Magazin / Reportagen 
Filmschule Hamburg Berlin - Seminar Regieassistenz

Regieassistenz II – Arbeit am Set

Kommunikation ist alles

Regieassistenten haben es nicht leicht: erstmal ist man „ein steuerndes Element“, aber auch „ein Kommunikator am Set“ und wer dabei kein Teamplayer ist, „sollte von Anfang an die Finger vom Filmdreh lassen.“ Dies sind wohl die wichtigsten Schlagworte und Ratschläge, die Monika Schopp den Kursteilnehmern im Laufe der zwei Tage mitzuteilen hat.

Vor dem Hamburger Filmhaus tobt die Altonale: so dicht gedrängt wie die Stände selbst wälzen sich auch die Menschenmassen durch die Friedensallee und nicht nur die Musik von der Showbühne dringt bis in den Seminarraum im zweiten Stock. Dort haben sich zehn Teilnehmer eingefunden, um nach dem ersten Teil des Kurses, der speziell die Vorbereitungen auf den Dreh behandelte, nun die konkreten Aufgaben eines Regieassistenten am Drehort zu erörtern.
Sowohl das theoretische Vorwissen als auch der konkrete Erfahrungsschatz könnte unterschiedlicher nicht sein: manche Teilnehmer kommen frisch von der Filmschule, andere sind Quereinsteiger und kommen beispielsweise aus dem Bereich des Dokumentarfilms oder aus dem Musik- und Sound-Design. Gemeinsam ist ihnen aber, dass alle sehr konzentriert bei der Sache sind, was sicherlich zum Eindruck des verschulten Arbeitsklimas beiträgt. Ähnlich wie in einer Schulklasse ist nämlich auch die Rollenverteilung innerhalb der Gruppe: da gibt es den strebsamen Musterschüler Volker, der als einziger die Hausaufgabe gemacht hat. Neben ihm sitzen die unpünktlichen Nachzügler Pascal und Christian, die aus Dortmund angereist sind und des öfteren miteinander tuscheln. Sylvester übernimmt die Rolle des begabten, aber leicht abzulenkenden Talents, was schonmal im Unterricht einnickt, während Claire und Viry den Part der zurückhaltenden, sich artig meldenden und konzentriert mitschreibenden Musterschülerinnen meistern.

Frau Schopp ist zwar eine autoritäre, aber dennoch umgängliche „Klassenleiterin“, die weiß, wie man den Frontalunterricht geschickt aufbricht und den Erfahrungsaustausch innerhalb der Gruppe anregt. Die Pädagogin ist bereits seit 20 Jahren als Regieassistentin gefragt, sucht aber stets die Abwechslung. So war sie in München und Berlin im akademischen Bereich tätig, baute dann ein Frauenzentrum auf, um schließlich wieder zurück in die Filmbranche zu wechseln. Sie will in diesem Seminar Kontexte aufzeigen sowie Kernkompetenzen eines Regieassistenten vermitteln. Das Arbeitsumfeld soll möglichst genau definiert werden, um es gegen verwandte Berufsbilder wie etwa der Aufnahmeleitung abgrenzen zu können.

Schnell wird auch dem Laien klar, dass Regieassistenz eher die Organisation und also den reibungslosen Ablauf des Drehs zur Aufgabe hat und weniger im kreativen Sektor anzusiedeln ist. Vielmehr schaffen die Assistenten optimale Bedingungen für die Kreativabteilung (Regie und Kamera). Sie sind zuständig für effektives und effizientes Arbeiten, was durchaus auch bedeuten kann sich mit Kleinigkeiten und lästigen Details herumzuärgern. „Wenn der Hauptdarsteller statt im Hotel bei seiner neuen Freundin übernachtet, muss das der Regieassistent wissen, um ihm trotzdem jeden Tag seine Dispo zukommen zu lassen.“ Deshalb beschreibt Frau Schopp einen guten Assistenten nicht vorwiegend anhand seiner fachlichen Kompetenzen, denn vor allem die „soft skills“ seien von enormer Wichtigkeit. Tatsächlich scheint den meisten Regisseuren bei ihren Assistenten Bescheidenheit und Demut wichtiger als Berufserfahrung zu sein, wenn man den Befragungsergebnissen Glauben schenkt, die nach der Mittagspause verteilt werden.

Daran anschließend werden unterschiedliche Erwartungen an Regieassistenten besprochen, genauso wie man komplexe Szenen am besten in einzelne Blöcke auflöst und dann beispielsweise alle Stunts oder alle Dialoge auf einmal dreht. Weitere Themen sind die Komparseninszenierung, grundlegende Regeln am Set und daraus resultierende gute und schlechte Gruppendynamiken sowie Script Continuity. Es wird aber auch versucht über den Tellerrand deutscher Film- und Fernsehproduktionen herauszusehen und die hiesigen Arbeitsbedingungen mit jenen im Ausland zu vergleichen. Dort geht es anscheinend lange nicht so stressig und sklaventreiberisch zu wie hierzulande. Das unterstreicht und veranschaulicht Frau Schopp durch eine ihrer vielen unterhaltsamen Anekdoten, was die Teilnehmer letztlich dazu bringt, sich auch ausführlich über ihre Erfahrungen an unterschiedlichen Filmsets auszutauschen. Der Erfahrungsschatz reicht von Musikvideos über Indien-Dokumentationen bis hin zu Fernsehkrimis. In diesen und anderen Film-Genres können sich die Regieassistenten nun sicherer bewegen.

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