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Medienkompetenztag 2013

Wer beherrscht hier wen?

300 Gäste waren beim dritten Medienkompetenztag der MA HSH zum Thema „Einfach mal abschalten?!“ im KörberForum in Hamburg dabei

Digitale Medien sind für die meisten Menschen heute unverzichtbar: Kaum einer geht ohne Handy aus dem Haus oder ist mal nicht erreichbar. Die Welt der Kommunikation dreht sich immer schneller und für manche bedeutet das auch immer mehr Stress: Ist es in Ordnung, wenn einen der Arbeitgeber auch in der Freizeit kontaktiert? Und muss man täglich auf Facebook, Twitter & Co. von sich hören lassen? Und wie gehen Schulen mit den Smartphones um?

"Einfach mal abschalten?!" - das war das Thema des diesjährigen Medienkompetenztags, der zum dritten Mal von der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) ausgerichtet wurde und im KörberForum mit 300 Gästen statt fand. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob medienfreie Räume heutzutage sinnvoll oder vielleicht sogar notwendig sind - und wann und wie man überhaupt noch abschalten kann.

Lothar Hay, Vorsitzender des Medienrats der MA HSH, betonte in seiner Begrüßung, dass der Verzicht auf Handy, Internet, Soziale Netzwerke oder E-Mail für viele Menschen eine erhebliche Herausforderung darstellt. Die ständige Erreichbarkeit werde zunehmend als Belastung empfunden, sagte Hay: „Mit unseren Medienkompetenztagen geben wir dem wichtigen Thema mit all seinen Facetten ein öffentliches Forum. Damit ergänzen wir unsere Förderung von Medienkompetenzprojekten und unsere Kooperationen in diesem Bereich.“

Freiräume für kreative Gedanken schaffen

Am Vormittag ging es um das Abschalten im Privatleben und im Beruf. Der Autor Ulrich Schnabel empfahl in seinem Vortrag das Streben nach Muße. Denn auch das Gehirn braucht Zeiten der Ruhe, um Erinnerungen oder Erlerntes zu verarbeiten - und damit wieder neue Geistesblitze entstehen können. Dazu rät Schnabel, sich Freiräume für kreative Gedanken zu schaffen, zum Beispiel eine stille Stunde bei der Arbeit ohne Handy und Internet einzubauen. Außerdem: in den Kalender "nichts tun" eintragen - und genauso wie einen Termin auch ernst nehmen. Und der Medienpsychologe Peter Vorderer stellt fest: der Mensch hat Angst vor dem Ausschluss aus der Gemeinschaft, deswegen will er permanent mit den anderen verbunden sein. Aber nach einer "digitalen Diät" würden viele feststellen, dass die Freunde ja bleiben und man gar nicht so viel verpasst hat, wie man meint.

Schulen gehen unterschiedlich mit Smartphones um

Die Schulen gehen sehr unterschiedlich mit dem Thema "Abschalten" um. Inken Hose, Schulleiterin der Gelehrtenschule des Johanneums, erzählt, dass an ihrer Schule das Handy nur in der Mittagspause benutzt werden darf. Gerade denkt die Schule darüber nach, Handys und Smartphones für die Klassen 5 bis 9 ganz zu verbieten.

Anders ist der Umgang mit den Handy an der Gyula Trebitsch Schule Tonndorf, erzählt Schulleiter Martin Brause. Dort bekommen Schüler/innen von Lehrer/innen im Unterricht durchaus auch den Auftrag, etwas mit dem Smartphone zu recherchieren. Es gibt kein komplettes Handyverbot, "weil die Schüler/innen sonst das Handy heimlich auf dem Klo benutzen statt zu lernen, kompetent damit umzugehen." Die Schule hat seiner Meinung nach eine besondere Verantwortung, "denn mit dem ganztägigen Lernen spielt sich fast alles in der Schule ab."

Die Kommunikationswissenschaftlerin und Medienpädagogin Iren Schulz von der Universität Bremen ist der Meinung, dass Jugendlichen Ruhe und Regnerationsphasen verloren gehen. Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen, gebe es kaum: "Deswegen finde ich es sinnvoll, die Geräte einfach mal abzuschalten, statt mit strengen Verboten zu kommen."

Und am Ende des Medienkompetenztages steht als Fazit die Frage: beherrschen die Geräte uns oder wir sie?

Und wer sich die Vorträge und Diskussionen (noch einmal) anschauen möchte, der kann dies bei TIDE tun. Auch der dritte MA HSH-Medienkompetenztag wurde wieder vom Hamburgischen Bürger- und Ausbildungskanal aufgezeichnet. Sendetermine sind der 21. und 28. April 2013, jeweils ab 21.15 Uhr.

Adressen

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