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Jasmin Luu Profilfoto

Hamburger Filmschaffende beim up and coming 2019: Jasmin Luu

Vom 21. bis 23. November 2019 findet das 15. Internationale Film Festival Hannover statt. Insgesamt 157 Filme aus 45 Ländern  gezeigt. Mit dabei sind auch Filmschaffende aus Hamburg. Das Mediennetz Hamburg hat mit einigen von ihnen gesprochen - über das Filmemachen, Filmfestivals und ihren Weg.

Stell dich doch mal kurz vor, wer du und was machst du?

Ich bin Jasmin Luu, 1994 geboren als Tochter vietnamnesisch-chinesischer Boat-People in Hamburg. Ich studiere seit 2015 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. 

Du warst 2017 schon mal bei up and coming dabei - was hat sich bei dir in Sachen Film seitdem getan?

Ich war vor zwei Jahren an einem Punkt an dem ich mich erneut fragte, was das Medium Film für mich bedeutet, da ich gemerkt habe, dass ich mich verändert habe und die Gründe weswegen ich Filme machte, nicht mehr gereicht haben.     

Ich habe mich seitdem viel mit meiner eigenen Geschichte und meiner Position in einer weißen Mehrheitsgesellschaft auseinandergesetzt, mit nahe stehenden Freund*innen, meiner Familie darüber reflektiert und daraus neue Inspirationen gefunden mich mit dem Medium auseinanderzusetzen. 

Wie hat dich die Teilnahme am up and coming 2017 voran gebracht?

Ich habe sehr Kurzfilme gesehen, die ich nur in diesem Kontext hätte sehen können und dazu viele verschiedenste Filmschaffende kennengelernt.

Mit welchem Film bist du beim up and coming dabei und worum gehts?

Ich bin mit meinem Kurzfilm Pelvicachromis dabei: Es geht um ein junges Pärchen, welches mit der Ungewissheit der Zukunft konfrontiert ist.  

Erzähl uns etwas über den Hintergrund des Films. 

Die Idee zu meinem Kurzfilm entsprang aus verschiedenen Bildern und Gedanken, die ich im Kopf hatte und in einem Film verarbeiten wollte. Für meine Hauptdarstellerin Melissa Audrey, die Sängerin ist, war dies das erste Mal vor der Kamera als Darstellerin und auch der Hauptdarsteller Jakob Fließ, der dieses Jahr an der Schauspielschule Leipzig angefangen hat, hatte bis zu dem Zeitpunkt viel Erfahrung im Theater, jedoch weniger vor der Kamera, gesammelt. In den Vorbereitungen war es mir wichtig, dass die beiden sich beschnuppern und kennenlernen, sodass sie sich miteinander wohlfühlen und dadurch über ihre Grenzen hinaus gehen können. Deswegen war es mir umso wichtiger, dass am Set ein warmer, familiärer und vor allem respektvoller Umgang herrscht. Dass meine Eltern das Catering kochten, bestärkte die Atmosphäre. 

Mit meinem Kameramann Moritz Mössinger, der 2017 die B-Kamera bei einem Tatort machte, besprach ich Szene für Szene und wir kreierten Bilder zwischen den beiden Akteuren, die dem 1:1 Bildverhältnis gerecht wurden. 

Das Studium an einer deutschen Filmhochschule unterscheidet sich stark zu meinem Studium an der Kunsthochschule HFBK, Schwerpunkt Film. An der Kunsthochschule genießen wir sehr viel kreative Freiheit, Freiheit, die unabhängig von der Filmbranche gelebt wird, wodurch wir viel Raum und Möglichkeit bekommen zu experimentieren und dadurch zu unserer Bildsprache finden, was großartig ist. Der Nachteil ist dafür, dass unsere finanziellen Mittel sehr begrenzt sind.

Die Produktion ist eine No-Budget Produktion gewesen, die Mittel waren wenig und wir wurden von Cinegate Hamburg gesponsort, die ebenfalls bei meinem aktuellen Abschluss Musicalfilm 'Sesambällchen' (AT) sehr unterstützend sind.

Wie wichtig ist es für dich, deinen Film beim uac vor Publikum vorzustellen? 

Ich finde es eine bereichernde Erfahrung jedes Mal auf's Neue zu sehen, welche Themen und neue Ansätze des Geschichten Erzählens die Nachwuchs Generation beschäftigt.

Wenn du an deinen bisherigen Weg als Filmemacher/in zurückdenkst, was hat dich da besonders vorangebracht? 

Auf meinem Weg haben mich viele Faktoren bestärkt: Meine Familie, die anfangs nicht so richtig etwas mit meinem Berufswunsch anfangen konnte, dennoch stets bestärkend an meiner Seite steht und mich mittlerweile sehr stark unterstützt. Meine Oma hofft noch immer mich irgendwann im Fernsehen zu sehen, obwohl ich ihr mehrmals erklärt habe, dass die Regie Arbeit, hinter der Kamera stattfindet. 

Bei meinem derzeitigem Studium an der HFBK ist Prof. Udo Engel ein unterstützender Akteur meiner Arbeit, er nimmt sich immer Zeit und hat ein offenes Ohr bei Problemen und Konfliktbewältigungen.

Die Teilnahme an div. Filmfestivals und Workshops, vor allem außerhalb Deutschlands, hat mir sehr viel Inspiration und Mut für meine eigene Arbeit gegeben: Geschichten zu erzählen, die noch zu wenig auf der deutschen Leinwand repräsentiert sind.

Uns interessiert, woran du im Bereich der Medien-/Filmförderung teilgenommen hast. 

Eins der prägendsten Erfahrungen war die Teilnahme am FAJR Talent Campus in Tehran,  da ich dabei umso mehr realisiert habe, wie verschieden die Infrastrukturen und die Mittel sind Filme zu produzieren. Ich traf dort auf verschiedenste Filmemacher*innen und durfte mich mit ihnen austauschen. Ich habe bis heute Kontakt zu vielen, was jedoch seit einigen Tagen nicht mehr möglich ist. Im Iran herrscht momentan eine Art Ausnahmezustand, es gibt vermehrt Proteste der Zivilbevölkerung als Reaktion auf drastisch angestiegene Preise, welche die Regierung mit gewalttätigem Reaktionen versucht leise zu machen. Diese Lage hat sich so zugespitzt, dass das Internet für die Bevölkerung gesperrt wurde, sodass die Medienberichterstattung blockiert wird.

Wie geht's bei dir weiter, planst du gerade weitere Filmprojekte, willst du dich weiter professionalisieren im Bereich Film?

Ich bin momentan in den Dreharbeiten meines HFBK Abschluss Musicalfilms 'Sesambällchen' (AT), welcher in Hamburg realisiert wird. 

Vielen dank für das Interview!