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Hamburger beim internationalen Film Festival up and coming: Olga Kosanović

Vom 23. bis 26. November 2017 findet das 14. Internationale Film Festival Hannover statt. Insgesamt werden 167 Filme aus 38 Ländern gezeigt. Mit dabei sind auch Filmschaffende aus Hamburg. Das Mediennetz Hamburg hat mit einigen von ihnen gesprochen - über das Filmemachen, Filmfestivals und ihren Weg.

Stell dich doch mal kurz vor, wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Olga Kosanović, ich bin angehende Regisseurin und Kamerafrau. Derzeit studiere ich im dritten Jahr Film an der HFBK in Hamburg. Ursprünglich komme ich aus Wien. Zusammen mit zwei großartigen Kommilitonen bin ich Teil eines Kollektivs (Einsdreiviertelfilms), das im Austausch versucht, gemeinsam eigene Filme zu realisieren. 

Mit welchem Film bist du beim up and coming dabei und worum gehts?

Bei up and coming wird mein Kurzfilm „Unterkühlung“ gezeigt – ich würde sagen, es geht primär um die Unzulänglichkeiten menschlicher Kommunikation, um Wiener Nachbarn unter sich, um meinen Vater… Es geht aber auch um einen Kühlschrank. 

Erzähl uns doch etwas über den Hintergrund des Films.

Tatsächlich habe ich die Arbeit meinem Vater gewidmet, weil es nicht nur ein visuelles Portrait über ihn ist, sondern auch weil die Geschichte an eine tatsächliche Erzählung von ihm angelehnt ist. Der ganze Wirbel um den Kühlschrank ist mehr oder weniger genauso auch wirklich passiert. Und weil ich irgendwie eine Leidenschaft für so Absurditäten im Alltag entwickelt habe und Menschen unter sich oft total faszinierend finde, habe ich versucht, die Geschehnisse in eine kurze filmische Form zu übersetzen.

Am wichtigsten waren mir dabei die Bilder - das visuelle Konzept war ziemlich schnell sehr klar und festgelegt. Das war für den Arbeitsprozess außerdem unabdingbar, weil wir vom Material her sehr limitiert waren – jeder Student der Grundklasse hatte genau eine Rolle 16mm Schwarz-Weiß-Film zur Verfügung, um damit einen Film zu drehen, der keinen On-Dialog hat, keine nachträglich eingespielte Musik verwendet und keine Kamerafahrten zeigt. Bisschen wie Dogma! Mir hat dieses Regelwerk total geholfen, mich auf eine Art freier zu fühlen, obwohl am Set dann klar sein musste: Es darf kein einziger Take wiederholt werden. Im Endeffekt haben wir aus einer ca. 12-minütigen Rohfilmrolle einen 10-minütigen Film gedreht. Die Ruhe, Konzentration und Disziplin am Set hat mich wirklich total berührt. 

Wie wichtig ist es für dich, deinen Film beim up and coming vor Publikum vorzustellen?

Ich war bisher noch nie beim up and coming dabei, bin deshalb natürlich schon sehr gespannt und freue mich, dass ich einen meiner Film zeigen darf. Generell finde ich Filmfestivals als Plattform für Austausch und Präsentation total wichtig – einerseits kann man sich ein Bild davon machen, was sich in der Welt der Kurzfilme, die ja sonst nicht so viel Auswertung finden, abspielt und andererseits ist es natürlich total wichtig und schön, dass eigene Projekte einen Rahmen bekommen, in dem sie vor interessiertem Publikum auf der Leinwand gezeigt werden. Was gibt es Schöneres :)

Wenn du an deinen bisherigen Weg als Filmemacherin zurückdenkst, was hat dich da besonders vorangebracht?

Natürlich war meine Ausbildung an der Graphischen in Wien, wo ich schon Filme machen durfte, und danach die Schule für unabhängigen Film Friedl Kubelka nicht unwichtig, aber eigentlich glaube ich, dass man am meisten direkt am Set lernt. Und dabei ist es auch erst mal egal, in welcher Position. Und je länger ich mich mit Analogfilm beschäftige, desto klarer wird für mich: die Auseinandersetzung mit analogem Filmmaterial ist die beste Filmschule. Ich finde es deshalb total wichtig, dass Filmstudenten mit analogem Material in Berührung kommen, weil es die Sinne schärft und das Verständnis für das Medium an sich schafft; leider wird das ja an Filmschulen und allgemein immer weniger praktiziert.

Wie geht's bei dir weiter, planst du gerade weitere Filmprojekte, was wünschst du dir für die berufliche Zukunft?

Im Moment studiere ich an der FAMU in Prag als Erasmus-Studentin und versuche meinen Hochschul-Horizont zu erweitern. Nebenbei gibt es natürlich immer wieder Ideen, die es ins Notizbuch schaffen und manche werden dann auch konkretisiert, besprochen und hoffentlich auch bald mal umgesetzt. Was ich mich für die Zeit nach meinem Abschluss wünschen würde ist, dass ich weiterhin Filme mit einem fantastischen Team drehen kann, dir mir persönlich wichtig sind und gleichzeitig Zeit und Ressourcen haben werde um mich darauf zu konzentrieren. 

Vielen Dank für das Interview!

Mehr Infos: http://www.olgakosanovic.com/de/