Magazin / Reportagen 
VHS LP-Kurs

iPod und Plattenspieler – Schallplatten und Kassetten digitalisieren

Von Platte auf Festplatte

Leicht verspätet, doch gut gelaunt öffnet Manfred seinen Labtop und startet das kostenlose Programm Audacity. Das hat er vorgestern im ersten Teil des Kurses kennengelernt und am Vorabend daheim ausprobiert. Bis halb drei in der Nacht habe er versucht seine alten Klassik-LPs aufzunehmen. Seine Frau, die ebenfalls das Seminar besucht, habe „nur“ bis ein Uhr durchgehalten. An Motivation mangelt es auch den restlichen Teilnehmern nicht.

Filter, Pegel, Wahwah-Effekt

Der Kurs, der schon zum fünften Mal stattfindet, beginnt mit grundlegenden Erklärungen: Welche Möglichkeiten hat man um einen Plattenspieler oder ein Kassettendeck an den Computer anzuschließen? Wie nimmt man über die Soundkarte auf? Was sind die Funktionen von Audacity? Dies und mehr erklärt die Kursleiterin Mei Li Ronfeld beim ersten Termin auf eher theoretischer Basis. Die zweite Sitzung ist für die praktische Anwendung und die daraus resultierenden Probleme und Fragen vorgesehen. Und an Nachfragen mangelt es ebenso wenig wie an Motivation. Während die Kursleiterin unterschiedliche Effekte zur Klangoptimierung wie Rauschfilter, Normalisieren und Klangkurvenanpassung vorführt, streifen einige irritierte Blicke die Bildschirme. Eine Dame hat Probleme mit dem Auspegeln, einer anderen stürzt sogar prompt der Computer ab. „Das war wohl ein Wink des Schicksals ...“, kommentiert das Manfred lachend. Die Stimmung ist trotz mancher technischer Tücken umgänglich bis ausgelassen, das Gelächter groß als gezeigt wird, dass der Wahwah-Effekt genauso klingt wie er heißt. Oft beantworteten sich die Teilnehmer ihre Fragen gegenseitig. Auch weil nur eine Dame nicht am PC, sondern am Mac arbeitet und angesichts der modifizierten Benutzeroberfläche mehr Hilfe benötigt.

Aufnehmen, schneiden, optimieren

Jimi Hendrix und The Doors klingen dumpf, aber unverkennbar aus den Kopfhörern. Immer wieder wird die Klangqualität der Musikbeispiele überprüft. Hat der Rauschfilter auch andere Frequenzen gelöscht? Hört man noch einen Kratzer am Anfang? Ist die Stille am Ende zu lang? Ständig verändern sich die Klangkurven auf den Bildschirmen – nicht immer mit dem gewünschten Ergebnis. So ist schnell klar, dass optimale Aufnahmebedingungen besonders bedeutsam sind, weil den Möglichkeiten zum digitalen Nachbearbeiten der Aufnahme Grenzen gesetzt sind. Zum Abschluss werden die Fragen beantwortet, wie eine Audiospur in mehrere Tracks geschnitten wird und wie die einzelnen Lieder dann als mp3-Datei abgespeichert werden. Zum Erstellen einer eigenen CD bleibt leider keine Zeit. Das stört aber auch niemanden, stattdessen ist man sich einig, dass der Kurs „Licht ins Dunkel“ brachte und „Lunte gerochen“ wurde, sich weiter mit Musikprogrammen zu beschäftigen. Es wird lediglich angemerkt, dass nur ein Tag zum Ausprobieren von Audacity am heimischen Rechner etwas knapp sei, um sich wirklich damit auseinander zu setzen. Die rothaarige Dame mit dem iBook erkundigt sich zudem nach einem speziellen Mac-Kurs, der tatsächlich regelmäßig angeboten wird. Manfred hat zum Schluss nur noch eine Frage: „Gibt es dafür jetzt auch eine Teilnahmebescheinigung?“ Aber natürlich.

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