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 © Gesa Becher | GWA St. Pauli

Hamburgs Medienbildung und die Corona-Krise: Gesa Becher (GWA St. Pauli e.V.)

Was sind die zentralen Schwierigkeiten in der derzeitigen Projektplanung?

Das größte Problem für mich ist gerade die Unklarheit, ob wir unsere Honorare weiterzahlen können bei den drastischen Änderungen im Konzept, bzw. erst mal auch für die letzten 2 Wochen Übergang, in denen in Sachen Medienbildung fast  gar nichts lief. Wir haben einen Tag vorm Lock Down noch eine Party abgesagt, weil wir selber ein ungutes Gefühl dazu hatten. Aber der DJane zumindest ein Ausfallhonorar gegeben. Da geht man gerade überall ins eigene Risiko und kann nur hoffen, dass die Förderer entspannt und kulant sind.

Welche speziellen Probleme aber auch Chancen ergeben sich für Deine/Eure Einrichtung/Arbeit?

Unsere Projekte sind ja alle darauf ausgerichtet, die Stadt oder das Quartier zu erkunden und Teamarbeit zu erleben. Beides ist gerade sehr eingeschränkt möglich. Wir versuchen uns neu zu erfinden und zu gucken, wie Medien dabei helfen können. Die Lösung kann nicht immer nur eine Videokonferenz sein.

Gibt es Wünsche, die Du an Politik und Verwaltung hast?

Gut wäre, wir wären jetzt erst einmal von den Richtlinien der Förderer befreit und könnten frei umsteuern. Auch unsere Honrarkräfte einfach weiter bezahlen, auch wenn sie völlig andere Sachen machen, als beantragt. Vielleicht einfach nur digitaler Hausaufgaben-Coach für Kinder zu sein, die jetzt in Sachen Hardware und Medienkompetenz nicht mithalten können.

Warum ist Medienbildung gerade jetzt besonders wichtig?

Es zeigt sich jetzt in der Krise, dass die digitale Spaltung besteht und sich gerade noch verschärft. Bei uns in St. Pauli ist es so, dass in der Grundschule Kinder mit ganz unterschiedlichen familiären und häuslichen Bedingungen gemeinsam unterrichtet werden. Man könnte etwas stereotyp sagen, die eine Hälfte hat Eltern in der Digitalwirtschaft, die andere lebt unter der Armutsgrenze und die Eltern kennen WhatsApp. Diese Eltern sind von vielen digitalen Tools überfordert und können ihre Kinder nicht adäquat unterstützen. Totaler Stress. An der Stadtteilschule habe ich mit Lehrkräften gesprochen, die gar nichts online machen, weil sie wissen, dass die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler nicht das richtige Equipment hat. Hier werden klassische Arbeitsblätter kopiert und Briefe geschrieben. Das ist solidarisch gedacht für die Klassen, man orientiert sich an den schwach aufgestellten, hilft aber natürlich auch nicht dabei den anschaulich Stoff zu vermitteln und kollaboratives Arbeiten aufrecht zu erhalten.

Was sind Deine Hoffnungen für die „Zeit danach“? Kann es genauso weitergehen?

Freie Hardware für alle Schülerinnen und Schülern. Sinnvolle digitale Formate in jedem Unterricht, immer reflektiert und begleitet, so dass niemand abgehängt wird, weil z.B. zuhause das Internet nicht stabil läuft. Freie Unterstützungsangebote für alle Altersgruppen in den Stadtteilen, damit z.B. Eltern und Großeltern mithalten können.

Dein Satz, um Mut zu machen!

Wir alle lernen gerade richtig viel!

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