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Fields Filmstill © Joshua Borchardt

Nachwuchsfilmschaffende bei abgedreht: Joshua Borchardt

Vom 14. bis zum 15. Dezember 2017 findet das Nachwuchsfilmfestival abgedreht bereits zum 29. Mal in Hamburg statt. Junge Filmemacherinnen und -macher aus der Metropolregion Hamburg präsentieren Publikum und Jury ihre Nachwuchsproduktionen. Die besten Filme werden bei der Preisverleihung ausgezeichnet. Wir haben einige Filmschaffende zu ihren Filmen und ihrem Werdegang befragt. Joshua Borchardt ist mit seinem post-apokalyptischen Film "Fields" dabei.

Mediennetz Hamburg: Wer bist du und was machst du?
Hi! Ich bin Joshua, noch für ein paar Tage 19 Jahre alt und großer Fan von Musik, Bildern und spannenden Geschichten. Möchte man sich nicht entscheiden und einfach all diese Dinge gleichzeitig machen, landet man beim Film. Zumindest lief das bei mir so. Seit gut einem Jahr arbeite ich mit einer kleinen Gruppe talentierter Leute unter dem Namen "September Tales" an gemeinsamen Projekten. Nun haben wir das erste Mal mit einem unserer Filme an einem Festival teilgenommen.

Mit welchem Film bist du beim abgedreht dabei und worum gehts?
Die Welt in einer post-apokalyptischen Zukunft. Die wenigen Überlebenden sind auf der ständigen Suche nach Nahrung und Wasser. In "Fields" begleiten wir einen von Ihnen, der es sich zum Ziel gesetzt hat, einem geheimnisvollen Symbol zu folgen, das ihm immer wieder über den Weg läuft und in ihm die Hoffnung auf einen Hauch von Zivilisation weckt. Doch nicht alle Überlebenden der Katastrophe suchen nach Gemeinschaft, und so gerät er immer wieder in Situationen, die seine Suche noch gefährlicher machen und seinen Glauben an eine Zukunft erschüttern. Ob er am Ende das Geheimnis des Symbols entdeckt und andere Gleichgesinnte findet, oder ihn seine Reise letztendlich gar das Leben kostet..?

Erzähl uns etwas über den Hintergrund des Films
Vor ziemlich genau einem Jahr sprachen wir in der Gruppe darüber, was für Projekte wir gerne in 2017 realisieren würden. Neben vielen individuellen Ideen waren wir uns jedoch einig: Unser erster Kurzspielfilm sollte ein Endzeitfilm werden. Im Frühjahr stand das erste Drehbuch, kurz danach fanden wir schon eine passende Location. Was darauf folgte, waren unzählige Nächte voller Drehplänen, Shotlists und Rewrites des Skripts. Alles musste bestens durchgeplant sein, um einen nahtlosen Ablauf am Set zu garantieren. Während wir nämlich mehrere Monate an der Vorproduktion saßen, fand der eigentliche Dreh an nur 2 vergleichsweise kurzen Tagen statt.
 
Ein merkbarer Unterschied lag hierbei an der Besetzung der Crew. Wo vorher eine Person gleichzeitig Regie führte, für die Klappe zuständig war und währenddessen noch irgendwie versuchte, eine Tonangel auf den Schultern zu balancieren, gab es nun für jede Rolle ein zugeteiltes Crew-Mitglied. Für mich in der Regie eine große und auch notwendige Entlastung, um für alles einen direkten Ansprechpartner zu haben und viel Zeit zu sparen.

Außerdem konnte ich mich so auf den wesentlichen Fokus der Regie konzentrieren: die Darsteller. Nachdem wir mit zwei von ihnen bereits einen Kurzfilm als Uni-Projekt gedreht hatten, war auch das Arbeiten an einer größeren Produktion weitaus einfacher und entspannter.

Wie wichtig ist es für dich, deinen Film beim abgedreht vor Publikum vorzustellen?
Wenn sich eine Gruppe junger Leute zusammentut und einen Film produziert, bleibt das Endergebnis viel zu oft nur auf der eigenen Festplatte. In der Zeit von YouTube und Co. ist es natürlich generell jedem möglich, seine Werke zu veröffentlichen, doch ohne eine gewisse Reichweite bleiben auch dort die meisten Filme ungesehen. Für genau diese Leute, zu denen ich mich ebenfalls zähle, halten Filmfestivals wie das abgedreht die Fahne hoch.

Besonders wichtig finde ich, dass junge Filmemacher live miterleben, wie ein Saal voller Menschen auf den eigenen Film reagiert. Fühlen sie mit, wenn der Hauptcharakter einen geliebten Menschen verliert? Langweilen sie sich, wenn sich der Film mal streckt? Haben sie Angst, wenn der kleine Junge nachts den dunklen Keller erforscht? All das sind Eindrücke, die dir kein YouTube-Viewer geben kann. Und wenn solche Dinge dann funktionieren, ist das obendrein auch noch ein richtig gutes Gefühl.

Wenn du an deinen bisherigen Weg als Filmemacher zurückdenkst, was hat dich da besonders vorangebracht? 
Ich hatte die Chance, an einer Filmhochschule Digitale Filmproduktion zu studieren. Dadurch konnte ich mich ausschließlich auf die Filmproduktion konzentrieren und nebenbei alles zum gängigen Equipment lernen, von Amateurkameras bis hin zu Profi-Werkzeugen. Das sind alles angenehme Umstände, doch fernab einer Notwendigkeit, um in das Filmgeschäft einzusteigen. Das gesamte Wissen ist da draußen. Vorlesungsstoff kann sich genau so eigenständig aus dem Internet angelesen werden, und der Rest ist Praxis. Hat man erstmal eine Kamera in der Hand, Schauspieler vor der Nase oder ein eigenes Skript geschrieben, erschließt sich ein Großteil der Theorie. Und wenn mal etwas schief läuft, merkst du immerhin selbst, was du falsch gemacht hast. Allein aus dem Dreh zu "Fields" habe ich so viel gelernt, was ich beim nächsten Projekt besser machen will. Und ich freue mich jetzt schon auf die Fehler, die ich bei dem darauf ausbessern kann.

Was hättest du dir als Unterstützung auf deinem Weg als Filmemacher noch gewünscht?
Ich habe lange überlegt, doch kann mich eigentlich an keiner Stelle beklagen. Ich habe Film als eine Branche kennengelernt, die sehr auf Eigeninitiative aufbaut. Und das nicht nur auf die Veröffentlichung des Endprodukts bezogen, sondern eben auch auf die Machart. Alle unsere bisherigen Produktionen hatten kein Budget und basierten somit zum Großteil auf Gefallen. Ob das nun Darsteller sind, die sich für eine Rolle interessieren, technikinteressierte Freunde, die gern mal an einem Set dabei wären, oder Landgutbesitzer die einfach so ihren Grund und Boden zur Verfügung stellen, um die Jugend in ihrem Tun zu unterstützen. Von all diesen Leuten gibt es viel mehr, als man denken mag. Und man findet sie, indem man einfach mal fragt und sich vom Ergebnis überraschen lässt.

Wie geht's bei dir weiter, planst du gerade weitere Filmprojekte, willst du dich im Film-Bereich weiter professionalisieren?
Im Frühjahr 2018 veröffentlichen wir gleich eine Reihe an neuen Kurzspielfilmen, die im Gegensatz zu einem Adventure-Trip wie "Fields" etwas geerdeter, aber auch anspruchsvoller sind. Einer davon stammt aus meiner Feder und wird auch wieder von mir inszeniert. Viel mehr möchte ich aber noch gar nicht verraten. Wer uns bis dahin folgen oder ein Mal einen Blick auf unsere kleineren Projekte vor "Fields" werfen möchte, findet alles Wichtige auf www.septembertales.com.

Wir bedanken uns für das Interview!

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