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Kinder aus der Radiogruppe in der Aufnahmekabine

Mediennetz unterwegs: Ein Tag in der Elbstation Akademie

Das Mediennetz Hamburg hat die Elbstation Akademie in der Königsstraße besucht, wo Kinder und Jugendliche selbst Radio, Film und Theater machen können

"Pp, kk, tt… sch, ff, zz… pp, kk, tt… sch, ff, zz… pp, kk, tt… sch, ff,zz…" machen die Jugendlichen der Radiogruppe der Elbstation Akademie im Chor. Es ist ein Mittwochnachmittag und die sieben Jugendlichen der Radiogruppe fangen nach den Aufwärmübungen für die Stimme an, sich gegenseitig zu dem Thema: „Was hast du in den Ferien gemacht?“ zu interviewen. Ein paar von ihnen haben es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht und ein Junge mit Kopfhörern und Mikrofon ist gerade dabei, seinem Interviewpartner Fragen zu stellen. Der Raum der Radiogruppe enthält alles, was für das „Radio machen“ benötigt wird: eine Aufnahmekabine, sowie PCs zum Schneiden der Tonspuren. „In der Radiogruppe machen wir eine Art Podcast. Wir bebildern die Beiträge und auf Youtube kann man sie dann abrufen“, erzählt die Projektleiterin der Radiogruppe Elizabeth Nascimento Bunk, die schon seit der Gründung der Elbstation Akademie das Radioprojekt anleitet.

Die Elbstation Akademie ist eine Stiftungsinitiative der MPC Capital Stiftung und wurde 2006 ins Leben gerufen. Es sollte kein Jugendclub mit einem offenen Angebot werden, sondern eine Initiative für bildungsbenachteiligte Jugendliche. Die Kinder und Jugendlichen bekommen in der Elbstation ein Mittagessen, bevor um 16Uhr die Gruppenarbeit beginnt, die gegen 18 Uhr zu Ende ist. „Das Hauptkriterium für die Teilnahme ist die Motivation. Ebenso sollten die Jugendlichen an zwei Nachmittagen in der Woche Zeit für die Elbstation Akademie mitbringen, denn die Teilnahme an unseren Projekten soll ein Jahr lang verbindlich sein“, sagt Elizabeth Nascimento Bunk.

In der Elbstation Akademie können Kinder und Jugendliche an Radio-, Film-und Foto-, oder Theatergruppen teilnehmen. Im Nebenraum trifft sich zur gleichen Zeit die Filmgruppe. „Es soll ein Bösewicht sein!“ schlägt ein Jugendlicher der Filmgruppe vor. „Aber was für ein Problem hat er?“ wird ihn entgegnet. In der Filmgruppe werden gerade Ideen für das Drehbuch der diesjährigen Halbjahresproduktion gesammelt. Die Jugendlichen besprechen ihre Vorschläge mit Marc Witkowski, Projektleiter der Film- und Fotogruppe. Er sagt: „Die Elbstation Akademie soll Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich kreativ auszudrücken. Wir möchten in der Elbstation neben dem Vermitteln von Kompetenzen im Umgang mit Medien auch erreichen, dass die Kinder und Jugendlichen Selbstbewusstsein entwickeln und sich zum Beispiel schulisch höhere Ziele setzen.“

Derzeit kooperiert die Elbstation Akademie mit der Stadtteilschule am Hafen mit ihren drei Standorten (Altona, St. Pauli, Neustadt) sowie der Max-Brauer-Gesamtschule. Im Frühjahr wird das Projekt in den siebten, achten und neunten Klassen vorgestellt. Dann können sich die Kinder bewerben. 25-30 Schüler werden jährlich aufgenommen. Zum Anfang des Schuljahres gibt es auch eine Internetschulung für alle Teilnehmer, bei der Kompetenzen für das sichere Surfen im Web vermittelt werden.

Kinder und Jugendliche, die nach einem Jahr weiterhin mitmachen möchten oder auf keine der Kooperationsschulen gehen, können sich für die Alumni-Gruppen bewerben. “Die Alumni-Gruppe trifft sich einmal wöchentlich. Wir helfen ihnen auch bei der Praktika- und Ausbildungssuche sowie bei den Bewerbungen dafür oder versuchen ihnen Stipendien zu vermitteln. Neben den Medienprojekten ist das ein großer Teil der Elbstation“, sagt Tina Göke, Projektleiterin der Theatergruppe. Zusätzlich wird über die Elbstation ein Lotsenprogramm angeboten, bei dem ehrenamtliche Erwachsene Jugendliche betreuen. Der Lotse unterstützt das Kind zum Beispiel beim Lernen für Klausuren und beim Schreiben von Bewerbungen. Oder sie unternehmen etwas außerhalb der Elbstation.

Die Jugendlichen der Filmgruppe schreiben am Anfang des Schuljahres kleine Drehbücher, zeichnen Storyboards und schneiden kurze Filme zur Übung. Dann geht es an ein großes Projekt zum Beispiel eine Dokumentation oder einen Kurzfilm. In der Filmgruppe werden alle Grundlagen der Videotechnik vermittelt. „Zudem sollen die Jugendlichen lernen, Projekte in einer Gruppe zu beenden, mit Leuten aus verschiedenen Altersstufen und Nationen“, erzählt Marc Witkowski.

Zwei Mal im Jahr werden die Ergebnisse aus den Projektgruppen aufgeführt. Es gibt eine Halbjahrespräsentation im Monsun Theater und die Abschlusspräsentation im Altonaer Theater für Familien, Lehrer, Sponsoren und Freunde. Für die Abschlusspräsentation arbeiten alle drei Gruppen an einem Thema zusammen, so dass eine große Produktion entsteht.

(DOREEN KIRSCHNER)

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