Magazin / Reportagen 

Die „Welle Isebek“

Das Seniorenradio in Eimsbüttel produziert Radio von Senioren für Senioren

Ein Dienstagnachmittag: Im Eppendorfer Weg in Eimsbüttel wird gerade angeregt diskutiert. Acht Senioren des Seniorenradios „Welle Isebek“ und die beiden Medienwissenschaftlerinnen Lisa-Mia Schaich und Sanja Ewald sitzen gemütlich bei Kaffee und Keksen zusammen. In der heutigen Redaktionskonferenz besprechen die Mitglieder, was sie bei der nächsten Straßenumfrage für die Sendung anders machen können. Es soll darum gehen, ein Meinungsbild einzuholen zu dem Thema: „Was wollen die Leute im Radio hören?“. „Es ist wichtig, kurze, knackige Fragen zu stellen“, erklärt Sanja Ewald. „Die Befragten sollen nicht zu weit ausholen und ins Schwafeln kommen, da die Aufnahmen sendungstauglich sein sollen.“ Für die Umfrage werden die Redaktionsmitglieder in den darauffolgenden Tagen ohne die beiden Anleiterinnen losgehen und Material sammeln. Denn auch das selbstständige Schaffen ist Teil der Arbeit bei der "Welle Isebek".

Das Seniorenradio „Welle Isebek“ geht auf eine Idee des Redaktionsmitgliedes Ille Schulte zurück. Nach der Arbeit bei unterschiedlichen Sendern nahm sie sich vor, ein Radio zu gründen, dass sich mehr an eine ältere Zielgruppe richtet. Mitstreiter/innen waren schnell gefunden. „Das Seniorenradio ist ein Projekt des Vereins KNIE - Kultur und Nachbarschaft in Eimsbüttel e.V.“, erzählt Sanja Ewald. „Wir werden zum Großteil von Stiftungen finanziert. Unter anderem von der Hohman-Stiftung und vom Bezirksamt Eimsbüttel“, erläutert Lisa-Mia Schaich. Zurzeit ist die "Welle Isebek" noch in ihrem ersten Jahr, in dem sie alle acht Wochen bei Tide 96,0 auf Sendung geht. Ziel ist es jedoch, irgendwann alle 4 Wochen senden zu können.

Ein Radio von Senioren für Senioren

Die Redaktionsgruppe der Welle Isebek ist bunt gemischt. Ob Profi oder Neueinsteiger, jeder ist willkommen. „Es ist nicht so, dass hier ganz alte Leute zusammen kommen, sondern auch Leute die gerade erst aus dem Beruf ausgeschieden sind“, berichtet Sanja Ewald.

Silke Frakstein ist eine Teilnehmerin mit Vorerfahrung. Sie hat selbst bereits 11 Jahre Radio gemacht und ist durch einen Zeitungsartikel auf die „Welle Isebek“ aufmerksam geworden: „Radio ist eigentlich immer interessant und es ist ein Medium, das immer noch angenommen wird. Als ich gelesen habe, die "Welle Isebek" macht Radio von Senioren für Senioren, fand ich das eine ganz tolle Sache. Hier werden Themen besprochen, die von den Betroffenen selbst erlebt wurden.“ Sie nimmt an dem Projekt teil, weil sie die plattdeutsche Sprache pflegen möchte, denn das ist ihre Heimatsprache und so geht es auch vielen anderen Senioren.

Birgit Warringsholz hingegen hatte noch nie etwas mit Radio zu tun, sie möchte gerne ihre eigenen Ideen mit einbringen und neue Leute kennen lernen. Auch Gerd Mertens geht es um das Produzieren und Veröffentlichen von eigenen Beiträgen. Er ist schon von Beginn an bei der „Welle Isebek“ dabei, weil die Senioren hier ihre Anliegen nicht für sich behalten, sondern sich so äußern können, wie sie es gerne möchten. Dieter Römhild ist in Eimsbüttel aufgewachsen, er erzählt: „Ich finde die "Welle Isebek" ist eine gute Möglichkeit, seinen Bezirk noch genauer kennen zu lernen.“

Im Redaktionsbüro des Seniorenradios steht ein Flipchart mit der „Sendungsuhr“ der „Welle Isebek“. Darauf sind die Themen und die Musikabschnitte der einstündigen Sendung mit ihrer jeweiligen Länge abgebildet. Annelore Bratek erklärt, dass es sehr unterschiedliche Themen gibt. „Dieses Mal ist es so, dass wir sehr darauf eingehen, wer wir sind, wo wir sind und was wir wollen. Es wird unterschieden zwischen Info und Unterhaltung. Wir suchen dazu möglichst die passende Musik aus, damit es eine runde Stunde wird.“ Zuvor wurden die Themen erarbeitet. Jeder hat seine Ideen und Themen eingebracht. Für die zukünftigen Sendungen werden Rubriken entwickelt wie Kochrezepte, Internet, oder auch die Vorstellung einer Institution oder Person, wie beispielsweise die eines Hörgeräteakustikers. Auch plattdeutsche Sequenzen werden dabei sein.

Technisches Know-how und aktive Beteiligung am Mediengeschehen

Die Vermittlung von Medienkompetenz gehört für die Medienpädagogin Lisa-Mia Schaich zum Radiomachen einfach dazu: „Ein großer Punkt ist, dass die „Welle Isebek“ ein Treffpunkt ist und soziale Kontakte hier sehr wichtig sind. Aber dazu kommen auch die technischen Kompetenzen. So stärkt es das Selbstwertgefühl, wenn man weiß: Ich werde erhört. Ich habe was zu sagen.“ Die Qualität der Sendung hat hohe Priorität. „Wir geben Ideen, leiten an und erklären, wie die Formate funktionieren. Aber das Aufnehmen, auf die Straße gehen, Interviews führen und Reportagen machen, müssen die Redaktionsmitglieder selbst übernehmen“, erzählt ihre Kollegin Sanja Ewald. „Die Berichte sollen die Senioren in Zukunft auch selbst schneiden, so dass wir dann nur noch unterstützend tätig sind.“ Zurzeit wird die komplette Sendung vorproduziert und anschließend zu Tide geschickt. In Zukunft sind aber durchaus Live-Anteile angedacht.

Zur Redaktion gehören derzeit 10 Mitglieder im Alter zwischen 60-75 Jahren. Die Senioren treffen sich einmal wöchentlich, immer dienstags von 15 - 17 Uhr im Eppendorfer Weg 127. Jeder ist eingeladen, bei Interesse vorbeizukommen und reinzuschnuppern. Zudem kooperiert die „Welle Isebek“ mit drei Seniorentreffs in Hamburg. Die erste Sendung der „Welle Isebek“ lief am 23. Dezember 2013 auf TIDE 96,0 „Eine Weihnachtssendung der besonderen Art“. Die nächste Sendung wird am 24. März 2014 bei Tide 96,0 zu hören sein.

Kontakt:
WELLE ISEBEK Ihr Stadtteilradio
Eppendorfer Weg 127, 20259 Hamburg
Tel. 040-44465469
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