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GMK-Sitzung | HAW | 2014

Medienbildung in Hamburg – Die Diskussion Teil 2

Hamburg, 28. März 2014. Die Landesgruppe Hamburg der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur und das Mediennetz Hamburg e.V. luden zur Fortsetzung des Dialogs zwischen Politik und Akteuren der Hamburger Medienbildung

Bei der Veranstaltung in der HAW auf dem Mediencampus-Finkenau wurde mit Dr. Stefanie von Berg (bildungspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion), Lars Holster (bildungspolitischer Sprecher der SPD) und Hansjörg Schmidt (medienpolitischer Sprecher der Hamburger SPD) zum Thema Medienbildung in Hamburg diskutiert. Grundlegend für das Gespräch war die Sachverständigenanhörung zum Rahmenkonzept Medienkompetenzförderung am 11. Februar 2014. Hier hatten die befragten Expert/innen die wichtigsten Ziele und Herausforderungen für die Stadt Hamburg in Bezug auf die Medienkompetenzförderung aufgeführt und Schwerpunkte für die zukünftige Bildungsarbeit aufgezeigt. Nun konnten sich die Politikerin und die Politiker über Meinungen und Projekte der Akteure und Institutionen der Medienbildung und Medienpädagogik in der Stadt informieren.

Finanzierung sichern und Koordinierungsstellen schaffen

Bei der Vorstellungsrunde gab es zunächst einen Einblick in die Arbeit der zahlreichen anwesenden Institutionen und Personen: von der Motte e.V. bis zu TIDE, von der HAW bis zur Landesstelle für Suchtfragen. Auch selbständige, im außer- oder innerschulischen Bereich aktive Medienpädagogen/innen waren dabei. Dabei rückte das Thema der Finanzierung schnell in den Vordergrund des Gesprächs. Schon während der Expertenanhörung war diesbezüglich eine negative Bilanz gezogen worden: Die Geldsuche liegt häufig auf den Schultern der Projektleiter, die ihre Projekte nicht selten aus zahlreichen Geldquellen finanzieren müssen. Es herrscht Einigkeit darüber, dass die Finanzierung zu einer der zeitaufwändigsten Aufgaben aller Akteure im medienpädagogischen Bereich geworden ist. „90 Prozent der Zeit wird der Vernetzung und Geldsammlung gewidmet, 10 Prozent bleibt für die aktuelle Durchführung übrig!”, teilt eine Medienpädagogin mit. Die Projektträger seien erschöpft und würden die Notbremse ziehen - neue Finanzierungswege seien dringend erforderlich.

Eine spontane Umfrage unter den Anwesenden zeigte, dass die Antragstellung nicht selten ehrenamtlich durchgeführt wird, wenn keine eigene Stelle für die Beantragung von Geldern geschaffen werden kann. Hierfür seien jedoch besondere Kompetenzen und Erfahrungen erforderlich, die nicht in allen Einrichtungen zu finden seien. Darüber hinaus müsse festgehalten werden, dass „die erhaltenen Gelder im Endeffekt oft nicht mal aus Hamburg stammen”, betont Colette See (Büro für Suchtprävention der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V., Hamburg). So würden die Finanzierungsschwierigkeiten die Nachhaltigkeit der Medienkompetenzförderung in Hamburg behindern und einerseits die Vielfalt der Angebote und andererseits auch die solide Grundfinanzierung für Medienbildung gefährden, da erfolgreiche Projekte immer wieder abrupt ein Ende finden und Stellen verschwinden würden. Viele Projektträger befürchten zudem Konsequenzen für das Arbeitsfeld junger Medienpädagogen/innen, die im Tätigkeitsbereich der Medienbildung selten eine Festanstellung finden würden.

Doch wie kann eine Lösung für die genannten Probleme aussehen? Auf diese Frage haben die anwesende Politikerin und die Politiker bislang noch keine klare Antwort. Am 11. Februar 2014 hatten die Expert/innen die Schaffung einer zentralen Institution gefordert, die zum einen als Ansprechpartner für Schulen und Akteure des medienpädagogischen Bereiches und zum anderen als Koordinierungsstelle für die Finanzierung von Projekten dienen könnte. Stefanie von Berg (Grüne Fraktion) äußerte jedoch Zweifel an der Wirksamkeit einer zentralen Verteilung der Gelder, und sprach sich dagegen aus: „Eine nach Zielen und Ausführungsort differenzierte Verteilung der Gelder ist erforderlich, nur so kann die heute vorhandene Vielfalt beibehalten werden“. Beatrix Nimphy, Netzwerkmanagerin beim MEDIA-Dock Elbinseln, setzt sich daneben für die Entwicklung von Ansprechpartner- und Kommunikationsstellen für Medienbildung und Medienpädagogik in jedem Viertel Hamburgs ein. Dadurch könne die Abstimmung zwischen außer- und innerschulischen Projekten vereinfacht und die Vernetzungsarbeit delegiert werden.

Vorerst keine konkreten Änderungen

Am Ende der Veranstaltung bedankten sich die drei anwesenden Abgeordneten für den Einblick in die Vielfalt der durchgeführten Projekte. Es herrschte Einigkeit darüber, dass vor 2015 keine konkreten und bahnbrechenden Veränderungen zu erwarten seien. Dennoch sei es positiv zu bewerten, dass sich die Politik für das Thema der Medienkompetenzförderung interessiere, in der Bürgerschaft und im Senat seien weiterführende Debatten zu erwarten. Hansjörg Schmidt schloss daher mit folgenden Worten: „Tatsächlich hat die Medienkompetenzförderung immer noch nicht den Stellenwert, den sie haben müsste, andere Bereiche würden sich jedoch über einen solchen Aufmerksamkeitsgrad freuen. Es ist zu erwarten, dass in Zukunft gewisse Traditionen im Bildungsbereich überwunden werden."

Tamara Wackernagel, Vera Marie Rodewald

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