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DSCC 1

430 Senioren und 40 Computer

Das Mediennetz hat den Deutschen Senioren Computer Club Hamburg besucht, bei dem Senioren den Umgang mit Computern lernen können

"Wir gehen auf Datei öffnen, auf Laufwerk Z... Bekommen wir das hin, den Text zu öffnen?" Es ist Mittwoch Mittag, 12 Uhr, der Beamer summt und sieben Damen und Herren, alle zwischen 50 und 80 Jahren, sitzen in einem abgedunkelten Raum, jeder vor einem eigenen Computer. Heute findet der Kurs „Word für Anfänger“ bei Barbara Nakielski statt, das Thema ist Formatierung. Die Kursteilnehmer sitzen konzentriert vor ihrem Übungstext und Leiterin Nakielski erklärt, wie man einzelne Wörter und Textabsätze formatiert. "Und jetzt guckt bitte alle hin, wer nicht hinguckt, findet es sonst nicht!"

Auf dem Beamer können die Teilnehmer verfolgen, wie Barbara Nakielski Schriftart, Größe, Stil und Farbe verändert. Einzelne Wörter werden bunt unterstrichen und fett hervorgehoben. Manche Teilnehmer legen gleich am eigenen Text mit den Übungen los, andere haben noch Schwierigkeiten, hinterherzukommen, aber jede Frage wird geduldig beantwortet und auch der Tischnachbar rutscht gerne mal zur Hilfe rüber.

"Es geht hier auch um Selbstwertgefühl"

Alle Kurse im Deutschen Senioren Computer Club (DSCC) werden ehrenamtlich von Senioren geleitet, die meisten besitzen keinen EDV-Hintergrund, niemand ist speziell ausgebildet. "Ich habe selbst bei Null angefangen und zu Beginn noch nie eine Maus in der Hand gehabt", erzählt die 73-jährige Barbara Nakielski. Inzwischen sind 13 Jahre vergangen und sie beherrscht sechs verschiedene Gebiete, in denen sie unterrichtet, und ist erste Vorsitzende des Clubs.
"Es geht hier auch um Selbstwertgefühl", beschreibt die ehemalige Ärztin, "du bringst anderen etwas bei und sie freuen sich darüber. Viele Senioren haben das Gefühl, dass sie nicht mehr gebraucht werden."

Der DSCC wurde im Jahr 2000 als gemeinnütziger Verein von Volker Heeren ins Leben gerufen. Heeren hatte zuvor vom DSCC in Berlin gehört, woraufhin er eine Leserzuschrift in einer Hamburger Zeitung veröffentlichte, um Interessenten für einen vergleichbaren Computer Club in Hamburg anzuwerben. Die Anfrage war damals so groß, dass es nach drei Monaten einen Aufnahmestopp gab. Der Raum im Altenzentrum Ansgar in Langenhorn wurde schnell zu klein und dem Club standen zu diesem Zeitpunkt auch nur drei PCs zur Verfügung. Inzwischen hat sich alles vergrößert und modernisiert. Der DSCC Hamburg sitzt jetzt in einem Bürohaus in Langenhorn, verfügt über mehrere Räume, 40 PCs und zählt 430 Mitglieder.

"Egal wie oft wir hierher kommen, wir nehmen immer was mit nach Hause."

Das Ehepaar Rita und Gerhard Hahn, beide über 70, ist seit sechs Jahren Mitglied im Club. Anfangs sind sie fünf Tage die Woche gekommen, um unterschiedlichste Kurse zu besuchen. "Wir hatten beide vorher mit der EDV überhaupt nichts am Hut und haben alles hier im Club gelernt", erzählt Rita Hahn. Ihr Mann kommt aus der professionellen Fotografie und die Umstellung von analog auf digital fiel ihm anfangs sehr schwer. Ein halbes Jahr lang lernte er im Club Bildbearbeitungsprogramme und inzwischen erstellt er Fotobücher, Kalender oder sogar bewegte Bildershows mit Texten, Schrift und unterlegter Musik. "Bilder im Schuhkarton nützen gar nichts und den Diaapparat mit Leinwand aufstellen ist auch out", meint Gerhard Hahn.
Rita Hahn beschäftigt sich mehr mit Schreibprogrammen und gestaltet Grußkarten oder Einladungen für den Freundeskreis und den Sportverein. Geburtstags- oder Weihnachtskarten bearbeitet sie individuell, für jeden ganz persönlich.

Das Internet nutzt das Ehepaar hauptsächlich um Reiseangebote zu vergleichen. Ihre letzte Mittelmeer-Kreuzfahrt haben die Rentner ganz spontan gebucht, was früher im Berufsleben nicht möglich war. Inzwischen wird recherchiert, wo die Sonne scheint, und sie suchen ein passendes Last-Minute-Angebot. Die gezielte Nutzung des Internets ermöglicht ihnen nicht nur Unabhängigkeit und Spontanität, sondern spare ihnen auch eine Menge Geld, erzählt Rita Hahn.

"Im Wesentlichen sind wir ein sozialer Verein"

Die Teilnehmer des Deutschen Senioren Computer Club Hamburg werden mit Grundkenntnissen ausgerüstet, wer keine PC-Vorkenntnisse besitzt, bekommt den Einsteiger- und den Wordkurs als Pflichtveranstaltung verordnet. Danach besteht freie Kurswahl und jeder kann seinen Hobbys nachgehen. Fotobearbeitung oder Videofilm, Zeichenprogramme, Flugsimulation oder Excelbearbeitung. Im DSCC werden fünf Tage die Woche von morgens bis abends Kurse aller Art angeboten, mitmachen kann jeder, der über 50 ist, der Monatsbeitrag beträgt 8 Euro.

Sobald ein Kurs beendet ist, gibt es die Möglichkeit, das Erlernte in sogenannten Arbeits- oder Interessengruppen fortzuführen. "Das ist das Dauerhafte. Die Teilnhemer freuen sich auf diese Treffen, bringen Pfannkuchen mit, machen es sich gemütlich, trinken Kaffee und essen Kuchen. Ein Kurs dauert nur ein paar Wochen und ist begrenzt, danach geht man wieder auseinander. Die Arbeitsgruppen dauern meist über Jahre, man kümmert sich und gehört zusammen. Das ist der eigentliche Sinn des Clubs, es soll Spaß machen", meint Barbara Nakielski.

(LARA JANUSZEWSKI)