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"Macht es Sinn, das jetzt zu veröffentlichen?"

Social Media Managerin Sandra Rüger hält Vorträge und Seminare zum Thema soziale Medien für Schüler, Eltern und Lehrer.

Als Social Media Managerin betreut Sandra Rüger die Profile von Künstlern, Firmen und Produkten in sozialen Netzwerken. Darüber hat das Mediennetz-Hamburg in der Reihe "Was macht eigentlich … eine Social Media Managerin" bereits berichtet. Das Interview finden Interessierte hier: www.mediennetz-hamburg.de

Seit Facebook und andere soziale Netzwerke in den letzten Jahren populär geworden sind, wird ein sicherer und kompetenter Umgang mit den eigenen Daten immer wichtiger. Daher vermittelt Sandra Rüger ihr Wissen über soziale Netzwerke an Schulen, um unter Kindern und Jugendlichen Aufklärungsarbeit zu leisten und ihnen so zu mehr Sicherheit und Bewusstsein bei der Verwendung von Inhalten und Bildern zu verhelfen. Dabei zeigt sie nicht nur Risiken, sondern auch die Möglichkeiten kommunikativer Vernetzung auf, die sich durch die Verwendung von Social Media ergeben. Das Mediennetz Hamburg sprach mit der Social Media Managerin über den sicheren Umgang mit sozialen Netzwerken wie Facebook und Co.

Mediennetz-Hamburg: Warum ist es besonders wichtig, Kindern und Eltern Medienkompetenz im Umgang mit sozialen Netzwerken zu vermitteln?

Sandra Rüger:
Es ist wichtig, weil es durch die sozialen Netzwerke nun auch möglich ist, dass Mobbingattacken Kinder nicht mehr nur vis-á-vis, in der Schule oder auf der Straße erreichen können, sondern auch zuhause in ihrem Kinderzimmer, welches dadurch kein „geschützter Raum“ mehr ist. Das bedeutet eine massive Verletzung der Privatsphäre. Ich glaube, es kann fatale Auswirkungen haben, wenn Kinder und Eltern nicht kompetent damit umgehen können. Eltern sollten ihren Kindern darum unbedingt signalisieren, dass sie bei Problemen wie zum Beispiel Mobbing jederzeit zu ihnen kommen können.

Welche Reaktionen bekommen Sie, wenn Sie in den Schulen über soziale Netzwerke aufklären?

Wenn ich in Schulen Seminare gebe, erlebe ich es häufig, dass viele Kinder und Jugendliche nicht wissen, wie Facebook mit ihren Daten umgeht und dass sie gespeichert werden. Ich versuche ihnen dann bewusst zu machen, dass Daten die "Währung" sind, mit der sie auf Facebook bezahlen – ihre Daten sind das, womit Facebook arbeitet, personalisierte Werbung betreibt und sie sind das, was für Facebook den Wert der Plattform steigert. Ich erlebe es häufig, dass einige es dann immer noch toll finden und es stört sie nicht, personalisierte Werbung zu bekommen und dass Facebook alles speichert. Andere sagen: Das wusste ich nicht und das kann ich ja gar nicht kontrollieren, also melde ich mich wieder ab.

Welche Verhaltenstipps sollten Kinder und Jugendliche in Social Media unbedingt beachten?

Generell sollten sich Kinder und Jugendliche bei ihren Aktivitäten auf Facebook jedes Mal fragen: Macht es Sinn, das jetzt zu veröffentlichen? Was kann mir im schlimmsten Fall Negatives passieren, wenn ich das jetzt poste? Außerdem rate ich immer dazu, für Facebook auf jeden Fall eine gesonderte Email-Adresse einzurichten, die ausschließlich für Facebook (und andere soziale Netzwerke) benutzt wird und natürlich dazu, so wenig persönliche Daten einzugeben wie möglich.

Haben Sie selbst auch ein Facebook-Profil?

Ja, habe ich und wenn ich in die Schulen gehe, arbeite ich mit meinem persönlichen Profil. Ich sage den Kindern nicht, ihr müsst das so und so machen, sondern ich zeige ihnen meine Privatsphäre-Einstellungen und erkläre die Vorteile und Nachteile, die dadurch entstehen und sage, weshalb das sinnvoll ist. Zudem erkläre ich welche Angaben in meinem Profil privat und welche öffentlich sind – und warum ich das im jeweiligen Fall so gemacht habe.

Welche Chancen und Risiken sehen Sie in Social Media?

Wenn wir über 13- bis 17-Jährige reden, und auch über jüngere Kinder, die schon in sozialen Netzwerken angemeldet sind, obwohl es offiziell nicht erlaubt ist, dann bestehen die Risiken vor allem im nicht-kompetenten Umgang mit dem Medium. Diskreditierungen, Beleidigungen und Cybermobbing sind dann im schlimmsten Fall Probleme, mit denen gerade die jüngeren Nutzer nicht umgehen können. Auch der leichtfertige Umgang mit den persönlichen Daten und Bildern ist risikoreich. Für jemanden, der reflektiert und kompetent mit dem Medium umgeht und auf seine Daten aufpasst, sehe ich viele Chancen, soziale Netzwerke für sich selbst positiv zu nutzen und Kontakt zu Menschen zu halten, die man lange Zeit nicht sehen kann.

Hier geht es zu der Website von Sandra Rüger: www.safe-surfen.de

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