Magazin / Reportagen 
Teilnehmer beim Rundgang zu St. Pauli selber sehen vor einem Schaufester © Jan

Mediennetz unterwegs: Ausstellungseröffnung vom Fotowettbewerb "St. Pauli selber sehen"

Über 60 Einreichungen gibt es bei der Fotoausstellung "St. Pauli selber sehen" in den Schaufenstern auf St. Pauli zu besichtigen

Sonntagnachmittag um 15 Uhr. Im Stadtteilkulturzentrum Kölibri auf dem Hein-Köllisch-Platz 12, das durch die Gemeinwesenarbeit St. Pauli-Süd e.V (GWA St. Pauli) betrieben wird, findet gleich eine Vernissage statt. Heute werden zum ersten Mal alle Einsendungen für den Fotowettbewerb zu "St. Pauli selber sehen" ausgestellt. Etwa fünzig St. Paulianer und weitere Interessierte haben sich versammelt, um bei der Eröffnung des Fotoprojekts "St. Pauli selber sehen" dabei zu sein. Darunter viele der teilnehmenden Fotograf/innen, ihre Familien sowie Menschen aus der Nachbarschaft.

Auf einem Tisch liegen bereits einige Fotografien ausgebreitet, weitere Aufnahmen werden an eine Wand projiziert. Zu sehen sind Momentaufnahmen des aktuellen und vergangenen St. Paulis. Zum Beispiel die Kunst-Palmen an der Hafenstraße im Schnee, ebenso wie Detailaufnahmen einer welkenden Blüte, Lampedusa-Flüchtlinge, Musiker am Hafen, die Türen alter Häuser sowie Baukräne in einem sich stetig wandelnden Stadtteil Hamburgs. Die Ausstellung findet nicht nur an einem Ort statt, die Bilder werden bis zum 15. November 2013 in Schaufenstern von Geschäften und Gaststätten rund um die Reeperbahn ausgestellt. In den beteiligten Läden und im Kölibri können Besucher eine Karte zur Orientierung erhalten, in der alle Ausstellungsorte verzeichnet sind.

Die Ausstellung soll die Innenperspektive auf St. Pauli sichtbar machen

Die GWA-St. Pauli e.V. hat die Bewohner des Stadtteils dazu aufgerufen, St. Pauli aus ihrer Perspektive zu fotografieren. Gesa Becher vom GWA St. Pauli e.V. erklärt: "Seit ich hier wohne, ist mir aufgefallen, dass Bilder von St.Pauli kursieren, die mit dem realen Leben hier ganz wenig zu tun haben. Daher haben wir gedacht, es wäre spannend eine Innenperspektive von St.Pauli sichtbar zu machen und ganz viele Leute aus der Nachbarschaft zu aktivieren. Sie sollten ihren Fotoapparat nutzen und ihre Sicht auf ihr Viertel zeigen."

Im Vorfeld des Wettbewerbs gab es bereits Workshops zu verschiedenen Themen rund um Fotografie, beispielsweise für Jugendliche “Portrait Professional“ - Berufe auf St. Pauli, sowie auch einen Kinder-Workshop und einen Workshop zum Erlernen der Bildbearbeitungssoftware Lightroom. Außerdem wurden Foto-Talks mit professionellen Fotograf/innen angeboten, bei denen die Besucher mit diesen ins Gespräch kommen konnten.

Kurz nach 15 Uhr wird die Ausstellung von den Organisatorinnen Hanna Christian und Gesa Becher offiziell mit ein paar Worten eröffnet. Anschließend folgen Rundgänge durch die Straßen von St. Pauli. Es gibt drei Gruppen mit ungefähr 20 Leuten. Zwar lugt die Sonne ab und zu mal durch die Wolkendecke, aber es weht den Rundgängern ein recht kalter Novemberwind ins Gesicht. Die Rundgänge führen vom Hein-Köllisch-Platz über die Hein Hoyer Strasse bis zum Millerntor Stadion. Die Fotograf/innen schließen sich an und beschreiben jeweils ihre Intention für die Bilder und was ihnen an den gewählten Motiven wichtig ist. Es gibt viele Fotografien in den Schaufenstern zu entdecken und die Teilnehmer drängen sich vor die Schaufester, um die Bilder genau betrachten zu können. Dabei entdecken sie zum Beispiel eine Fotoreihe über die Hunde im Stadtteil oder auch ältere Fotografien, die St. Pauli in den 80er Jahren zeigen.

"Hauptsächlich nehme ich Skurriles im Stadtteil auf, dazu gehört auch, dass Irgendetwas verschwindet"

Die Bilderserie des Hobbyfotografen Matthias Grahl trägt den Titel "St. Pauli Wide Angle Lens: Selber gesehen" und zeigt Laternen und Häuserfassaden mit Graffiti und Aufklebern- sowie Plakatresten. Auch der herumfliegende Müll auf den Straßen diente ihm als Motiv. Matthias Grahl fotografiert gerne analog, wurde durch einen Schaukasten an der S-Bahn Reeperbahn auf "St. Pauli selber sehen" aufmerksam und nahm am Wettbewerb teil. Über seine Bilder, die im Schmackazien ausgestellt sind, sagt er: "Hauptsächlich nehme ich Skurriles im Stadtteil auf, dazu gehört auch, dass Irgendetwas verschwindet. Viele meiner Motive gibt es inzwischen nicht mehr. Es war mir besonders wichtig, die Veränderungen im Stadtteil zu fotografieren. Die schönen alten Häuser, die vielleicht nicht für jedes Auge schön waren, sondern speziell. Diese noch einmal festzuhalten, bevor sie vielleicht schon eine Woche später wieder weg sind."

Die 16-jährige Fotografin Rosa Schwarz beschäftigt sich schon seit zwei Jahren intensiv mit Fotografie. Von ihr sind ebenfalls Bilder im Schmackazien und im Suicycle ausgestellt. "Ich fotografiere gerne Personen und wollte interessante Menschen von St. Pauli mit interessanten Statements fotografieren." Auf einem Foto hat sie eine Freundin in Szene gesetzt, die selbst ihre Kleidung schneidert - am Hafen, barfuß und mit Regenschirm. Andere Bilder zeigen Personen auf der Großen Freiheit oder auch den Hamburger Nachtwächter.

Sowohl junge als auch ältere Fotograf/innen zeigen ihren Blick auf den Stadtteil

Lina, neun Jahre hat am Fotoprojekt und am Kinder-Foto-Workshop teilgenommen, zusammen mit drei anderen Kindern aus ihrer Klasse: "Zuerst haben wir geguckt, was finden wir interessant auf St. Pauli, dann haben wir das Thema ausgesucht und dazu Fotos gemacht. Mein Bild hängt in dem Café von Peter Geyer. Ich habe meine Klasse fotografiert und manche Sachen, die es in der Schule so gibt. Ich finde es toll, dass wir einen Fotowettbewerb gemacht haben."

Am 15. November ist die große Preisverleihung im Kölibri, "das wird nochmal spannend", erzählt Gesa Becher. "Es werden noch Einsendungen nachnominiert, daher sind noch einige Preisträger offen und wir sind sehr verschwiegen."

Nach den Rundgängen finden sich alle wieder im Kölibri ein. Der Apfelpunsch ist schon heiß gemacht, die Besucher setzen sich in Runden zusammen, lassen die Eindrücke der Ausstellung nachwirken und den Nachmittag gemütlich in ihrem St. Pauli, das so viele verschiedene Facetten hat, zu Ende gehen.

Hier gelangen Interessierte auf die Seite des Fotoprojektes: www.stpauli-selber-sehen.de

[Doreen Kirschner]

Dokument
St.Pauli selber sehen: Karte für den Rundgang