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Kinderuni Bergedorf

„Oh, cool – das sieht aus wie in einem Computerspiel!“

Kinder konnten bei der 8. Kinder-Uni Bergedorf erfahren, wie Effekte eine realistische Darstellung in Games möglich machen

Die erste Handvoll Kinder drängelt sich vor der Tür. Sie wollen die ersten sein und sich in die vorderste Reihe setzen. Schnell lassen sie sich noch den Stempel in ihren Kinder-Uni-Ausweis geben. Im Saal wirft der Beamer schon die ersten Bilder an die Wand: Grafikeffekte in Computerspielen soll das Thema am letzen Tag der Kinder-Uni 2013 sein.

Manche Eltern sind mitgekommen und warten eine Dreiviertelstunde im Foyer. Über einen Projektor verfolgen sie das Geschehen im Vorlesungssaal, denn der Saal ist heute ausschließlich den Kindern vorbehalten. Auch Mareike (9 Jahre) und Tim (10 Jahre) sind heute in Bergedorf dabei. Sie gehen normalerweise nicht in die Uni, sondern besuchen Grundschulen in Hamburg, aber das Thema Computerspiele finden sie gut. „Ich möchte heute erfahren, wie Computerspiele entstehen“, verrät Mareike.

“Hier wird den Kindern das Thema kindgerecht erklärt“

Während Mareike und Tim mit den anderen Kindern in den Hörsaal stürmen und die ersten fünf Reihen des großen Raumes sofort besetzen, die Tischchen herunterklappen und Mareike ihr Notizbuch herausholt, unterhalten sich einige Eltern draußen. „Wir hoffen, dass unsere Kinder hier Spaß haben und etwas Neues erfahren“, berichten zwei Mütter von zehnjährigen Söhnen, die schon im Hörsaal verschwunden sind. „Auch heute wird ein Thema erklärt, was die Kinder in der Schule so nicht behandeln. Computerspiele sind dabei auf jeden Fall interessant, weil sie sie auch in ihrer Freizeit nutzen“, meinen die beiden Frauen.

Von Godrays und Tiefenschärfe

Im Hörsaal beginnt Prof. Boris Tolg derweil für Mareike und Tim und die anderen Kinder seinen Vortrag: „Ich möchte euch heute zwei Spezialeffekte vorstellen“, sagt er und wirft die Begriffe „Godrays“, den Fachausdruck für Strahlenbüschel, und „Tiefenschärfe“ in den Raum. Er erklärt ruhig anhand von Beispielen und Bildern die beiden Effekte. „Habt ihr das schon einmal gesehen?“ fragt er, während er das Bild eines Waldes im Nebel mit Sonnenstrahlen zeigt, die in Bündeln durch die Bäume fallen – die Strahlenbüschel. Später folgt ein Bild von einem Vogel, der vor einem verschwommenen Hintergrund sitzt - als Beispiel für Tiefenschärfe.

Anhand physikalischer Grundregeln kann er erläutern, wie Strahlenbüschel im Wald oder Tiefenunschärfe im Hintergrund von Bildern für das Auge entstehen. „Doch das Problem ist, dass diese physikalischen Berechnungen in einem Computerspiel nicht schnell genug statt finden könnten“, führt Prof. Tolg weiter aus und stellt eine technische Lösung vor, der sich Computerspiele bedienen und begründet: „Das ist jetzt nicht so ganz wie in der Natur, aber es sieht so aus und das reicht für das Computerspiel.“

„Oh, cool – Das sieht aus wie in einem Computerspiel!“

Zum Ende des Vortrags zeigt Prof. Tolg den Kindern die komplette Computerspiel-Animation einer Großstadt mit hohen Gebäuden und fahrenden Autos in Bewegung. „Wow!“ und „Hammer!“ raunen die Kinder beeindruckt. Nach der Veranstaltung laufen Mareike und Tim mit anderen nach vorne und holen sich ein Autogramm des Professors. „Das war toll! Besonders die Effekte zu sehen hat mir gefallen“, schwärmt Mareike. Tim möchte unbedingt noch von Prof. Tolg wissen, ob er sich auch Programme zur Herstellung der Effekte aus dem Internet holen kann und lässt sich den Namen der Software aufschreiben. „Heute habe ich mehr über das Thema Computerspieleffekte erfahren, das mir im Alltag oft begegnet“, sagt Tim. Schließlich verlassen die Kinder die Uni für heute und gehen mit ihren Eltern nach Hause.

„Computerspiele eignen sich besonders gut, weil die Kinder sie kennen und das Thema interessant finden"

Prof. Dr. Boris Tolg begleitet bereits zum dritten Mal mit deinem Vortrag über Computerspieleffekte die Kinder-Uni der Fakultät Life Science in Bergedorf und unterrichtet hier regulär Mathematik und Informatik sowie Fächer im Master Medien/Sound-Vision-Games an der Fakultät Information an der Finkenau. Er wünscht sich, dass die Kinder Spaß bei den Vorlesungen haben und bereitet gerne sein Thema für die Kinder auf, um ihnen mehr Wissen zu vermitteln. „In Computerspielen steckt viel Wissen um Mathematik und Physik, damit eine gewisse Schnelligkeit im Spiel erzeugt werden kann“, schildert Prof. Tolg. „Ich möchte Begeisterung bei Kindern, aber auch Eltern und Lehrern für Computerspiele schaffen, damit sie interessiert an Technik herangehen und ‚des Pudels Kern‘ ergründen.“

Die Kinder-Uni fand vom 14. bis 28. November in der Hamburg Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) in der Fakultät Life Sience in Bergedorf statt. Die Hochschule will damit jährlich Kinder für Naturwissenschaften und Technik begeistern. An den Vorlesungen der Kinder-Uni dürfen bis zu 175 Kinder aus Hamburg zwischen 8 und 12 Jahren teilnehmen.

Weitere Informationen:

Hinweise zum zu Veranstaltungen der Kinder-Uni Bergedorf im nächsten Jahr können rechtzeitig im Veranstaltungskalender der HAW Hamburg Bergedorf nachgesehen werden.

(ISABEL SCHRÖDER)