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Kinder mit Paperart von Pacman PLAY14 © Bente Stachowske

Auf zum nächsten Level

Das PLAY14-Festival für kreatives Computerspielen ging in die sechste Runde. Dieses Mal: noch größer, noch kreativer, aber mit genauso viel Spaß.

Die Füße glühen leicht nach und die Finger sind noch rau vom Gamepad. Bei diesen Symptomen handelt es sich um die Nachwirkungen der PLAY14. Vom 16. bis zum 20. September 2014 öffnete diese wieder ihre Tore und lud zum Ausprobieren, Erkunden, Lernen und Austauschen ein. Dabei stand natürlich der kreative Umgang mit Computerspielen im Vordergrund. Unglaubliche zwölf Spielorte gab es zu erkunden und so strömten die Gamesinteressierten gen Hamburg.

Neben den gewohnten Bereichen Sehen, Machen, Reden und Feiern wurde die PLAY-Conference ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) fand an zwei Tagen eine besondere Tagung in der Justizvollzugsschule statt. Neben Vorträgen von internationalen Gästen rund um das Thema „Gesellschaft und Computerspiele“ gab es zahlreiche Workshops für Interessierte. So machte beispielsweise Prof. Andrew Burn gleich am Eröffnungstag deutlich, dass nicht mehr zwischen Online und Offline unterschieden werden sollte. Vielmehr können Videospiele dazu genutzt werden, den Unterricht anschaulicher zu gestalten. Wie das geht, erfuhren Pädagoginnen und Pädagogen in zahlreichen Workshops.

Was Andrew Burn theoretisch festhielt, wurde im Alsterdamm schon praktisch umgesetzt. Neben Spielen zum Mitmachen und Ausprobieren, gab es auch eine Ausstellung, die gekonnt Kunst und Computerspiele miteinander verband. Ob nun aufwendige „Left 4 Dead“-Gemälde, Schädel, die mit einer knallbunten Super-Mario-Landschaft modelliert wurden, oder ein Film über die Geschichte der Machinima: Schnell wurde klar, dass Computerspiele ein starkes kreatives Potential haben. Bei „Escape the Room“, einem Spiel von Gamestorm Berlin e.V., wurden die Teilnehmenden selbst zu Spielfiguren und mussten durch geschicktes Lösen von Rätseln dem Inneren eines Überseecontainers entkommen.

Auch der Bereich MACHEN auf der PLAY14 lud zur aktiven Teilnahme ein. In den Räumen von Bigpoint entwickelten Schülerinnen und Schüler verschiedener Altersgruppen nicht nur eigene Spielfiguren aus Pappe, deren Wirkung sie dann in der reellen Welt beobachteten, sondern auch eigene Controller. Dabei setzte der „Bongo-Workshop“ den Jugendlichen keine kreativen Grenzen. Mit Bananen, Knete und Pappe entstanden funktionierende Kunstwerke, die so manche professionellen Hersteller überraschen würden.

Überrascht wurde auch Computerspielkünstlerin Isabelle Arvers von den Teilnehmenden ihres Workshops. Diese stellten mit Hilfe des Spieles GTA IV beeindruckende eigene Machinimas, also Filme, die mit Hilfe von In-Game-Kameras gedreht wurden, her. Und auch die Let’s Player haben in ihrem Workshop von morgens bis abends gedreht. Die Teilnehmenden konnten ihr Spielverhalten selbst aufzeichnen und kommentieren. Auf diese Weise bekamen sie einen Einblick, wie ihre Vorbilder auf YouTube arbeiten und können diesen nun nacheifern. In anderen Workshops des Bereiches MACHEN standen außerdem das Designen eines eigenen Spielecharakters oder die Übertragung des Spieleklassikers Snake vom Bildschirm auf die Straße auf dem Programm.

Im Rahmen des PLAY14- Festivals reflektierten jedoch nicht nur Jugendliche über die Potentiale des Computerspiels. In der Kategorie REDEN wurden alle Altersgruppen einbezogen, um über die neuesten Tendenzen, Probleme und Möglichkeiten rund um Computerspiele zu diskutieren. Zentraler Anlaufpunkt dafür waren die Talk-Runden mit Ehrengästen aus der Games-Branche. Neben Journalisten, Entwicklern, Bloggern und Pädagogen, brachte sich auch das Publikum aktiv in die Diskussion mit ein. Und auch nach dem offiziellen Ende des Talks wurden noch viele Gedanken ausgetauscht und Kontakte geknüpft. Der Diskussionsbedarf ist groß, wenn es um Games geht.

Auch der Bereich FEIERN des Computerspiel-Festivals hatte einiges zu bieten. Mit dem interaktiven Theaterstück „Yet Another World“ wurde das Computerspiel selbst zur Theaterbühne. Die Besucherinnen und Besucher nutzten die Game Pads um gemeinsam mit den Workshopleitern im Multiplayer-Modus von GTA IV ein Shakespeare Stück nachzuspielen. Poetisch wurde es auch beim Poetry Slam. Gedichte über Games und die Gender-Debatte wurden dort sprichwörtlich ins Publikum gereimt. Beim Live Let’s Play zeigte Wolf Speer, dass Let’s Plays durchaus interaktiv und abendfüllend sein können. Im Kellertheater fieberte das Publikum mit, als er bei „Cooking Mama“ den Wii-Controller schwing und sein Kollege Gunnar Krupp nebenbei das Gericht in Echtzeit nachkochte. Mit der Party in der SternChance nahm die PLAY14 ihr wohlverdientes Ende. Ein Highlight der Abschlussveranstaltung war die Vorstellung des Endergebnisses aus dem Game-Lab: Ein Team aus Studierenden erstellte einen interaktiven Film, bei dem der Spielende Soundeffekte selbst beisteuern kann.

Die PLAY wird von Jahr zu Jahr größer und kreativer. Nach dieser erfolgreichen Woche, kann gespannt auf die PLAY15 geblickt werden. Bis dahin versüßen die Bildergalerie auf Flickr und die Videos auf dem Youtube-Channel die lange Wartezeit.

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