Magazin / Reportagen 
Roboter

Hallo, ich bin Wall-E!

Während der Ferien-Computer-Tage an der Technischen Universität Hamburg-Harburg lernen Schüler/innen das Programmieren von Robotern

Es surrt und rattert überall. Von weiter hinten sticht ein Piepen ins Ohr und von rechts wiederholt eine elektronische Stimme immer wieder denselben kaum verständlichen Satz. "Ich hab keine Ahnung, was der für verrücktes Zeug macht, wenn ich das jetzt runterlade!", schmunzelt ein Teilnehmer von “Roberta – Lernen mit Robotern”.

Der Workshop widmet sich dem Bau und der Programmierung von Robotern. Dabei entfernt er seinen Roboter vom Computer. Kaum berührt das Gerät den Flurboden, fängt es an sich wild im Kreis zu drehen. “Ok, das hatte ich jetzt nicht vor...”, staunt der "Roberta"-Teilnehmer. Doch im Workshop meckert niemand. Der Roboter mit der Display-Aufschrift “Ich bin Wall-E”, angelehnt an den Roboter im gleichnamigen Pixar-Film, wird sofort zurück an den Computer angeschlossen. Der junge Programmierer ändert die Programmierung und startet noch einen Versuch, um ihn zu den Handlungen zu bringen, die eigentlich erhofft waren.

Im ganzen Raum bewegt sich etwas. In der einen Ecke schleicht ein Roboter auf einen auf den Boden geklebten Kreis, in der anderen attackiert einer seinen Programmierer. Dazwischen drei Tutorinnen, die den Kindern und Jugendlichen beiseite stehen. Kathi ist Lehramtsstudentin und studiert an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TU HH). Seit über einem Jahr ist sie bei “Roberta” Tutorin. Sie erklärt, dass die Tutor/innen meist an Schulen unterwegs sind. In diesem Ferien-Workshop ist die Gruppe allerdings ein bunt zusammen gewürfelter Haufen. Er findet im Rahmen der Ferien-Computer-Tage der TU HH statt. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos.

In den Schul-Kursen wird meist eine Woche lang täglich in einer anderen Klasse ein Workshop durchgeführt. Teams von drei bis vier Leuten besuchen dann die Schulen. Die Workshops sind für die Schulen kostenlos, denn die Beschäftigung der Kinder mit Technik ist auch Werbung für die technische Universität, wie Hannah verrät, ebenfalls Studentin an der TU HH und “Roberta”-Tutorin. Das ganze Jahr über finden “Roberta”-Kurse statt.

Gearbeitet wird mit den LEGO NTX-Kästen und der sogenannten Mindstorm-Software. Schüler/innen lernen neben dem Zusammenbauen der Roboter die Software zu installieren und in einer bildlichen Programmiersprache zu programmieren. Innerhalb der Workshops sollen sie kreativ Proleme lösen und am Ende des Workshops ein Programm präsentieren.

Insgesamt besteht das Roberta-Team aus fünfzehn Leuten. Anfangs waren das nur Studentinnen, daher auch der frühere Untertitel “Mädchen erobern Roboter!”. Mittlerweile sind auch vier Jungs dabei. Die “Roberta”-Workshops sind vom Woman's Competence Center der TU HH ins Leben gerufen. Eigentlich waren sie auch auschließlich für Mädchen gedacht. Ziel war es, gerade Mädchen für Technik, Mathematik und Physik zu begeistern und sie zu einem selbstbewussten Umgang mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen zu befähigen.

Gestartet sind die Workshops im Mai 2004. Mittlerweile finden aber rund 50 Kurse im Jahr statt, von denen circa die Hälfte der Teilnehmer männlich ist. Obwohl sich die Workshops eigentlich an Schüler/innen ab der siebten Klasse richten, wurden auch schon abgewandelte Workshops in vierten Klassen durchgeführt, welche ebenfalls mit großer Begeisterung angenommen wurden.

Das Konzept hat die TU HH vom Fraunhofer IAIS adaptiert. In ganz Deutschland bietet das Institut gendergerechte Workshops an, die Schüler/innen für Technik begeistern sollen.

Tutorin Kathi schildert, "dass die Mädchen meistens Roboter bauen, die verschiedene Töne haben und ganz viele interessante Handlungen hintereinander ausführen. Bei den Jungs sind es meistens Kampfroboter!" Währenddessen rummst es an der Tür - ein Roboter hat wohl seine Route verfehlt.

Viele der Teilnehmer/innen sind von sich aus sehr technisch interessiert und versiert. Sie erhoffen sich, etwas Neues zu lernen oder programmieren sogar bereits gerne in ihrer Freizeit. Eine Teilnehmerin gibt zu: ”Ich mag total gerne Mathe und hoffe vielleicht durch das, was ich hier lerne, auch mal im Studium einen Vorsprung zu haben.” Andere haben gar keine Vorerfahrung und schnuppern einfach mal rein.

Während der Programmiereinführung herrscht Stille. Alle schauen gebannt nach vorne und auf die Bildschirme, damit sie nichts verpassen. Der ein oder andere ratlose Blick ist dabei, jedoch basiert im Workshop Vieles auf Ausprobieren. Und wenn die erste Programmierung doch nicht hinhaut, probiert man es nochmal. Einige Kinder kennen die Robotersoftware sogar schon so gut, dass sie am Workshop vorrangig teilnehmen, um noch ausgefeilter Programmieren zu üben. Vielleicht können ihre NXT-Roboter noch keine Minen entschärfen oder chirurgische Eingriffe durchführen, jedoch bleibt dem Programmiernachwuchs ja noch Zeit, bis einmal Star Wars-Star R2D2 dabei herauskommt.

(JASMIN BÖSCHEN)