbestimmtheit ist letztlich eine Grundvoraussetzung für unser gegenwärtiges Demokratieverständnis.

Bereits in den 70er Jahren entstand die Filmwerkstatt „Mottenschau“ – mit der Idee, das Medium Video als Möglichkeit der Gegenöffentlichkeit zu nutzen, unter der Prämisse eines Bezugs zum Stadtteil und sozialen Nahraum. Bis heute spielt in den medienpädagogischen Angeboten der MOTTE die Nähe zur eigenen Lebenswelt immer wieder eine entscheidende Rolle.
Hier gilt es auch die schnellen Veränderungen in den Medien aktuell aufzunehmen. So werden z.B. mit Jugendlichen interaktive Filme produziert oder bei den „SportXperten“ – einem Medienprojekt von Triangel- Film. Kommunikation. PR in Kooperation mit der Mottenschau – auch der Umgang mit dem Internet reflektiert.

Die MOTTE bietet vielfältige Ressourcen auf personeller, ebenso auf technischer und struktureller Ebene. Medienpädagogische Projekte finden in der MOTTE in sämtlichen Fachbereichen und unter Beteiligung der unterschiedlichsten Fachkräfte statt. Dies schließt sowohl Mitarbeiter der MOTTE selbst, als auch externe Profis – wie Journalisten, Filmemacher, Tontechniker etc. – ein. Auf diese Weise bündelt die MOTTE einen Pool an Fachkompetenzen unter einem Dach, der sich durch den kontinuierlichen wechselseitigen Austausch der einzelnen Akteure ständig weiterentwickelt. So wird es beispielsweise möglich, medienpädagogische Projekte zielgruppenspezifisch anzupassen und in unterschiedlichen Formen anzubieten.

Medienkompetenzförderung als Bestandteil schulischer Bildung wird allerorts gefordert, was die Institution Schule vor neue Herausforderungen stellt. Hier stehen der Schule mit den außerschulischen, medienpädagogischen Fachkräften kompetente Partner zur Seite, die sie bei der Umsetzung der an sie gestellten Erwartungen begleiten und unterstützen können.

Das MOTTE- Projekt „Ohrlotsen“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie diese Zusammenarbeit gelingen kann. Durch die Beteiligung schulischer Fachkräfte an Prozessen der Projektplanung und Durchführung entstehen neue Strukturen zur Medienkompetenzförderung, die auch zukünftig über den Rahmen von Einzelprojekten hinaus genutzt werden und zu innovativen (Bildungs) Partnerschaften führen können. Die MOTTE hat langjährige Kooperationen mit Fachhochschulen und Universitäten entwickelt und ergänzt mit ihren Fachbereichen u.a. die Ausbildung von Medienpädagogen. Förderung von Medienkompetenz wird wirksam, wenn ein ausreichendes Maß­ an Kontinuität erreicht wird. Dadurch entsteht Planungssicherheit, die wesentlich zum Erreichen von Nachhaltigkeit in der Förderung von Medienkompetenz beiträgt. Dies bedeutet auch, den fachlichen Austausch unter den einzelnen Akteuren zu gewährleisten und die Notwendigkeit und Bedarfe von Medienkompetenzförderung einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. An dieser Stelle könnte das geplante Rahmenkonzept zur Medienkompetenzförderung wirken, wenn es Handlungsfelder und Aspekte der Netzwerkbildung konkretisiert und auch neue Finanzierungsmöglichkeiten in die politische Debatte einbringt.

Autor: Ronny Strompf
Erschienen im Stadtkulturmagazin Ausgabe 15/2010
www.stadtkulturmagazin-hh.de

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