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Kind im Kino © KitaKinoWochen

Mit der Kitagruppe ins Kino: Interview mit Erzieherin Marjem Lübbers von der Kita Lernhafen

Vom 22. bis 26. Januar fanden zum ersten Mal die KitaKinoWochen in Hamburg statt. Über 2000 kleine und große Besucherinnen und Besucher besuchten die 23 Kinovorführungen. Das Mediennetz Hamburg hat mit der Erzieherin Marjem Lübbers gesprochen, die mit ihrer Kitagruppe im Kino war.

Mediennetz Hamburg: Stell dich doch mal kurz vor, wer bist du und was machst du?

Ich bin Marjem Lübbers, Erzieherin und stellvertretende Leitung in der Kita Lernhafen im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel. Mein pädagogischer Schwerpunkt ist die Medienkompetenz. Während und nach meinem Medienstudium in London habe ich ein interaktives Kurzfilmfestival für junge Filmemacher geleitet.

Die KitaKinoWoche gab es ja in diesem Jahr zum ersten Mal in Hamburg. Wie fanden die Kinder den Besuch?
Unsere Kita-Kinder waren von dem Kinobesuch im Rahmen der KitaKinoWoche ganz begeistert. Im Nachhinein konnten sie sich an alle Filme erinnern und haben ihren Eltern viel davon erzählt. Alle Kinder hatten bereits Erfahrung mit Filmen und die meisten waren sogar schon mal im Kino. Aber dass sich die Erwachsenen so viel mit den Kindern über die Filme auseinandergesetzt haben und die Filme besprochen wurden, war anscheinend vollkommen neu. Dies hat den Kindern sehr gut getan.

Wie habt ihr die Kinder auf den Kino-Besuch vor- und nachbereitet?
Wir haben die Kinder befragt, ob sie schon mal im Kino waren und sie haben uns von ihrer Kinoerfahrung erzählt. Dann haben wir gemeinsam Eckpunkte festgehalten, wie z. B. dass es dunkel wird, dass ein Vorhang aufgeht, dass wir fünf kurze Filme sehen werden usw., damit die Kinder ein Gefühl von Sicherheit erlangen. Wir haben auch über den Unterschied zwischen Kino und Fernseher geredet.

Hat sich durch den Kino-Besuch für die Kinder etwas verändert?
Ja, ich denke schon. Dadurch, dass das Programm medienpädagogisch begleitet wurde und wir viel Input für die Vor- und Nachbereitung in der Kita von den Organisatorinnen bekommen haben, hatten die Kinder die Möglichkeit ,sich ganz intensiv mit den Filmthemen auseinanderzusetzen. Die Themenbereiche waren sehr vielfältig und haben verschiedene Bildungsbereiche angesprochen, wie z. B. Natur, Umwelt ,Technik, Kommunikation, Sprache und Schriftkultur und Medien, Musik, Bildnerisches Gestalten, Soziale und kulturelle Umwelt. Durch die KitaKinoWoche konnten wir tolle Übergänge in die Bildungsbereiche schaffen, von denen wir bis jetzt profitieren!

Warum ist es auch für Kita-Kinder schon wichtig, zu so einer Art Filmvorführung zu gehen und was können die Kinder da erfahren, lernen und mitnehmen?
Es ist super wichtig für Kinder, einen guten Umgang mit dem Medium Film zu finden. Wir leben im digitalen Zeitalter und die Kinder kommen im städtischen Alltag ständig in Kontakt mit den digitalen Medien (Werbeanzeigen, Bildschirme, Smartphones usw.). Es wäre unauthentisch, zu probieren, die Kindern davon abzuschirmen. Viel lieber möchte ich sie darauf angemessen vorbereiten und sie kindgerecht an die digitalen Medien, insbesondere an das Medium Film heranführen. Filme können ganz viel Bildungsarbeit leisten, wenn sie pädagogisch eingebettet sind. Es ist so wichtig, dass Kinder Filme reflektieren und die Bildsprache erlernen, denn darauf beruht die Kompetenz, unterschwellige Botschaften zu erkennen und einer unbewussten Beeinflussung entgegenzuwirken. Um diese Kompetenz zu schulen, bedarf es mehr Bildungsangebote in dem Bereich Medien. Die KitaKinoWoche ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Stichwort Fortbildung: Habt ihr das Fortbildungsangebot wahrgenommen? Wie war es? Was habt ihr mitgenommen?
Die Fortbildung war höchst interessant. Mir ist positiv aufgefallen, dass die Referentinnen Expertinnen auf dem Gebiet sind und sich tiefsinnige Gedanken um das Programm gemacht und dies auch vermittelt haben. Da auch Kinder oft ganz tiefsinnige Fragen stellen, habe ich mich sehr gut auf den Kinobesuch mit der Kita vorbereitet gefühlt.

Was hat den Kindern und auch euch als Erzieher/innen besonders gut gefallen an der KitaKinoWoche?
Ich fand die medienpädagogische Begleitung rund um den Kinogang sehr gelungen. Die Fortbildung, sowie das Begleitmaterial hat mir und meinen KollegInnen viele erstklassige Anregungen gegeben für die medienpädagogische Arbeit in der Kita.

Könnt ihr euch vorstellen, auch in eurer Kita gemeinsam mit den Kindern Filme zu sehen und darüber zu sprechen?
Filme in der Kita zu zeigen, erachte ich als schwierig. In Deutschland ist das Thema negativ besetzt und die Eltern sind dem Medium gegenüber sehr skeptisch und erkennen es nicht als Bildungsmethode an. In anderen Ländern gibt es da andere Auffassungen und es ist nichts schlechtes daran, meiner Erfahrung nach. Da ist die Ausgangslage leichter. Längerfristig kann ich es mir aber schon vorstellen. Da müssen wir uns behutsam rantasten, indem wir beispielsweise hochwertige Angebote nutzen, wie die KitaKinoWoche (die nun hoffentlich jährlich stattfindet). Um Geschichten zu erzählen, machen wir momentan eher pädagogische Angebote wie Kamishibai, Geschichtensäckchen und Bilderkino. Durch die KitaKinoWoche ist mir noch einmal bewusst geworden, wie wertvoll die digitalen Medien sind und was für eine wunderbare Methode sie darstellen, um Geschichten zu erzählen. Daher drehen wir in der Kita demnächst einen eigenen Kurzfilm.

Vielen Dank für das Interview!