Magazin / Reportagen 
Mädchen bei der Moderation

Ein Tag mit den Radiofüchsen

Bei den Radiofüchsen können Kinder Radio machen und damit live auf Sendung gehen

Im Aufnahmestudio bei Tide 96,0 herrscht eine hektische Atmosphäre. Fünf Mädchen und zwei Betreuerinnen füllen das Studio. Auch während die Mädchen On Air sind, bleibt der kleine Raum gefüllt. Professionalität und absolute Stille sind gefragt. Es bleiben noch wenige Minuten bis zur Sendung. Um 16 Uhr geht das Mädchenradio der Radiofüchse bei TIDE 96,0 für eine Stunde auf Sendung. Heute im Studio ist die Profigruppe: Juliane, Holly, Lisa und die Neulinge Luna und Lynn. Betreut werden sie von den beiden Medienpädagoginnen Andrea Sievers und Sarah Reinhardt.

Die Radiofüchse sind ein Medienkompetenzprojekt von Kinderglück e.V.. Immer freitags trifft sich die Mädchengruppe der Radiofüchse von 15.30 bis 17.00 Uhr. Jedes Mädchen ab 12 Jahren kann mitmachen. Da sich die Gruppen freiwillig treffen, finden die Termine nicht regelmäßig statt, weshalb die Radiofüchse keine festen Sendetermine bei TIDE haben und diese immer spontan buchen.

Andrea Sievers nutzt die Zeit bis zur Sendung, um die Mädchen, die noch nie an der Technik waren, einzuweisen. Sarah Reinhardt testet die CD mit den Musikstücken, die Andrea Sievers für die Sendung mitgebracht hat. Cro, Casper, Rihanna und weitere bekannte Künstler sind auf der CD und auch der selbstgeschriebene und gesungene Jingle der Radiofüchse in einer Kurz- und Langversion. Die vier Mikros im Studio werden für die Mädchen eingestellt: "Eine kleine Faust muss zwischen Mikro und Mund passen", erklärt Andrea Sievers, damit die Mädchen lernen, sich das Mikro beim nächsten Mal selber einzustellen.

Die Radiostimme soll laut und übertrieben klingen, damit der Hörer dran bleibt

Heutiges Thema der Sendung: Tiere. Die Mädchen haben sich im Vorfeld um die zwei bis drei Monate auf die Sendung vorbereitet: Sie haben sich für Songs entschieden, die Moderationen geschrieben, Interviews geführt, ein Restaurant getestet und eine Reportage verfasst. Andrea Sievers erklärt, dass alle Kinder lernen die Audiodateien, sei es ein Interview oder eine Reportage, zu schneiden. Den Betreuerinnen ist es wichtig, dass die Kinder den gesamten Radioprozess verstehen und anwenden können.

Bei der Moderation wird nicht gesessen. Andrea Sievers und Sarah Reinhardt geben den Mädchen zahlreiche Tipps und erinnern sie daran, ihre Radiostimme zu benutzen: Laut und übertrieben sollen sie sprechen, damit den Hörern bloß nicht langweilig wird. Der Jingle ertönt. Gleich sind sie auf Sendung. Immer noch ist es laut und hektisch im Studio, doch dann zählt Juliane an der Technik mit den Händen von zehn runter, damit die Moderatorinnen wissen, wann die Musik aufhört und sie sich in Position bringen müssen.

Sobald das Licht am Mikro leuchtet, wissen die Mädchen, sie sind On Air. Plötzlich ist alle Hektik verschwunden. Absolute Stille herrscht im Studio. Die Mädchen benehmen sich sofort professionell und moderieren, als würden sie nie etwas anderes tun. Die Technik erhält einen Zettel, auf dem die letzten Worte der Moderation dokumentiert sind, sodass sie weiß, zu welchem Zeitpunkt das nächste Lied ein und die Mikros wieder ausgeschaltet werden müssen.

Die Mädchen sollen Spaß haben und die Sendung selber gestalten

"Mir ist es sehr wichtig, dass die Mädchen Spaß haben und ihre Sendung selber gestalten", erzählt Andrea Sievers. In der Pause sprechen die Mädchen ihre nächste Moderation durch. Wenn sie das Studio einmal verlassen, müssen sie vor dem Wiederbetreten immer darauf achten, dass die Ampel vor dem Raum grünes Licht zeigt. Bei rotem Licht dürfen sie das Studio nicht betreten, denn dann sind sie gerade On Air. Ebenso ist eine Kamera im Studio angebracht, sodass die Mädchen vorher schon sehen können, welcher Raum besetzt ist.

Nach der nächsten Moderation steht Luna an der Technik. Sarah Reinhardt gibt ihr den Tipp, das Mikrofon von Lynn etwas lauter zu stellen, da Lynn sehr leise redet. Sie zeigt Luna in welchem Bereich sich die Lautstärke befinden sollte und erklärt ihr, dass sie auch bei Liedern auf die Lautstärke achten muss, um diese gegebenfalls anzupassen. Die Aufgabe der Technik ist ebenfalls, zwischendurch anzusagen, wie lange die Moderation noch Zeit hat bis sie On Air sind. Andrea Sievers und Sarah Reinhardt sind begeistert von der Professionalität der Mädchen, das ist nicht bei jeder Gruppe so. Sie haben bereits in Betracht gezogen, diese Gruppe beim nächsten Mal alleine im Studio zu lassen und sich nur ein paar Räume weiter die Sendung anzuhören, um im Notfall anwesend zu sein.

Nach der letzten Moderation läuft noch einmal der Jingle der Radiofüchse, in dem alle Kinder eingeladen werden, auch bei den Radiofüchsen mitzumachen. In den letzten Minuten tanzen die Mädchen durch das Studio und singen laut mit. Sie haben viel Freude und albern miteinander rum. Es geht bei den Radiofüchsen nicht hauptsächlich darum, am Ende eine perfekte Sendung auf die Beine zu stellen, auch wenn dies natürlich immer das Ziel sein wird. Vielmehr versucht man die Mädchen für den Umgang mit Technik und Radio zu sensibilisieren und sie dazu anzuregen, ihre eigenen Ideen und Fähigkeiten mit einzubringen.

(Katharina van der Smissen)