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Kurs Makrofotografie in Planten un Blomen

Makrofotografie in Planten un Blomen

Den Blüten ganz nah

„Dann hoffen wir mal alle, dass das Wetter hält und es nicht gleich anfängt zu regnen“, sagt der Kursleiter Herr Vollrath als sich die Teilnehmer vollzählig am Dammtor-Bahnhof eingefunden haben. Die sind aber durchweg froher Dinge und bestens ausgerüstet: prall gefüllte Fotorucksäcke kombiniert mit Hüft- oder Umhängetaschen – oder aber gleich komplette Rollkoffer. Die Liste der benötigten Ausrüstung, die am Vorabend bekannt gegeben wurde, ist dementsprechend lang. Neben der Kamera, Objektiven und Pol-Filtern hat jeder Teilnehmer ein eigenes Stativ, eine Sprühflasche für den Regentropfen-Effekt, verschiedenfarbige Pappen zum Abdunkeln des Hintergrundes oder Aufhellen der Schatten und je nach dem noch diverses weiteres Foto-Equipment mitgebracht.

Der erste Eindruck, dass die Gruppe bereits ein eingespieltes Team ist, trügt nicht, denn es stellt sich heraus, dass sich nahezu alle bereits von anderen Foto-Kursen kennen. Nur für zwei Hobby-Fotografen ist das der erste Kursus bei dem sympathischen und fachkundigen Ron Vollrath. Der hat sich – so scheint es – unter den passionierteren Hamburger Hobby-Fotografen eine treue „Fan-Gemeinde“ aufgebaut. „Das ist jetzt schon mein vierter Kurs bei ihm,“ kann Reinhart bestätigen. Er ist der Einzige, der noch analog fotografiert und bereits den Hafen und die Speicherstadt im Rahmen eines Volkshochschul-Angebots ablichtete. Entsprechend locker ist der Umgang in der Gruppe: es werden Tipps ausgetauscht und Scherze gemacht. Gleich beim ersten Stopp am Seerosenteich kommt die Frage auf, welche Fototasche denn schwimmen könne, bevor am nahen Wasserfall ausgiebig mit langen Belichtungszeiten experimentiert wird.

Weiter geht der Planten un Blomen-Rundgang, vorbei an einer Hochzeitsgesellschaft, in Richtung Rosengarten. Dort verteilen sich die Fotografen schnell, auf der Suche nach besonders attraktiven Blütenmotiven. Bis auf wenige Zentimeter rücken die Linsen an Blumensorten wie die Rigo-Rosen heran, konzentriert wird im Sucher der ideale Bildausschnitt gewählt und schließlich dutzende Male abgedrückt. Ein kleiner Regenschauer zwingt dann doch zu einer kurzen Pause, in der die recht unterschiedlichen Erwartungen an den Kurs geäußert werden. Während für Jürgen etwa, angesichts seines beträchtlichen Vorwissens, vor allem der Vergleich zu anderen Fotografen und ihren Bildern im Vordergrund steht, muss sich Hartwig noch mit der technischen Seite seiner neuen Digitalkamera auseinandersetzen und Nicole wiederum mag es schlicht und ergreifend Blüten abzulichten. Ein erstes Zwischenfazit wird dann bei Eis und Cola gezogen, während im Hintergrund ein türkisches Orchester mit sicherlich 20 elektrischen Balalaikas spielt.

Frisch gestärkt geht es weiter in den Apothekergarten, der durch seinen verwinkelten Aufbau recht windstill ist und somit besonders unbewegliche Blüten beheimatet. Ideal für die Makrofotografen, die ihre Stative rasch in den thematisch gegliederten Gartenabteilungen in Position bringen. Der Lavendel vor Jürgens Canon ist gut für die Nerven und der Fingerhut, dem sich Sabine gerade widmet, hilft anscheinend bei Herz- und Kreislauf-Erkrankungen. Zum Schluss sind alle Teilnehmer zwar etwas geschafft, aber bei der Nachbereitung eine Woche später auch entsprechend zufrieden mit den Ergebnissen des Ausflugs. Besonders die großzügige Zeiteinteilung wird positiv hervorgehoben. „Wenn ich sonst mit jemandem spazieren gehe, kann ich mir nie so viel Zeit zum Fotografieren nehmen. Da heißt es dann immer: „Wo bleibst du denn?“ und „Jetzt komm endlich!“ Und unter Zeitdruck ist es nun mal schwierig, gute Fotos zu machen“, sagt Sabine und spricht damit den meisten aus der Seele. Jeder hat beeindruckend scharfe Bilder gemacht, die sich lediglich in der Qualität der Entwicklung unterscheiden. „Bei Budni kriegt man einfach nicht die echten Farben und Kontraste, weil da alle Bilder automatisch nachbearbeitet werden“, sagt der Kursleiter und weist auf einige Online-Fotolabors hin. Als einzigen kleinen Kritikpunkt am Kurs merkt Reinhart an, dass Herr Vollrath einige Tipps und handwerkliche Kniffe, die er nachträglich anhand der fertigen Bilder erklärt, bereits am Fototermin hätte geben können. Trotzdem wird sich umgehend nach dem nächsten Kurs erkundigt. Die „Foto-Fan-Gemeinde“ scheint gewachsen zu sein.

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