Magazin / Reportagen 
Kinderjury Mo&Friese

Nachwuchs im Fokus: Lina Paulsen

Nachwuchsförderung im Kontext von Medienpädagogik und Berufsorientierung

In unserer Reihe "Nachwuchs im Fokus" geht es um Nachwuchsförderung im medienpädagogischen Kontext. Welche Angebote gibt es, welche Plattformen helfen dem Nachwuchs, eigene Medienprodukte herzustellen und anderen zu präsentieren? Und welche Unterstützung wünschen sich die jungen Medienschaffenden auf ihrem Weg zur Professionalisierung? 

In diesem Teil der Serie haben wir mit Lina Paulsen gesprochen. Sie ist Film- und Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin für das Internationale KurzFilmFestival Hamburg und die Hamburger Dokumentarfilmwoche. Darüber hinaus leitet sie die KurzFilmSchule Hamburg und das KinderKurzFilmFestival Mo&Friese.

Mediennetz Hamburg: Wie engagiert sich dein Projekt für Nachwuchsförderung und welche Angebote gibt es in diesem Bereich konkret?

Das Mo&Friese KinderKurzFilmFestival bietet unterschiedliche Möglichkeiten der Partizipation für Kinder und Jugendliche. Zum einen bieten wir jedes Jahr unterschiedliche Workshop an, die sich vor allem an Schulklasssen richten. (Wir hatten aber auch schon Animationsworkshops am Wochenende.) Im letzten Jahr haben wir zum ersten Mal einen Workshop gemacht, in dem eine IV-Klasse gemeinsam mit einer Regelklasse mehrere Filme gedreht hat. Die Filme sind dann jeweils am zweiten Festivalsonntag auch im Zeise 1 auf der großen Leinwand zu sehen, was den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bietet, ein Publikum zu finden und ihre Filme auf der Bühne zu präsentieren.

Seit 10 Jahren gibt es zudem den Gib-Mir-Fünf- Wettbewerb. Hier können Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre Filme mit einer Laufzeit bis zu 5 Minuten zu einem festgelegten Thema einreichen. Das Thema für 2018 ist übrigens FANTASIA und der Einreichschluss ist der 15. März 2018.

Nicht zuletzt haben wir natürlich unsere Kinder- und Jugendjurys, die in teilweise aufreibenden, vor allem aber aufregenden Diskussionen am Ende des Festivals entscheiden, welche Filme den Mo- und Friese-Preis und den Freischwimmer mit nach Hause nehmen können.

Mediennetz Hamburg: Was ist das Ziel eures Angebots?

Das Ziel des Festivals ist es, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Filmen und Filmpraxen zu ermöglichen, den sie im Alltag nicht haben. Das heißt für die Filmprogrammierung nicht nur Spiel- und Animationsfilme, sondern auch Dokumentar- und Experimentalfilme zu zeigen.

In den Workshops versuchen wir, den Kindern viel Freiraum zu lassen und die Resultate am Ende nicht noch einmal von Erwachsenen überarbeiten zu lassen, um sie zu glätten. So sehen die Kinder wirklich das, was sie selbst gemacht haben und können darauf stolz sein.

Der Gib-Mir-Fünf-Wettbewerb hast das Ziel, erst einmal eine Kreativaufgabe zu sein. Durch die Eingrenzung von Spielzeit und Thema wird ein Rahmen gesteckt, der es manchmal einfacher macht, auf Ideen zu kommen und diese umzusetzen. Die Vorführung im Rahmen des Festivals dient auch als Treffpunkt und Ort der Vernetzung für junge Filmemacherinnen und -macher. Hier sind meistens alle Regisseurinnen und Regisseure anwesend und sie trauen sich, auch gegenseitig Fragen zu stellen. In den letzten Jahren hat der Austausch zwischen den Filmeschaffenden deutlich zugenommen, was sehr schön zu beobachten ist.

Mediennetz Hamburg: Wie wichtig ist euer Angebot für die Nachwuchsförderung von Heranwachsenden?

Ich bin von der Wichtigkeit unseres Angebotes natürlich überzeugt. Ich denke, dass Kinder und Jugendliche, die heute aufwachsen, schon sehr früh von Bewegtmedien umgeben sind. Da Medienkonsum kein passiver Vorgang und  Medienkompetenz leider nicht angeboren ist, halte ich medienpädagogische Angebote für enorm wertvoll, nicht nur in Bezug auf die Förderung des Nachwuchses, sondern für die generelle Medien- und Weltwahrnehmung.

Ich persönlich denke, dass diese Arbeit nicht immer von Pädagogen durchgeführt werden muss, sondern das gerade für die praktische Filmarbeit professionelle Filmschaffende Kompetenzen bieten können, die den Kindern einen andere Einblicke in die Kunst- und Medienwelt bieten können.

In Bezug auf den Filmnachwuchs finde ich es wichtig, Kinder und Jugendliche auch schon früh mit Filmen jenseits des Mainstreams zu konfrontieren, um ihnen zu zeigen, wie mannigfaltig die Welt der bewegten Bilder ist und ihnen die Möglichkeit zu bieten, einen eignen Geschmack zu bilden.

Mediennetz Hamburg: Was nehmen die jungen medieninteressierten Teilnehmenden mit? Welche Kompetenzen werden gestärkt?

Ich hoffe, dass die Kinder aus unserem Festival eine Begeisterung für Film mitnehmen. In den Workshops und auch in der Juryarbeit wird neben den praktischen Fähigkeiten vor allem die soziale Kompetenz gefördert. Film ist in der Regel immer Teamwork und Entscheidungsfindungsprozesse erfordern immer Diskussion und potenziell Kompromissbereitschaft...

Mediennetz Hamburg: Gibt es Teilnehmende, die sich aufgrund ihrer Teilnahme am Projekt in diesem Bereich professionalisieren wollen?

Ich weiß auf jeden Fall von vier verschiedenen Teilnehmern des Gib-Mir-Fünf-wettbewerbes, die nach ihrem Erfolg auf dem Festival auch weiter Filme machen und sich nach der Schule professionell in diese Richtung orientieren wollen.

Mediennetz Hamburg: Vielen Dank für das Interview, Lina!