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Prof. Dr. Uwe Hasebrink

Oft wissen Eltern nicht, was ihre Kinder online tun

Interview mit Manfred Helmes und dem Hamburger Professor Dr. Uwe Hasebrink

Am 7. Dezember 2010 wurde das Projekt „EU Kids Online“ auf der Veranstaltung "Aufwachsen in digitaler Gesellschaft: Internet und Werteorientierung im Lebensalltag von Kindern und Jugendlichen in Deutschland" in Berlin vorgestellt. Die Studie will das Wissen über die Onlinenutzung von Kindern und Eltern in Europa erweitern. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen und Umgangsweisen mit Risiken und Möglichkeiten der Förderung einer sicheren Onlinenutzung. Ein Interview mit Manfred Helmes (Direktor der Landeszentrale für Medien und Kommunikation LMK, der Koordinierungsstelle des Safer Internet Centre Germany und klicksafe) und Prof. Dr. Uwe Hasebrink (Direktor des Hans-Bredow-Instituts und Leiter des deutschen "EU Kids Online"-Forschungsteams).
Welchen Stellenwert hat das Internet heute in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen? Und was bedeutet das für ihre Eltern?
Manfred Helmes: Erwachsene sprechen hier ja nach wie vor von den neuen Medien, doch Kinder und Jugendliche haben da eine andere Perspektive. Sie wachsen heute ganz selbstverständlich mit dem Internet und seinen ständigen Neuerungen auf. Der Aussage „Ich weiß mehr über das Internet als meine Eltern“ stimmen rund zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen in Europa voll oder zum Teil zu. Auch was die Risiken betrifft, sind die Erwachsenen oft nicht im Bilde. Fast die Hälfte der Eltern (41%), deren Kinder sexuelle Bilder im Internet gesehen haben, glauben das Gegenteil. Und sogar 56% der Eltern, deren Kinder gemeine oder verletzende Online-Nachrichten erhalten haben, haben davon nichts mitbekommen.
Stichwort „Cybermobbing“: Zu welchen Untersuchungsergebnissen kommt die „EU Kids Online“-Studie in diesem Bereich?
Prof. Dr. Uwe Hasebrink: Sowohl die Daten auf europäischer als auch auf nationaler Ebene zeigen, dass fast jedes fünfte Kind irgendeine Art von Mobbingerfahrung gemacht hat. Allerdings berichten lediglich 4% der deutschen Kinder von Cybermobbing-Erlebnissen. Dennoch darf das Thema nicht unterschätzt werden. Das klassische Mobbing verlagert sich immer mehr ins Internet. Kinder sollten daher möglichst frühzeitig lernen, sich auch im Internet anderen gegenüber respektvoll zu verhalten.
Manfred Helmes: Das Internet entwickelt sich rasant. Und das sowohl im Positiven als auch im Negativen. Das so genannte Cybermobbing ist noch ein relativ neues Phänomen, doch nach unseren Erfahrungen greift es bereits in erschreckendem Maße um sich. Unsere Aufgabe ist es, vor allem auch Eltern und Lehrer für diese Themen zu sensibilisieren und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die von unseren Landesmedienanstalten in NRW und Rheinland-Pfalz koordinierte Medienkompetenzinitiative klicksafe hat im letzten Jahr ein Unterrichtsmodul zum Thema Cybermobbing herausgebracht. Das findet nach wie vor reißenden Absatz.
Welche Forderungen an Politik und Gesellschaft ergeben sich aus den Untersuchungsergebnissen der Studie "EU Kids Online"?
Prof. Dr. Uwe Hasebrink: „Das Internet ist keine von der Realität abgetrennte Welt. Kinder, die im Netz negative Erfahrungen machen, sind auch im sonstigen Alltag eher von Problemen betroffen. Zusätzlich zu den Bemühungen, das Internet sicherer zu machen, ist es daher vor allem wichtig, sich um die grundlegenden Lebensbedingungen von Kindern zu kümmern.“

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