Magazin / Reportagen 
Kinder und Jugendliche am Bilderbearbeiten

In fünf Tagen zur eigenen Internetseite

Zu Besuch bei der TIDE Ferienakademie - Fit fürs Web

Es ist dunkel, die Jalousien sind herunter gelassen. Alle Augen im Raum haben nur ein Ziel: die Leinwand. Sieben Minuten lang gilt die Aufmerksamkeit einzig der Projektion. Zu sehen ist keine Szene aus einem Hollywoodstreifen, sondern eine Wand. Aus dieser Wand kommt auf einmal eine Hand, welche plötzlich zu einer Gestalt mit mehreren Extremitäten wird und sich fortbewegt.
Gezeigt wird ein Stop-Motion-Film. Bei dieser Art, Filme zu erschaffen, werden Bilder aneinander gereiht und abgespielt, wodurch die Bilder zum Leben erweckt werden. Durch diese Technik ist es möglich, auch ohne großes Equipment und eine teure Kamera ein eigenes Video zu erstellen und sich kreativ auszutoben. Ob Knetmännchen oder Playmobil-Figuren, als „Schauspieler“ kann vieles dienen.

Die Regisseure und Kameramänner von heute sind die Teilnehmer der TIDE Ferienakademie „Fit-fürs-Web“. Die Kinder und Jugendlichen im Alter von 11 bis 15 Jahren verbringen fünf Tage lang ihre Ferien beim Hamburger Community Sender TIDE. Hier haben sie die Möglichkeit, sich hilfreiche Informationen rund um das Thema Computer und Internet anzueignen. Doch was hat ein Stop-Motion-Film mit dem „Web“ zutun? Durch die technische Entwicklung ist es möglich geworden, mit einer einfachen Digitalkamera und einem Laptop einen individuellen Film aus einzelnen Bildern zu erschaffen. Nach der Aufnahme können die Fotos auf dem PC nachbearbeitet, zusammengeschnitten und auf verschiedene Online-Plattformen oder auf der eigenen Internetseite hochgeladen und präsentiert werden. Diesmal nehmen an der Ferienakademie ausschließlich Jungen teil. Die fünf Schüler haben alle einen eigenen Laptop vor sich stehen. An dieser Stelle muss Samuel Feuerstein, medienpädagogischer Volontär bei Schnappfisch und Leiter des Kurses, entsprechend reagieren: „Ich achte darauf, dass die Teilnehmer Freiraum haben und viel selbst ausprobieren und entdecken können“.

Der Beginn der Akademie wird meist damit verbracht, eine theoretische Grundlage zu schaffen und herauszufinden, auf welchem Kenntnisstand sich die einzelnen Teilnehmer befinden. Wie funktioniert eigentlich das Internet? Welche Risiken, aber auch Chancen bietet Facebook? Und wie erstellt man sich ein sicheres Passwort? „Im Frontalunterricht erkläre ich nur die Grundlagen. Die weiteren Schritte sollen sie selbst rausfinden und erforschen“ erklärt Samuel Feuerstein.
Im ersten praktischen Teil steht die eigene Website an. Als Grundlage dient hier die kostenfreie Online-Plattform „Wordpress“. Die Seite dient auch als roter Faden für die Woche. Alle ausgearbeiteten Ergebnisse können selbständig auf der eigenen Homepage veröffentlicht werden. Es geht viel um das Ausprobieren und Selbermachen, „da nehme ich mich zurück und stehe eher beratend zur Seite“, so kommentiert es Kursleiter Samuel Feuerstein.

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Irgendwo im Nirgendwo klettert ein Mann einen Felsen hoch. Kletterschuhe und entsprechende Outdoor-Klamotten gehören natürlich zu seiner Ausrüstung. Kein außergewöhnliches Bild – bis jetzt.
Um erste Erfahrungen mit der Bearbeitung von Bildern zu sammeln, erhalten die Jungen unterschiedliche Bilder, an denen es verschiedene Dinge zu bearbeiten gibt. So erhält der Kletterer auf einmal ganz lange Arme oder zwei Männer verlieren ihre roten Augen. Hierbei ergibt sich eine Mischung aus selbst ausprobieren und vorgegebener Aufgabe. „Bilder mit entsprechender Freeware zu bearbeiten, ist eine Fähigkeit, die sie zuhause weiter nutzen können“, erzählt Kursleiter Samuel Feuerstein.

Doch nicht nur die Grundkenntnisse, Bilder zu bearbeiten, ist etwas, was die Teilnehmer aus dem Kurs mitnehmen. Durch den Fokus auf kostenlose Programme und Plattformen ist es ihnen möglich, zuhause ihre eigene Internetpräsenz weiterzuführen und auszubauen und natürlich weitere Stop-Motion-Filme zu drehen.

(Lasse Häusgen)

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