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Nachgefragt: Ellen Pflaum über die Hamburg Open Online University

Die Hamburg Open Online University (HOOU) ist eine gemeinsame Open Educational Resources Plattform der sechs staatlichen Hochschulen in Hamburg sowie dem Universitätklinikum Eppendorf und dem Multimedia Kontor Hamburg. Ziel ist, die klassische Präsenzlehre der Hamburger Hochschulen mit den Möglichkeiten digitaler Technologien zu erweitern und dieses Angebot einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Dabei soll das Lernen und Arbeiten in hochschulübergreifenden Teams ermöglicht werden, um neue Lösungswege oder Forschungsergebnisse zu finden. Wir haben mit Ellen Pflaum, Projektleitung der HOOU an der HAW Hamburg, gesprochen und sie gefragt, welche Rolle das Thema Medienbildung dabei spielt. 

Mediennetz Hamburg: Stellen Sie sich doch einmal kurz vor, wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin Ellen Pflaum, verantwortlich für das Team der HOOU an der HAW Hamburg. Gemeinsam mit Lehrenden, Studierenden und anderen Mitarbeitenden der HAW Hamburg konzipieren und produzieren wir Open Educational Resources für die HOOU. Dabei begleiten wir sie mit Beratung, Support und Workshopangeboten aus einer Hand in den Bereichen Mediendidaktik, Medienproduktion und Recht.

Was ist die Hamburg Open Online University?

Die Hamburg Open Online University basiert auf einer Idee des Ersten Bürgermeisters von Hamburg, Olaf Scholz. Seine Idee war 2014, mit der HOOU alle staatlichen Hamburger Hochschulen und das UKE an einen Tisch zu bringen, damit sie gemeinsam digitale Lernangebote, die für Alle offen sind, entwickeln. Unsere Vision von „offen“ heißt hier zum einen, dass jede und jeder teil*geben* kann und in einer lebendigen Community aus Zivilbevölkerung, Studierenden und Hochschullehrenden gemeinsam lernen kann. „Offen“ heißt aber auch, dass die Lernangebote und Materialien unter eine offene Lizenz gestellt werden, die die Weiterverbreitung, Veränderung, Anpassung, Erstellung von Kopien ausdrücklich erlaubt und somit in anderen Kontexten von anderen Lehrenden und Lernenden genutzt werden kann. Schlussendlich heißt „offen“ auch, dass wir Hamburger Hochschulen unsere Türen öffnen, um unsere Inhalte aus Lehren, Lernen und Forschen, zumindest in Teilen, auch für diejenigen zur Verfügung zu stellen, die gerade nicht bei uns als Studentin oder Student eingeschrieben sind.

An wen richtet sich die Plattform und wie kann man das Angebot nutzen?

Die Plattform richtet sich grundsätzlich an Alle. Das heißt nicht, dass jede bzw. jeder Interesse oder Spaß an allen Lerninhalten haben muss, sondern eher, dass eigentlich jede/r bei uns etwas finden kann. Die einzelnen OER-Projekte richten sich aber an klarer umrissene Zielgruppen: Unsere Online-Physiklabore sind beispielsweise besonders interessant für Studieninteressierte oder StudienanfängerInnen. Mit dem Onlinekurs zu regenerativen Energien sprechen wir schon eher Menschen an, die sich im Sinne des lebensbegleitenden Lernens weiterentwickeln wollen. Wir haben aber auch Projekte, in denen spezielle Berufsgruppen oder Altersgruppen, z.B. Kinder, angesprochen werden. Damit jede/r für sich selbst rausfinden kann, ob ein Lernangebot für sie oder ihn interessant ist, haben wir auf der HOOU-Plattform zu jedem Angebot kurze Abstracts zur Orientierung und Erleichterung der Auswahl bereitgestellt. In der aktuellen Phase können nur Beteiligte aus dem Gründungsnetzwerk der HOOU eigenen Content bereitstellen. Aber das wollen wir ändern und arbeiten daran, die HOOU auch in diesem Bereich zu öffnen.

Mit welchem Ziel wurde die HOOU eingerichtet?

Die HOOU dient quasi als Schaufenster der Hamburger Hochschulen und öffnet damit die Inhalte aus Lehren, Lernen und Forschen für die Zivilbevölkerung. Gleichzeitig haben wir aber auch die Chance, mit digitalen Medien, Technologien, Ideen zu experimentieren, was ja im Hochschulalltag manchmal nicht ganz so einfach ist.

Wie sieht es im Bereich der Medienbildung und Medienkompetenz aus – welche Angebote hält die HOOU zu diesen Themen bereit?

Wir haben in diesem Bereich einige ganz spannende Projekte fertiggestellt. Ein Beispiel ist das HAW-Projekt Medienkompetent mit digitalen Spielen von Vera Marie Rodewald, welches auf OER-vorbildliche Art Konzepte, Vorlagen, Abläufe zu Möglichkeiten, digitale Spiele in Medienbildungsangeboten einzusetzen, zur Verfügung und Weiternutzung stellt. Aber auch die anderen Hochschulen haben diverse Materialien und Angebote im Bereich Medienbildung und Medienkompetenz erstellt, z.B. Tutorials zu TypographieVideoproduktion und zu Digitalen Skripten an der Universität Hamburg oder Materialien zum Thema Medienbegriffe kurz erklärt von TU Hamburg und Screencasting — Shared Moments in the Digital Age von der HfbK.

Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle auch das von Jakob Kopczynski von der HAW Hamburg entwickelte Tutorial zur Nutzung des freien Autorentools H5P – dieses kann ich nur jedem empfehlen, der digitale Lernmedien auf eine schöne und einfache Art erstellen will.

Wie verändert sich Lernen und Lehren durch die HOOU?

Das Lehren und Lernen wird offener. Lehrende nutzen Inhalte und OER anderer Autorinnen und Autoren oder Lehrender und sparen dadurch vielleicht Zeit und Ressourcen, die sie wiederum in die Diskussion, den Austausch und die aktive Zusammenarbeit mit den Lernenden investieren können. Lernende wiederum haben freie Lerninhalte, die sie für sich nutzen, anpassen können, um daraus das für sie beste Lernmaterial zu erstellen, sie werden Co-Produzierende im Lehr-Lern-Prozess. 

Was wir auch an der HAW Hamburg merken, ist, dass sowohl bei Lehrenden als auch Studierenden eine Lust und Freude entsteht, sich mit neuen Sichtweisen auf Lernen auseinanderzusetzen, mit Medien und Tools zu experimentieren und sich selbst nicht mehr nur als passiv beteiligte Person im Lernprozess einzunehmen, sondern diesen selbst zu gestalten und zu steuern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der HOOU? 

Seit September 2017 ist die Plattform nun als Beta-Version online und dient quasi als Hub zu den (noch) dezentralen, digitalen Lernangeboten der Hochschulen. Für die Zukunft wünsche ich mir – und daran arbeiten wir – dass die Plattform unsere Vision von Kollaboration ermöglicht und alle unsere bestehenden und noch ganz viele neue Lerninhalte an einem zentralen Ort zum Lernen, Verändern, Diskutieren, Tauschen, Weiterverwenden … zur Verfügung stehen.

Vielen Dank für das Interview!