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Szene aus dem Film 5. Geburtstag von Janco Christiansen

Von abgezoomt bis abgedreht – Das Hamburger Nachwuchsfilmfestival feiert 25-jähriges Jubiläum

Vom 11. bis 13. Dezember 2013 findet das 25. Hamburger Nachwuchsfilmfestival abgedreht im Metropolis Kino statt

25 Jahre "abgedreht – Hamburgs junger Film", eine lange Zeit und Grund genug, einmal hinter die Kulissen des Hamburger Nachwuchsfilmfestivals zu schauen. Anlässlich des 25. Jubiläums von abgedreht hat das Mediennetz Hamburg mit Organisatoren und Besuchern des abgedreht geredet, welche über die Anfänge des Festivals einiges zu berichten hatten und einen Ausblick auf die diesjährige Veranstaltung geben.

1988 fand das erste Hamburger Nachwuchsfilmfestival in dem Konzertraum Markthalle Hamburg statt, damals noch unter dem Namen "abgezoomt – die Hamburger Film- und Videoschau von und für Schüler". Seitdem ist viel passiert: Abgedreht wird 2013 bereits zum 25. Mal stattfinden. Drei Tage lang – vom 11. bis 13. Dezember - werden im Metropolis Kino 67 Filmvorführungen von Nachwuchsfilmemachern laufen.

Lars Hertling vom jaf – Verein für medienpädagogische Praxis Hamburg e.V. ist seit 5 Jahren Projektleiter bei abgedreht. Er stellt das Programm aus den eingereichten Filmen zusammen, die zuvor im Team gesichtet wurden, ebenso wie die Jury und Experten. "Heutzutage gibt es zu jedem Thema und zu jeder Nachricht bewegte Bilder. Daher sind Filme und Videos nach wie vor beliebte Darstellungsformen. In den 25 Jahren, seit es abgedreht gibt, ist es zudem einfacher geworden, Filme zu produzieren, da die Technik günstiger und handlicher geworden ist."

"Filme gehören auf die Leinwand"

Am Anfang stand die Idee einem Hamburger Jugendfilmclub die Möglichkeit zu geben, ihre Filme vor Publikum zu zeigen, das nicht nur aus Eltern und Freunden besteht. Initiatoren waren unter anderem die Medienpädagogen Bernd Allenstein, Cornelia von Koppenfels und Michael Vallendor. Vergleichbar mit anderen Jugendfilmfestivals wurde dann abgezoomt gegründet. Gezeigt wurden Filme aus dem Jugendfilmclub und dessen erweiterten Umfeld.

Der Medienpädagoge Andreas Hedrich ist selbst schon seit 1990 bei abgezoomt/abgedreht dabei: "Das Grundprinzip von abgezoomt und heute abgedreht war immer: *Filme gehören auf die Leinwand* - dieses Motto hat sich bis heute gehalten. Damals stand im Vordergrund, dass Leute überhaupt zusammen kommen, um Filme zu schauen. In den Jahren von 1988 bis 1997 haben wir die Markthalle umfunktioniert und zu einem Filmfestivalzentrum umgebaut. Mit einer riesigen Bühne, einem Beamer, Super-8- und 16-Millimeter Projektor. Es gab ein Wunschkino im Nebenraum, eine Workshopstation und eine Talkbühne im Foyer."

Turgay Ugur, Sozialpädagoge aus Frankfurt a. M. hat abgezoomt bereits in der Anfangszeit besucht. Er beschreibt das Filmfest als etwas Besonderes - als großes Jugend-Medienfestival: "Ich fand das Konzept schon damals sehr innovativ. Besonders war, dass direkt vor Ort produziert wurde. Beispielsweise tagsüber die Trailer für die Abendveranstaltung, gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen. Die Abendveranstaltungen selbst wurden von Jugendlichen für Jugendliche moderiert und präsentiert. Der Andrang der Besucher war groß, in Frankfurt hatte ich so etwas bisher nicht erlebt. Damals wurde abgezoomt vielleicht noch gar nicht medienpädagogische Arbeit genannt, aber genau das wurde dort ganz praktisch durchgeführt."

Von gesellschaftspolitischen Themen bis zum Spiel mit Animationen

Nach einem Jahr Pause wurde das Festival 1999 als "abgedreht: Hamburger Jugendmediale" wiederbelebt, dieses Mal bekam es einen eher schulischen Charakter, da es nun an das Landesinstitut für Lehrerbildung (LI) angebunden war. Die Vorführungen fanden vormittags statt, in vier bis fünf Hamburger Bezirken. Dort gab es Regionalfestivals, teilweise mit Workshopangeboten. Das ganze floss zum ersten Mal mit Jury und Preisverleihung in eine zentrale Veranstaltung zusammen, zuerst im UFA-Palast am Grindel, welches bereits abgerissen wurde, dann im CinemaxX Dammtor. Nach 10 weiteren Jahren (2006/07) fand alles an einem Tag im CinemaxX statt, sowohl die Bezirksfilme als auch die Abschlussveranstaltung.

"Die Geschichten haben sich kaum verändert, in der Art, wie sie erzählt werden. Die Filme können aber freier gestaltet werden, beispielsweise sind sie schneller und anders geschnitten als noch vor 10 oder 20 Jahren", beschreibt Andreas Hedrich die Entwicklung der eingesendeten Filme. "Die Geschichten und Themen orientieren sich meist an dem, was gerade aktuell ist. Themen wie Drogen, Gewalt und Selbstmord hatten zeitweise Konjunktur. In den 80er Jahren war es noch sehr politisch, in den 90er Jahren wurden die Themen Ich-bezogener und in den 2000er Jahren haben viele Teilnehmer die Möglichkeiten am Computer ausprobiert, Filme zu produzieren, so wurde viel mit Animationen gespielt. Gesellschaftspolitische Themen haben aber nach wie vor Relevanz."

Seit 5 Jahren findet das abgedreht im Metropolis Kino statt und wird größtenteils von der Schulbehörde, dem Jugendinformationszentrum, und vom LI finanziert. "Wir wollten wieder dazu hin, dass das abgedreht ein Nachwuchsfestival für alle bis 27-jährigen wird und somit auch die Wohnzimmer, die Jugendeinrichtungen und die Hochschulen erreicht. Das wurde in den 10 Jahren zuvor nicht abgedeckt", sagt Lars Hertling.

Alte Filmschätze im Programm versteckt

2013 sind beim abgedreht über 200 Einsendungen eingegangen, Experimental- und Animationsfilme, Dokus und Reportagen, Horror, Dramen und Komödien. Diese Mischung macht für Lars Hertling die Faszination aus. Jedes Jahr gibt es ein neues Spektrum an Themen, Umsetzungen und Spielhandlungen. Die Filmemacher selbst – ob bereits Profi oder Anfänger - haben beim Festival die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen, um voneinander zu lernen. "Das Publikum erfährt, wer hinter den Filmen steckt und die Filmschaffenden bekommen direkte Reaktionen auf ihr Werk", erzählt Lars Hertling. "Es sind bereits einige Filmemacher aus abgedreht heraus entstanden, die ihre ersten Erfahrungen hier gemacht haben, beispielsweise Janek Riecke, Angelina Maccarone, Özgür Yildirim oder Fatih Akin."

"Zum Jubiläum streuen wir alte Filme aus den 25 Jahren ins Programm ein – wenn die VHS das noch hergibt. Im Eröffnungsprogramm schalten wir vier Filme rein und in jedem der acht Programmteile jeweils noch einen. Dann werden die Kinogäste sehen, wie unterschiedlich oder wie ähnlich Geschichten in den Jahren erzählt wurden. Die Technik ist natürlich eine ganz andere geworden. Ich denke, es wird ein großer Spaß, die Filme zu schauen, von den alten Farben und vom Material her. Zur Eröffnung kommen viele ehemalige Team- und Jurymitglieder sowie Filmemacher", freut sich Lars Hertling.

Turgay Ugur besucht schon viele Jahre das abgedreht Nachwuchsfilmfestival und hat immer gerne das Forum gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen sowie Kollegen der Mottenschau e.V. genutzt, indem sie Beiträge zum Wettbewerb einreichten. Er wünscht abgedreht eine lange und belebte mediale Zukunft.

Das 25. Jubiläum von abgedreht beginnt am Mittwoch den 11. Dezember 2013 um 19.00 Uhr mit der Eröffnungsveranstaltung im Metropolis-Kino. Karten gibt es für 4,- Euro vor Ort zu kaufen und 2,- Euro mit Ermäßigung. Die Eintrittskarten gelten jeweils für einen Programmblock.

(Doreen Kirschner)

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